Feuer durch Hitze und Trockenheit
Brandgefährliche Getreideernte

Seppenrade -

Im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich gestaltet sich in diesen Tagen angesichts von extremer Trockenheit und Hitze die Getreideernte auf den Feldern. Kleinste Funken, die von Maschinen verursacht werden, sowie heiße Abgase oder Abluft aus Motoren reichen, um Feuer zu entfachen. In Leversum reagierten Landwirte geistesgegenwärtig.

Freitag, 26.07.2019, 06:00 Uhr
Nicht verhindern lässt sich, dass bei der Ernte derzeit staubtrockene Partikel aufgewirbelt werden. Die Gefahr, dass sie sich durch heiße Motoren entzünden, ist groß.
Nicht verhindern lässt sich, dass bei der Ernte derzeit staubtrockene Partikel aufgewirbelt werden. Die Gefahr, dass sie sich durch heiße Motoren entzünden, ist groß. Foto: Anne Eckrodt

Am Dienstagnachmittag musste die Feuerwehr zu einem Flächenbrand in der Bauerschaft Leversum ausrücken, der zum Glück schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte. Bis Donnerstag blieb das der einzige Fall in der Steverstadt, während im Kreis Steinfurt alleine am Mittwoch acht Einsätze wegen Flächenbränden regis­triert wurden.

Bodenfeuchtigkeit fehlt

„Auch hier ist die Gefahr aber riesengroß. Schon bei über 30 Grad steigt sie deutlich, zumal momentan auch die Bodenfeuchtigkeit fehlt“, weiß Reinhold Schrey vom landwirtschaftlichen Lohnunternehmen Schrey & Lendermann in Seppenrade aus Erfahrung nur zu gut. Beim Brand in Leversum war einer der eigenen Mähdrescher auf dem Feld im Einsatz.

Heiße Luft entzündet trockene Partikel

Trotz größter Vorsicht entstand das Feuer. „Wir achten bestmöglich darauf, dass kein Staub auf dem Motor liegt“, betont der Gesellschafter und Landwirt. „Die Maschinen werden jeden Tag ausgeblasen, und auch während der Arbeit wird Staub immer wieder mit dem Handfeger entfernt.“ Aber es lasse sich derzeit nicht völlig ausschließen, dass aufgewirbelte, strohtrockene Partikel auf dem Turbolader landen, sich dort durch die Hitze entzünden und aufs Feld fallen – oder am Fahrzeug selbst ein Feuer entfachen.

Feuerlöscher in Fahrzeugen

„Wenn man einen Brand an der Maschine rechtzeitig bemerkt, reicht oft eine Flasche Wasser, um das Problem zu lösen. Ansonsten hat man aber auch immer einen Feuerlöscher im Fahrzeug“, so Schrey. Eile sei auf jeden Fall geboten. „Mir ist mal eine Presse binnen fünf Minuten komplett abgebrannt“, erinnert er sich.

Brandschneide gezogen

Der Flächenbrand in Leversum endete am Dienstag glimpflich, weil nicht nur der Fahrer geistesgegenwärtig reagierte. Benachbarte Landwirte seien schnell mit Schleppern herbeigeeilt, um eine Brandschneide zu ziehen und das Feuer so einzugrenzen. „Das hat gut funktioniert“, zeigt sich Schrey erleichtert. Geht es nach ihm, dürfen die Temperaturen gerne zügig sinken, ist die Erntezeit doch gerade erst in die heiße Phase gekommen. „Ich bin wirklich froh, wenn diese Hitze vorbei ist“, meint er.

Neuer Temperaturrekord

Einen neuen Höchstwert für Lüdinghausen meldete Hugo Kleuter am Donnerstag: Um 15.50 Uhr hatte der Landwirt an der Wetterstation, die er in der Bauerschaft Brochtrup ehrenamtlich für den Deutschen Wetterdienst (DWD) betreibt, 38,7 Grad gemessen. „Das ist Wahnsinn“, so seine Reaktion. Der zuvor höchste an der seit August 2004 bestehenden Station gemessene Wert waren 38,1 Grad am 7. August 2018. Ob es im August des Hitzesommers 2003 an der Station noch heißer war, darüber lässt sich nach Angaben des DWD nur spekulieren. Denn zwischen September 1995 und August 2004 hatte es keine Station gegeben. Zuvor – ab 1950 – waren 35,2 Grad am 11. Juli 1959 als Rekordtemperatur in Lüdinghausen gemessen worden.-ae-

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