Integration von Flüchtlingen
Wohnungssuche bleibt ein Problem

Nordwalde -

Es sind nicht alle Schwierigkeiten verschwunden, aber die Gemeinde macht Fortschritte bei der Integration von Flüchtlingen. Das größte Problem bleibt die Wohnungssuche. Besonders alleinstehende Männer haben es schwer, eine eigene Wohnung zu finden. Manche müssen deshalb in der Gemeinschaftsunterkunft bleiben, selbst wenn sie einen Job gefunden haben.

Samstag, 17.08.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 17.08.2019, 12:18 Uhr
Mit einer Gruppe Geflüchteter war Simone Schulz (kl. Bild) im Tierpark in Saerbeck. Dagmar Hilgenbrink kann sich die Integrationsarbeit ohne Schulz gar nicht mehr vorstellen: „Das war ein Glücksgriff. Sie macht das mit Liebe und steht voll dahinter.“
Mit einer Gruppe Geflüchteter war Simone Schulz im Tierpark in Saerbeck. Dagmar Hilgenbrink kann sich die Integrationsarbeit ohne Schulz gar nicht mehr vorstellen: „Das war ein Glücksgriff. Sie macht das mit Liebe und steht voll dahinter.“ Foto: Vera Szybalski

Simone Schulz erweckt nicht den Eindruck, dass es nichts mehr zu tun gäbe. Die Wohnungssuche gestaltet sich für Geflüchtete weiter schwierig und die deutsche Bürokratie verkompliziert die schnelle Eingliederung in den Arbeitsmarkt manchmal noch. Doch alles in allem wirkt Schulz nicht unzufrieden damit, wie die Integration der Flüchtlinge in Nordwalde läuft: „Insgesamt machen wir mit der integrativen Arbeit Fortschritte.“

Wenn das jemand in Nordwalde beurteilen kann, dann Schulz. Seit Oktober 2015 begleitet sie als Integrationskraft der Gemeinde die Asylbewerber im Ort. Sie ist nicht nur Anlaufstelle für Geflüchtete, sondern koordiniert auch die Ehrenamtlichen. Da gibt es gute Nachrichten: Nach wie vor engagieren sich viele Freiwillige.

Flüchtlingshelfer und Wohnungen werden gesucht

40 bis 45 Paten begleiten Geflüchtete im Alltag, etwa bei Einschulungen. Mittlerweile unterstützen auch Syrer, die vor Jahren selbst geflüchtet sind, die Neuankömmlinge als Übersetzer. „Die vernetzen sich selber. Das funktioniert ganz prima“, sagt Schulz. „Nichtsdestotrotz suchen wir immer noch deutsche Paten, die sich um Familien kümmern.“

Für alleinstehende Männer sucht sie ebenfalls Flüchtlingshelfer – und vor allem Wohnungen. Das bleibt das Thema Nummer eins für Schulz: „Das größte Problem ist die Wohnungssuche.“ Selbst wenn die Geflüchteten arbeiten, müssen sich manchmal noch in den Gemeinschaftsunterkünften wohnen bleiben. Sogar ganze Familien müssten dort ab und an leben.

Je intensiver wir uns kümmern, desto besser läuft es.

Simone Schulz

Simone Schulz wünscht sich, dass Vermieter sich „einfach mal darauf einlassen“, Geflüchteten eine Wohnung zu vermieten: „Da gibt es durchaus Win-win-Si­tu­a­ti­onen.“ Es könne beim Einkauf geholfen oder der Garten gemacht werden. „Wir gucken, wer zusammen passt, welchen Anspruch der Vermieter hat.“ Vor allem lässt Schulz Vermieter und Mieter nicht allein, sondern begleitet die Geflüchteten weiter: „Wenn es überhaupt nicht läuft, müssen sie eben wieder ausziehen.“

Geflüchtete Frauen absolvieren einen Sprachkurs

Neben der Wohnung ist ein Arbeitsplatz ein anderer wichtiger Baustein bei der Integration. Ein paar bürokratische Hürden wurden aus dem Weg geräumt, sagt Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink: „Das ist sehr viel einfacher geworden.“ Es müsse beispielsweise nicht mehr bewiesen werden, dass es für einen Job keinen deutschen Interessenten gäbe. Dennoch bleiben ein paar Probleme, sagt Schulz. Zeugnisse, die ins Deutsche übersetzt wurden, etwa würden längst noch nicht immer anerkannt.

Die Sprache spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. „Ein Sprachkurs ist das Non­plus­ul­t­ra“, sagt Hilgenbrink. Genau so einen haben zuletzt einige geflüchtete Frauen absolviert. Simone Schulz freut das: „Die Arbeit trägt Früchte.“ Der Frauentreff hat dadurch allerdings nicht mehr regelmäßig stattgefunden. Schulz bedauert das, denn bei den Treffen konnte sie gebündelt Informationen weitergeben. Der Bedarf ist da: „Wir haben noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Asylbewerber ohne Bleibeperspektive nicht sich selbst überlassen

Der Kontakt von Geflüchteten zu Nordwaldern, die bereits lange im Ort leben, bleibt bei vielen sporadisch. Weil der Bispinghof einen Treffpunkt für die Geflüchteten bildet, gibt es lose Verbindungen zum dortigen Förderverein und der evangelischen Kirchengemeinde. „Aber das hält sich in ganz kleinem Rahmen“, sagt Schulz. Um das zu ändern, will sie im Herbst ein Begegnungsfest veranstalten und hofft, dass viele Nordwalder dazu kommen. Das sei auch eine gute Gelegenheit, um sich ganz unverbindlich über eine Patenschaft zu informieren.

Klar ist für Schulz: „Je intensiver wir uns kümmern, desto besser läuft es.“ Deshalb überlasst sie auch Asylbewerber ohne Bleibeperspektive nicht sich selbst. „Es wäre ganz schlecht, wenn wir uns nicht kümmern würden. Wir begleiten die auch, aber auf einem anderen Weg, bei einer freiwilligen Ausreise beispielsweise.“

Vier Jahre nach 2015, als besonders viele Menschen in Deutschland Schutz vor Krieg, Verfolgung und Armut suchten, kommen zwar weniger Flüchtlinge an – die Arbeit wird aber nicht weniger. Bis die Geflüchteten integriert sind, dauert es eben keine Monate, sondern Jahre.

Zahlen und Daten

Die Zahl der neu zugewiesenen Flüchtlinge in diesem Jahr liegt deutlich unter der aus 2015. Während im Herbst vor vier Jahren schon mal zehn bis zwölf Asylbewerber in der Woche nach Nordwalde kamen, sind es in  2019 bislang insgesamt 14. In 2018 wurden 28 Flüchtlinge neu zugewiesen. Zwischen September und Dezember 2015 kamen 141. Es gibt noch drei Gemeinschaftsunterkünfte im Ort. An der Welle, der Bahnhofstraße und im Scheddebrock leben jeweils mehr als zehn Personen in einem Gebäude. Während 2015 vor allem Syrer geflüchtet sind, werden heute mehr Asylbewerber aus anderen Teilen der Welt, wie Afrika südlich der Sahara, Nordwalde zugewiesen.

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