Initiative erinnert an Opfer des Nationalsozialismus
Felix Neufeld rettete sich, verlor aber Frau und Kind

Lengerich/Geisenheim -

Eine Initiative innerhalb des Heimatvereins widmet sich dem Thema Stolpersteine. Mit den kleinen, in den Boden gelassenen Gedenktafeln wird an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Jetzt auch an Felix Neufeld.

Dienstag, 13.08.2019, 12:35 Uhr aktualisiert: 13.08.2019, 12:40 Uhr
Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinen Stolpersteinen unter anderem an den aus Lengerich stammenden Felix Neufeld.
Künstler Gunter Demnig erinnert mit seinen Stolpersteinen unter anderem an den aus Lengerich stammenden Felix Neufeld. Foto: Hammerschmidt

In der vergangenen Woche weilte eine Delegation der Stolperstein-Initiative im Heimatverein Lengerich in Geisenheim am Rhein. Anlass war die Verlegung von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig, unter anderem für den aus Lengerich stammenden jüdischen Metzger Felix Neufeld.

Stolpersteine sind kleine, in Fußwege und Plätze eingelassene Gedenktafeln aus Messing vor Häusern, in denen Juden und andere Opfer des Nationalsozialismus einst wohnten. Auch in Lengerich gibt es einige.

Felix Neufeld wurde am 4. November 1896 als zweiter Sohn der Eheleute Abraham und Emma Neufeld in Lengerich geboren, heißt es in einer Pressemitteilung der Stolperstein-Initiative. Die Familie betrieb an der Osnabrücker Straße 11 einen Viehhandel und eine Pferdemetzgerei. Nach dem Besuch der Volksschule und einer Fleischerlehre in Meschede wurde Felix Neufeld 1917 eingezogen; nach Ende des Ersten Weltkriegs arbeitete er dann im elterlichen Betrieb. Dass er im gesellschaftlichen Leben der Stadt aktiv war, zeigt sich unter anderem daran, dass er 1920 Schützenkönig im Schützenverein Intrup-Niederlengerich wurde. Am 22. Dezember 1927 heiratete er in Geisenheim die Tochter des dortigen jüdischen Metzgers Löwenthal und die beiden bekamen am 7. Juli 1929 ihren Sohn Werner.

Nach 1933 und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war die Fleischerei Löwenthal, in der Felix Neufeld mitarbeitete, nach Angaben der Aktiven des Heimatvereins derartigen Schikanen ausgesetzt, dass die Eltern von Felix‘ Frau Selma ihr Geschäft im Juli 1936 aufgeben mussten und Geisenheim verließen. Felix Neufeld und seine Familie gingen nach Lengerich und unterstützten seine Mutter, die seit zwei Jahren Witwe war. Doch nach der Reichspogromnacht am 10. November 1938 sah Felix Neufeld keine Zukunft mehr in Deutschland. In der Hoffnung, seine Familie nachholen zu können, floh er nach England und 1948 weiter nach New York – in der Zwischenzeit waren seine Frau Selma und sein Sohn Werner indes deportiert und ermordet worden. Felix Neufeld starb am 18. November 1969 in New York.

Die Lengericher Stolperstein-Initiative erforscht derzeit das Schicksal von sechs jüdischen Familien aus Lengerich; im März des kommenden Jahres sollen auch in Lengerich weitere Stolpersteine verlegt werden, heißt es.

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