Verstoß gegen Kriegswaffenkontrollgesetz
Metelener wegen Besitz von Bundeswehr-Waffe verurteilt

Metelen/Rheine -

Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Diese Erfahrung musste ein Angeklagter machen, dem ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz – allerdings in einem minder schweren Fall – vorgeworfen wurde.

Mittwoch, 14.08.2019, 21:00 Uhr
Für den Besitz einer G3-Waffe, wie sie auch bei der Bundeswehr genutzt wurde – hier ein Bild aus einem Manöver – musste sich ein Metelener vor dem Amtsgericht verantworten.
Für den Besitz einer G3-Waffe, wie sie auch bei der Bundeswehr genutzt wurde – hier ein Bild aus einem Manöver – musste sich ein Metelener vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

Ahnungslos und guten Willens folgte ein 70-jähriger ehemaliger Zeitsoldat aus Metelen dem Aufruf in den Medien zur Waffenamnestie. Das bedeutet, dass illegale Waffen, die zu Hause lagerten, straffrei bei der Polizei abgegeben werden konnten.

Er nahm sein von ihm während seiner Bundeswehrzeit in den 70/80er Jahren aus Altteilen zusammengebautes vollautomatisches Selbstladegewehr der Firma „Heckler & Koch“, Modell G 3, und machte sich auf den Weg zur Wache. Dort angekommen, erlebte er eine böse Überraschung: Polizeibeamte erklärten ihm, dass das Gewehr unter das Kriegswaffenkontrollgesetz falle und der Besitz strafrechtlich verfolgt werde. Sie leiteten ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft ein.

Geldstrafe nach Geständnis

Deswegen saß der bislang vollkommen unbescholtene Rentner am Dienstag mit einer Verbrechensanklage wegen Verstoßes gegen das Waffenkontrollgesetz in einem minder schweren Fall als Angeklagter beim Schöffengericht in Rheine. Nach seinem Geständnis verurteilte das Gericht ihn deswegen zu einer Geldstrafe von 1200 Euro bei 40 Tagessätzen à 30 Euro, auch auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Damit gilt er weiterhin in seinem polizeilichen Führungszeugnis als nicht vorbestraft, die Grenze liegt bei 90 Tagessätzen.

„Ich fühle mich, als sei ich in eine Falle getappt, weil ich nie zuvor von einem Kriegswaffenkontrollgesetz im Zusammenhang mit einem solchen Gewehr gehört habe“, sagte der Angeklagte. Die Ladung zur Gerichtsverhandlung hätten ihn und seine Frau sehr belastet.

Sofort nach der Anklageverlesung räumte der Rentner aus Metelen ein: „Der Tatvorwurf stimmt. Ich war zwölf Jahre Zeitsoldat und habe noch während meiner aktiven Soldatenzeit in Unna aus zerbrochenen Teilen das Gewehr zusammenmontiert, das hat eineinhalb Jahre gedauert. Für das Gewehr habe ich noch nie auch nur einen Schuss Munition besessen. Meiner Ansicht nach sind eine Armbrust mit zwei Pfeilen oder ein Luftgewehr gefährlicher als diese Waffe ohne Munition.“

Verstoß als Verbrechen verfolgt

Wenn er auch nur geahnt hätte, dass er sich mit dem Besitz strafbar mache, hätte er das Gewehr mit einer Flex in Einzelteile geschreddert und selbst entsorgt. „Das wäre ein Leichtes für mich gewesen.“ In seinem letzten Wort sagte er: „Dass ich das Ding zusammengebaut habe, war einer der größten Fehler meines Lebens“.

Die Richterin ging in der Urteilsbegründung auf seine Enttäuschung ein: „Ich kann verstehen, dass Sie verärgert sind, dass nach der freiwilligen Abgabe ein Verfahren gegen Sie eingeleitet worden ist. Aber Sie haben mit dem Besitz gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen. Das Gewehr war funktionsfähig, wie das Gutachten des Landeskriminalamtes ergeben hat.“

Derartige Verstöße würden als Verbrechen verfolgt. „Deswegen wird beim Schöffengericht verhandelt,“ sagte sie. Eine Einstellung des Verfahrens sei nicht möglich. Um das Verfahren zu entschärfen, hätte die Staatsanwaltschaft bereits einen minder schweren Fall angeklagt.

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