Ein komplexes Problem
Forstwirt sorgt sich um den Wald

Drensteinfurt -

Dem Wald geht es schlecht. Pilze, Schädlinge, Trockenheit und Hitze: All diese Komponenten zusammengenommen sorgen dafür, dass mehr und mehr Bäume absterben. Auch in Drensteinfurt macht sich das immer stärker bemerkbar. Das sieht Diplom-Forstwirt Stephan Rast täglich bei seiner Arbeit.

Sonntag, 28.07.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 28.07.2019, 16:53 Uhr
Nichts mehr zu machen: Diese Reihe toter Fichten in Eickenbeck verdeutlicht den schlechten Allgemeinzustand des hiesigen Waldes.
Nichts mehr zu machen: Diese Reihe toter Fichten in Eickenbeck verdeutlicht den schlechten Allgemeinzustand des hiesigen Waldes. Foto: Nicole Evering

Die Masse macht‘s. Das gilt für den Befall mit Pilzen und Insekten. Trockenheit und Hitze tun ihr Übriges. Die Konsequenz: Dem Wald geht es schlecht. Auch in Drensteinfurt macht sich das immer stärker bemerkbar. Das sieht Diplom-Forstwirt Stephan Rast täglich bei seiner Arbeit.

Erst gestern musste er den Harvester, eine Holz-Erntemaschine, nach Lüdinghausen beordern. 300 Festmeter Fichtenholz sollten geräumt werden. Der Borkenkäfer – gepaart mit Wassermangel – hatte dort ganze Arbeit geleistet. „Bisher war es immer möglich, nur kleinere Flächen kahlzuschlagen. Heute gehen wir radikaler vor. Denn die Zahl der abgestorbenen Bäume wächst rasant“, erklärt Rast.

Und der Verlust für die Waldbesitzer ist enorm. Vor Sturm „Friederike“, der im Januar 2018 wütete, kostete der Festmeter Fichtenholz 92 Euro. Jetzt, nach dem Rekord-Sommer 2018 und einem erneut zu trockenen Frühjahr 2019, sind es noch 43 Euro. Hinzu kommt: Nicht jeder Baum lässt sich überhaupt noch verkaufen. Totholz ließe sich höchstens noch für Spanplatten oder als Brennholz verwenden, berichtet Stephan Rast. Da sei man schnell bei Verlusten im fünfstelligen Bereich, rechnet er vor.

Vier Hauptbaumarten

Eichen, Buchen, Fichten und Kiefern: Diese vier Hauptbaumarten bestimmen das Bild des deutschen Waldes. Und alle sind in irgendeiner Form vom Klimawandel betroffen. Von „Komplexkrankheiten“ spricht da der Experte und erklärt diese am Beispiel der Eiche, die darunter seit 2010 immer stärker zu leiden hat.

In diesem Sommer kämpft sie mit Eichenprozessionsspinner, Schwammspinner und Grünem Eichenwickler, die sich bei warmem Wetter besonders wohlfühlen und exponentiell vermehren. Alle drei Arten ernähren sich von den Blättern der Eiche. „Einen einmaligen Kahlfraß können gesunde Bäume ohne Probleme aushalten. Passiert dies aber zwei, drei Mal hintereinander, dann gehen sie kaputt“, berichtet der selbstständige Assessor des Forstdienstes.

Hinzu kommt der durch Pilze verursachte Mehltau, der als weißer Belag auf der Blattoberseite der Eichen, auch hier in der Bauerschaft Eickendorf, erkennbar ist. Zudem ist der Boden zu trocken, und von oben strahlt die Sonne unerbittlich. „Auch Bäume können Sonnenbrand bekommen“, weiß der Drensteinfurter. Das Zusammenspiel all dieser Komponenten lasse die Bäume dann absterben.

Palmen im Münsterland

Die Förster ergreifen jedoch Gegenmaßnahmen. Bisher sei der Einsatz chemischer oder biologischer Mittel möglichst vermieden worden. „Aber wir werden da in Zukunft nicht mehr drum herum kommen“, vermutet der Diplom-Forstwirt. Bei Neuanpflanzungen werde darüber hinaus häufiger auf Arten wie Douglasie oder Robinie zurückgegriffen, die mit Trockenheit besser klarkommen. „Und irgendwann haben wir dann Palmen im Münsterland“, formuliert es der 39-Jährige etwas überspitzt. Doch in seinen Worten schwingt die Sorge mit, dass der Klimawandel eigentlich schon fast nicht mehr aufzuhalten ist.

Er sieht grundsätzlich die Entscheider in der Politik in der Pflicht. „Man hätte schon vor 20 Jahren umdenken müssen. Aber erst jetzt passiert etwas, wo die Auswirkungen des Klimawandels schon für alle spürbar sind.“

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