Hohe Auflagen für „Klimaschutzsiedlung“
Baugebiet „Mondscheinweg“: Mittelweg oder alles auf Anfang ?

Drensteinfurt -

Der Antrag der CDU-Fraktion, das bereits fertig geplante Baugebiet „Mondscheinweg“ in eine „Klimaschutzsiedlung“ verwandeln zu wollen, hat für einen Knalleffekt vor der politischen Sommerpause gesorgt. Denn das von der Energieagentur NRW vergebene und geschützte Label ist an strenge Auflagen geknüpft.

Mittwoch, 07.08.2019, 10:00 Uhr
Die Rahmenplanung zum Baugebiet „Mondscheinweg“ ist abgeschlossen. Sollte die Politik sich nun dem Projekt „100 Klimaschutzsiedlungen“ anschließen wollen, müsste das „Paket“ wohl noch einmal aufgeschnürt und umfassend angepasst werden.
Die Rahmenplanung zum Baugebiet „Mondscheinweg“ ist abgeschlossen. Sollte die Politik sich nun dem Projekt „100 Klimaschutzsiedlungen“ anschließen wollen, müsste das „Paket“ wohl noch einmal aufgeschnürt und umfassend angepasst werden. Foto: Stadt

„Etwa ein Drittel des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland wird für die Raumwärme und Warmwassererzeugung in Gebäuden benötigt. Somit spielt das energieeffiziente Bauen und die energetische Sanierung von Gebäuden im Rahmen der Klimaschutzpolitik eine wichtige Rolle“, heißt es in der Erläuterung der Energieagentur. „Mit dem Bau und der Sanierung von kompletten Siedlungen eröffnen sich weitreichende Möglichkeiten zur CO2-Reduzierung.“ In der Vergangenheit etwa sei es bereits gelungen, durch die Kombination von Energieeinsparung und den Einsatz von Solarenergie im Rahmen des Projektes „50 Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“ konkrete Erfolge zu erzielen.

Als Bestandteil der nordrhein-westfälischen Energie- und Klimaschutzstrategie sollen mit dem neuen Projekt „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ die wärmebedingten CO2-Emissionen in Wohnsiedlungen weiter konsequent reduziert werden. „Hierfür können alle Technologien, die zur CO2-Einsparung geeignet sind, eingesetzt werden. Planer und Investoren haben dadurch die Freiheit, aus einer großen Bandbreite innovativer Gebäudestandards und Versorgungsvarianten auszuwählen“, heißt es weiter.

Städtebauliche und soziale Qualitäten

Der dazu verfasste Planungsleitfaden definiert die konkreten Anforderungen und Empfehlungen, deren Ziel es ist, die CO2-Emissionen bei Neubauten bis zu 60 Prozent unter die Werte zu drücken, die sich für konventionelle Referenzgebäude ergeben. „Auch wenn es bei den Klimaschutzsiedlungen schwerpunktmäßig um die Vermeidung von CO2- Emissionen geht, sollen sich diese über das innovative Energiekonzept hinaus durch besondere städtebauliche und soziale Qualitäten auszeichnen“, schreibt die Energieagentur weiter. Ziel sei es, umweltverträgliches Bauen als einen wichtigen Bestandteil einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung zu fördern.

„Wenn wir uns daran orientieren, stünden wir zwar nicht wieder ganz am Anfang, denn weite Teile der Planung wären wohl konform. Wir wären dann aber auch nicht mehr auf der Zielgeraden. Es wäre ein deutlicher Schritt zurück“, erklärt Bauamtsleiter Christoph Britten. „Wir müssten auf jeden Fall eine Ehrenrunde bei der Offenlage drehen.“

Höher als Kfw-55-Standard

Denn das Label stelle sowohl andere Anforderungen an die Planung des Gebiets als auch an die spätere Vermarktung der Grundstücke. Die Gebäude müssten ganz andere Standards erfüllen – „und die sind deutlich höher als bei einem Kfw-55-Haus“.

Britten habe jedoch bereits Rücksprache mit der CDU-Fraktion gehalten, die den Antrag, das Neubaugebiet dementsprechend zu planen, in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause eingebracht hatte. Und ganz so wie dargelegt, sei der dann doch nicht gemeint gewesen, hat Britten erfahren. Vielmehr wolle die CDU den „Geist“ einer Klimaschutzsiedlung am Mondscheinweg umgesetzt wissen. Nun müsse ein Mittelweg bei der Realisierung gefunden werden. Dies soll laut Britten in der nächsten Sitzungsperiode nach der Sommerpause geschehen.  

►  Der 48-seitige Planungsleitfaden, der alle Anforderungsdetails enthält, ist hier zu finden

Kommentar: Warum nicht gleich so ?

Der Antrag der CDU, das Areal am Mondscheinweg zur „Klimaschutzsiedlung“ zu erklären, sorgte kurz vor der politischen Sommerpause für Verblüffen – und für Applaus seitens der Grünen. Bleibt nur die Frage: Warum nicht gleich so? Klimaschutz ist nun wirklich nicht erst seit gestern ein akutes Thema, und es waren ja nun durchaus einige Jahre lang Zeit, das Areal entsprechend zu planen.

Fakt ist, dass die nun angestrebte, umweltpolitisch sinnvolle „Rolle rückwärts“ den Zeitplan nun noch einmal gehörig nach hinten schieben dürfte. Nicht nur mit Konsequenzen für Hunderte potenzielle „Häuslebauer“, die teilweise seit Jahren auf der städtischen Warteliste stehen. Erinnert sei vielmehr auch daran, dass am Mondscheinweg auch dringend benötigte Mietwohnungen sowie ein seit Langem gewünschtes Wohnheim für Behinderte entstehen sollen. Fragt sich halt nur, wann? | (Dietmar Jeschke)

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