Fichtensterben
„Der Borkenkäfer bleibt nicht ewig“

Lüdinghausen -

Im Wald von Berenbrock hat der Borkenkäfer inzwischen für eine große Lichtung gesorgt. Das Fichtensterben ist längst in der Lüdinghauser Bauerschaft angekommen. Bei aller Betroffenheit sieht Förster Wolf Meyer aber auch Licht am Ende eines langen Tunnels.

Mittwoch, 07.08.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 10:03 Uhr
Dort, wo bis vor kurzem Fichten dicht an dicht standen, hat ein Harvester (hier bei der Arbeit) für eine weiter wachsende große Lichtung gesorgt.
Dort, wo bis vor kurzem Fichten dicht an dicht standen, hat ein Harvester (hier bei der Arbeit) für eine weiter wachsende große Lichtung gesorgt. Foto: Christian Besse

Ausgelassen tollt Blixten über die gefällten Bäume. Der kleine Parson-Terrier freut sich über die wie für ihn am Boden nebeneinander aufgereihten, entästeten Fichtenstämme. Blixtens Herrchen freut sich weniger. Wolf Meyer wäre es lieber, wenn die Fichten noch stehen würden, in gesundem Zustand natürlich.

Dabei war es der Förster selbst, der dem Privatbesitzer der Waldfläche in Berenbrock geraten hatte, die Fichten zu fällen. Eben weil sie nicht gesund waren, sondern krank, angefallen vom Borkenkäfer. Zu retten waren sie nicht mehr. 90 Prozent aller Fichten in diesem Waldgebiet werden in den nächsten beiden Wochen durch den Harvester, eine automatisch arbeitenden Holzerntemaschine, gefällt und entästet – im Schnitt „etwa 100 bis 120 Festmeter“ täglich, so Meyer.

Dramatische Situation 

„Das Problem mit dem Borkenkäfer ist hier eigentlich weniger ausgeprägt als anderswo, weil wir weniger Fichten haben“, sagt der 61-Jährige, der seit 28 Jahren privat betriebene Wälder in Lüdinghausen und Ascheberg betreut. „Im Teutoburger Wald etwa mit seinen vielen Fichten ist die Situation dramatischer.“

Das Problem mit dem Borkenkäfer ist hier eigentlich weniger ausgeprägt als anderswo, weil wir weniger Fichten haben.

Förster Wolf Meyer

Doch Dramatik ist relativ. Auch vor einem Mischwald wie dem in Berenbrock, wo neben Fichte unter anderem Roteiche, Esche, Buche und Ahorn stehen, macht der Borkenkäfer nicht Halt. Er macht sich seit einem Jahr europaweit über die Fichten her. Das sei kein Zufall, so Förster Meyer. Der Sturm „Friederike“ im Januar 2018 und die ihm folgende Sommerdürre hätten dem Insekt quasi den Weg geebnet. „Und nun haben wir schon die zweite Dürre in Folge. Wenn der Borkenkäfer jetzt die Fichte anfliegt, hat sie gar keine Abwehrmöglichkeit mehr.“

Dem Borkenkäfer auf der Spur

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Jetzt heißt es: aufforsten

Da, wo die nun gefällten Bäume zuvor dicht an dicht standen, ist im Wald von Berenbrock eine riesige Lichtung entstanden. Sie wird nicht lange bleiben. „Innerhalb von zwei Jahren muss wieder aufgeforstet werden“, erklärt der Förster die Gesetzeslage. Mit welchen Baumarten die Lücken geschlossen werden, sei noch nicht entschieden. „Da haben Land, Bund und Europa ja auch mitzubestimmen.“

Dass die Fichte auch in Zukunft zu Deutschlands Waldbeständen gehört, ist dem 61-Jährigen aber ganz wichtig. „Das Nadelholz jetzt zu verteufeln, ist auch nicht richtig“, betont der langjährige Waldexperte. Um dann rhetorisch nachzulegen: „Oder haben Sie schon einmal einen Dachstuhl aus Buchenholz gesehen?“

Zwei Fragen an Wolf Meyer

Förster Wolf Meyer betreut seit fast drei Jahrzehnten Wälder in Privatbesitz, unter anderem in Lüdinghausen und Ascheberg.Hat die Fichte angesichts des massiven Befalls durch den Borkenkäfer überhaupt noch eine Zukunft?Meyer: Ich finde, dass man da nicht in Panik verfallen sollte. Der Höhepunkt ist meines Erachtens zwar noch nicht erreicht, mindestens ein Jahr wird uns der Borkenkäfer bestimmt noch beschäftigen. Irgendwann wird ihm dann aber die Nahrungsgrundlage fehlen. Ganz aussterben wird die Fichte deswegen aber nicht.Wie wird ein typischer Wald in, sagen wir, 50 Jahren aussehen?Meyer: Er wird auf jeden Fall mehr strukturiert sein als heute – sowohl, was die Arten als auch was das Alter der Bäume angeht.

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