Forstoberinspektor Matthias Schulte-Everding
„Die Gesellschaft braucht den Wald“

Nottuln -

Trockenheit und Schädlingsbefall machen dem Wald zu schaffen. Auch in der Baumberge-Region ist das zu beobachten. Förster Matthias Schulte-Everding ist besorgt.

Mittwoch, 31.07.2019, 22:00 Uhr
Die Bäume leiden unter Schädlingsbefall und den hohen Temperaturen - auch in der Baumberge-Region.
Die Bäume leiden unter Schädlingsbefall und den hohen Temperaturen - auch in der Baumberge-Region. Foto: Hugo Schmidt

Fast täglich inspiziert Matthias Schulte-Everding gemeinsam mit seinen beiden Hunden Copper und Wim die heimischen Wälder rund um die Baumberge. Bei seinen Begehungen fallen dem für die Region zuständigen Forstoberinspektor zunehmend die dramatischen Folgen des Klimawandels und der sich rasant ausbreitende Schädlingsbefalls auf.

Die Wälder seien im akuten „Trockenstress“, erklärt er. Es sei zu lange zu heiß und zu trocken gewesen. „Das ist wirklich kein Waldwetter.“ Zudem sei der Grundwasserspiegel in der Region sehr niedrig. Vor der Folge warnt Schulte-Everding eindringlich: „Die Waldbrandgefahr in der Region ist sehr hoch.“ Es sei noch viel wichtiger, im Wald achtsam zu sein, als man es ohnehin sein sollte.

Neben der anhaltenden Trockenheit haben die Wälder auch mit dem Befall durch Schädlinge zu kämpfen. Einer der bekannteren ist der Borkenkäfer, und von ihm betroffen sind Fichten. Der Käfer setzt sich unter die Rinde und vermehrt sich dort rasend schnell. Unter der Rinde klettern die Larven in der Fichte hoch. In der Folge bröselt die Rinde Stück für Stück vom Baum herunter, die Nadeln rieseln zu Boden, Äste brechen ab. Die Bäume sind tot, ganze Bestände zerstört. Auch in der hiesigen Region sei der Befall massiv und entwickle sich rasant, beschreibt Matthias Schulte-Everding die Situation und prognostiziert: „Die Fichte hat keine Zukunft.“

Was folgt, sei die Abholzung. Das Holz der Fichten sei auf dem Markt aktuell kaum etwas wert, da das Angebot riesengroß ist, erklärt Schulte-Everding. Doch das Abholzen dient auch dem Eindämmen der Ausbreitung des Borkenkäfers. Problematisch ist jedoch, dass große Rodungen von Fichtenbeständen in den Wäldern große Löcher hinterlassen. Diese Kahlflächen beeinträchtigen das Ökosystem in den Wäldern.

Um solch radikale Maßnahmen in Zukunft seltener durchführen zu müssen, gehe der Trend hin zu Mischwaldbeständen, erklärt der Fachmann. Beim Befall einer Baumart können dann die verbliebenen anderen Arten die Lücken wieder füllen. Der Waldumbau werde jedoch noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. „Es gibt kein Patentrezept für einen solchen Umbau der Wälder. Man muss vor Ort gucken, was möglich und sinnvoll ist. Wichtig ist, dass man mit großer Weitsicht plant, denn was wir heute pflanzen, prägt erst in 50 oder 100 Jahren das Bild unserer Wälder“, sagt der Forstoberinspektor.

Bei dieser Neustrukturierung der Wälder sind auch die Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen. Gesucht werden daher Baumarten, die hohe Temperaturen wie in den vergangenen Tagen besser aushalten. So sind Bäume wie die Douglasien oder auch Esskastanien in der Diskussion. Daneben gebe es auch Versuche, alte Entwässerungsgräben, die einst das Wasser aus den Wäldern sammeln und abführen sollten, zu schließen, damit das Wasser länger in den Waldböden verbleibt.

Der Forstoberinspektor blickt mit Sorge ins nächste Jahr, möchte aber auch keine Schwarzmalerei betreiben. Es sei bekannt, dass die Wälder bereits seit einigen Jahren unter enormen Stress leiden und der Klimawandel in den Forsten bereits lange spürbar ist. Wichtig sei daher aber, dass sich die Menschen der Rolle der Wälder, unter anderem als Sauerstoffproduzenten oder als Immissionsfilter für unsere Luft, wieder bewusst werden, sagt er: „Wir, die Gesellschaft, brauchen den Wald!“

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