Ausbildungsmarkt
Gute Chancen für Schulabgänger: mehr als 200.000 Lehrstellen unbesetzt

Münster/Düsseldorf -

Zum Start des Ausbildungsjahres suchen viele Unternehmen noch immer geeignete Azubis. 

Donnerstag, 01.08.2019, 07:51 Uhr
Ausbildungsmarkt: Gute Chancen für Schulabgänger: mehr als 200.000 Lehrstellen unbesetzt
Eine weibliche Auszubildende feilt an einem Werkstück: Viele Unternehmen suchen weiter dringend nach Lehrlingen. Foto: dpa

Der Branchenverband des Maschinenbaus (VDMA) warnt, die Ausbildungslücke könne zur Wachstumsbremse werden. Laut der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sind in NRW noch immer 40.384 Ausbildungsstellen unbesetzt. Dem standen im Juli noch 33.344 Bewerber gegenüber. „Insgesamt wird es für Betriebe immer schwerer, Ausbildungsstellen zu besetzen“, so die Chefin der NRW-Regionaldirektion, Christiane Schönefeld. Bundesweit waren nach BA-Zahlen noch 207 200 Lehrstellen unbesetzt – drei Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Rein rechnerisch entfielen damit 100 Ausbildungsstellen auf nur 93 Bewerber.

Mit Blick auf das Handwerk sagt Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster (HWK): „Es wird zunehmend schwieriger, weil viele Jugendliche nicht ausreichend über die Vielfalt der Berufe informiert sind und immer mehr den Weg in eine schulische oder akademische Ausbildung einschlagen.“ Wobei: Zum Stichtag 30. Juli ist die Zahl der bei der HWK Münster registrierten neu abgeschlossenen Lehrverträge um 4,3 Prozent auf 4106 gestiegen.

Frauen im Handwerk

Handwerk scheint oft noch als Männersache zu gelten: 84 Prozent der bei der Handwerkskammer Münster (HWK) registrierten Azubis sind Männer,  16 Prozent Frauen. „Junge Frauen bevorzugen zurzeit eher geschlechterspezifische Berufe als gewerblich-technische“, bedauert HWK-Präsident Hund.

„Die Betriebe im Handwerk würden sich über mehr Bewerberinnen auf ihre Ausbildungsplätze freuen.“ Bei den Männern ist laut HWK-Statistik Kraftfahrzeugmechatroniker der meistgewählte Beruf, bei den Frauen das Friseurhandwerk. Und: Inzwischen hat jeder fünfte Azubi im Handwerk das Abitur, etwa die Hälfte einen Realschul-, ein Viertel den Hauptschulabschluss.

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Die Zwischenbilanz zeige, „dass das Handwerk für Schulabgänger weiter an Attraktivität gewonnen hat und gleichzeitig der Fachkräftebedarf seitens der Betriebe bei guter Konjunktur hoch ist“, so Hund. Die HWK erwartet daher noch zahlreiche weitere Azubis bis Jahresende. Allein 368 freie Plätze stehen aktuell in der Lehrstellenbörse der HWK – 104 mehr als im vergangenen Sommer. Und auch in der Lehrstellenbörse der Industrie und Handelskammer Nord Westfalen (IHK) werden noch rund 770 Ausbildungsstellen angeboten.

Auch die IHK meldet Ausbildungszahlen leicht über dem Vorjahresniveau. Dort sind zum Stichtag 31. Juli insgesamt 8068 Ausbil dungsverträge eingegangen – 62 mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. „Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass deutlich weniger Jugendliche und junge Erwachsene im Frühsommer die Schule verlassen haben, ist das eine sehr gute Zwischenbilanz“, unterstreicht IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel. Dies sei auch ein Erfolg des verbesserten Ausbildungsmarketings der Unternehmen. „Die Betriebe suchen verstärkt den direkten Kontakt zu potenziellen Bewerbern“, sagt Jaeckel. Beide Kammern unterstützen sie dabei.

Allerdings: Die positive IHK-Bilanz liegt auch am „uneingeschränkt erfreulichen“ Stand in der Emscher-Lippe-Region, wo die Ausbil dungszahlen um satte 4,7 Prozent zulegen. Das Münsterland hängt mit 5946 Ver­trägen dagegen den Ergebnissen des Vorjahres in der IHK-Bilanz noch ganz leicht (0,6 Prozent) hinterher. Bis Ende September rechnet die IHK aber mit rund 2000 weiteren Ausbildungsverträgen im Kammerbezirk. Jugendlichen, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, raten beide Kammern, sich bei IHK und HWK zu melden.

Trotz aller Bemühungen findet laut einer IHK-Umfrage aus dem vergangenen Jahr jeder dritte Ausbildungsbetrieb in Nord-Westfalen nicht mehr genügend geeignete Bewerber. Im vergangenen Jahr erhielten die Betriebe im Kammerbezirk demnach für ein Fünftel der unbesetzten Azubi-Stellen überhaupt keine Bewerbungen.

Arbeitslosenzahlen

Zum Start der Sommerferien ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli in NRW leicht gestiegen auf rund 646 000 Menschen – knapp 12 500 mehr als im Vormonat, berichtete die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Grund dafür seien vor allem vorübergehende Arbeitslosmeldungen junger Menschen, die  ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hätten. Die Arbeitslosenquote in NRW stieg im Juli um 0,1 Punkte auf 6,6 Prozent.

Im Bereich der Arbeitsagentur Rheine lag sie bei 4,0 Prozent (plus 0,1 Prozent gegenüber Juni), in Ahlen-Münster bei 4,6 Prozent (plus 0,2 Prozent) und im Bereich der Agentur Coesfeld bei 3,3 Prozent (plus 0,2 Prozent). Bundesweit: 5,0 Prozent.

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