Vogelsterben an der Burg Vischering
Kanal-Öffnung sorgt für mehr Sauerstoff im Wasser

Lüdinghausen -

Mittlerweile haben Tierschützer über 40 tote Wasservögel aus der Gräfte an der Burg Vischering geborgen. Am Montag machten sich der Kreisveterinär und der Leiter der Unteren Wasserbehörde ein Bild von der Situation vor Ort. Handlungsbedarf sehen sie derzeit nicht – was mit der Einleitung von Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal in die Stever zusammenhängt.

Montag, 29.07.2019, 18:00 Uhr
Machten sich am Montag ein Bild vor Ort: Hermann Mollenhauer (r.), Leiter der Unteren Wasserbehörde, und Kreisveterinär Dr. Wilfried Hasert (l.) an der Außengräfte. Über den Zulauf von der Vischering-Stever gelangen täglich knapp 100 Kubikmeter Wasser in die Außengräfte.
Machten sich am Montag ein Bild vor Ort: Hermann Mollenhauer (r.), Leiter der Unteren Wasserbehörde, und Kreisveterinär Dr. Wilfried Hasert (l.) an der Außengräfte. Über den Zulauf von der Vischering-Stever gelangen täglich knapp 100 Kubikmeter Wasser in die Außengräfte. Foto: Anne Eckrodt

Nachdem Tierschützer am Wochenende – wie berichtet – erneut über 20 verendete Wasservögel aus der Gräfte an der Burg Vischering geborgen hatten, machten sich Vertreter des Kreises Coesfeld am Montag vor Ort ein Bild von der Situation. „Nach den neuesten Laborergebnissen der acht untersuchten Tiere können wir Geflügelpest und Vogelgrippe ausschließen“, so Kreisveterinär Dr. Wilfried Hasert. Die Enten seien jedoch auffallend abgemagert und von Parasiten befallen gewesen.

Natürliches Nervengift vermutet

Die Tierschützer vermuten, dass die mittlerweile über 40 toten Wasservögel an den Folgen von Botulismus gestorben sind . Das natürliche Nervengift wird im Schlick vor allem von künstlich angelegten stehenden Gewässern freigesetzt und ruft Lähmungen hervor. Die Folge: Die Tiere ertrinken. Deshalb hatten Christian Adam vom Tierschutzverein tierretter.de (Münster) und seine Mitstreiter bereits in der vergangenen Woche als Sofortmaßnahme die Einleitung von Wasser in hohen Fontänen – zum Beispiel mit Hilfe der Feuerwehr – gefordert, um die Sauerstoffkonzentration zu erhöhen.

Tote Wasservögel an der Burg Vischering

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  • Über 40 Wasservögel sind mittlerweile tot aus der Gräfte an der Burg Vischering geborgen worden.

    Foto: Anne Eckrodt
  • Kreisveterinär Dr. Wilfried Hasert (l.) und Hermann Mollenhauer, Leiter der Unteren Wasserbehörde, machten sich vor Ort ein Bild von der Situation.

    Foto: Anne Eckrodt
  • Diese Schwanenküken starb, kurz nachdem die Tierschützer es gefunden hatten.

    Foto: Anne Eckrodt
  • Foto: Anne Eckrodt
  • Über 40 Wasservögel sind mittlerweile tot aus der Gräfte an der Burg Vischering geborgen worden.

    Foto: privat
  • Über 40 Wasservögel sind mittlerweile tot aus der Gräfte an der Burg Vischering geborgen worden.

    Foto: privat
  • Über 40 Wasservögel sind mittlerweile tot aus der Gräfte an der Burg Vischering geborgen worden.

    Foto: privat
  • Einige Tiere konnten lebend geborgen werden und werden nun in Pflegestellen wieder aufgepäppelt.

    Foto: privat
  • Einige Tiere konnten lebend geborgen werden und werden nun in Pflegestellen wieder aufgepäppelt.

    Foto: privat

„Unsere Wasserproben haben jedoch gezeigt, dass sowohl der pH-Wert als auch der Sauerstoffgehalt in Ordnung sind“, machte Hermann Mollenhauer, Leiter der Untereren Wasserbehörde beim Kreis Coesfeld, deutlich. Er führt das darauf zurück, dass die Gelsenwasser AG seit vergangenem Donnerstag aus dem Dortmund-Ems-Kanal in Senden täglich rund 70 000 Kubikmeter Wasser in die Stever leitet, um die Trinkwasserversorgung über den Halterner Stausee sicherzustellen.

„Davon profitiert auch das Gräftensystem an der Burg Vischering. Denn über den Zulauf aus der Vischering-Stever fließen täglich knapp 100 Kubikmeter Wasser in die Außengräfte“, erläuterte Mollenhauer. Damit gelange nicht nur sauerstoffreicheres Wasser in die Gräfte, auch der Wasserstand steige wieder. Hasert: „Die Öffnung des Kanals in Senden hat hier schon sehr große Abhilfe geschaffen.“ Weitere Maßnahmen seien daher derzeit nicht erforderlich.

15 Tiere lebend gerettet

Dass am Wochenende erneut über 20 tote Tiere gefunden wurden, führt der Kreisveterinär darauf zurück, dass diese das Gift zuvor bereits aufgenommen hatten und dann nach und nach verendet seien.

Den Tierschützern gelang es am Wochenende, 15 Tiere lebend zu retten. Dank regelmäßiger Sondierung mit Elektrolytlösungen gehe es den meisten schon wieder relativ gut. „Uns ist jedoch aufgefallen, dass sie extrem viele Blutegel in den Augen und im Schlund hatten“, so Adam. Ein Phänomen, für das der Kreisveterinär am Montag auf Anhieb auch keine Erklärung hatte. „Es könnte insgesamt ein hohes Blutegelaufkommen in dem Gewässer geben“, sagte Hasert. Das müssten weitere Untersuchungen zeigen.

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