Entführungsversuch in Turin
Spur führt nach Rheine

Rheine/Turin -

Ein aufsehenerregender Entführungsfall in der italienischen Autostadt Turin hat in Norditalien und in Österreich für Schlagzeilen gesorgt. Es ist nicht auszuschließen, dass die Spuren ins Münsterland führen. Darauf lassen die Berichte über die mutmaßlichen Entführer schließen, die die italienische Presseagentur ANSA in Italien veröffentlicht hat.

Mittwoch, 21.08.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 21.08.2019, 06:59 Uhr
Entführungsversuch in Turin: Spur führt nach Rheine
Ein Passant hat mit dem Handy gefilmt, als die Täter im Zentrum von Turin die Frau in ihren Bulli drängten. Foto: Privat

Es klingt wie eine Szene aus einem Agentenfilm: Plötzlich fährt ein schwarzer Bulli vor, drei maskierte Männer steigen aus, versuchen, ein Paar zu entführen. Der Mann reißt sich los, die Frau wird in das dunkle Auto gezerrt. Doch die Polizei, von Passanten alarmiert, nimmt die Verfolgung auf, stoppt die Entführer vor einer Tiefgarage. Vier Männer werden festgenommen.

Polizei geht von Rache-Motiv aus

Spuren zu diesen dramatischen Szenen, die sich am vergangenen Mittwoch im Zentrum von Turin ereigneten, führen in den Kreis Steinfurt. Zwei der mutmaßlichen Entführer: Privatdetektive, Mitte 20, aus Rheine. Ihr Auftraggeber soll ein Unternehmer aus dem Kreis Steinfurt sein. Er sitzt – ebenso wie die beiden Rheinenser und ein Helfer aus Österreich – in Untersuchungshaft. Der Grund für die Tat: Nach Angaben der italienischen Polizei handelt es sich um einen Racheakt.

Die italienische Staatsanwaltschaft versucht auch noch die losen Fäden für die Hintergründe der „Blitzentführung“ zusammenzufügen. Sie stößt offensichtlich auf eine verschachtelte Geschichte aus dem Untergrund. Stoff für einen Kriminalroman – noch mit vielen Fragezeichen. „Eine Geschichte, die noch viele dunkle Stellen hat“, wie die Redaktion des italienischen „Il Canavese“ schreibt. Doch zumindest die Grundzüge, so die Lesart der italienischen Medien, scheinen mittlerweile klar.

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Die Turiner Polizei führt einen der mutmaßlichen Täter ab. Foto: Polizei

In Mailand um 50.000 Euro betrogen

Der Auslöser für die Tat liegt offenbar bereits Monate zurück, es war ein Betrug in Mailand. Ein deutscher Unternehmer soll versucht haben, auf dem Schwarzmarkt Geld zu tauschen. Und geriet an einen Betrüger, der ihm Falschgeld andrehte. Um 50.000 Euro soll der Mann ihn geprellt haben, berichten die Medien in Turin.

Nach dem Betrug zurück in Deutschland beauftragte der Unternehmer demnach die Detektive, den Betrüger zu identifizieren. So schreibt es der „Corriere Torino“. Über einen 58-Jährigen aus Kärnten organisierten sie ein Treffen mit dem Paar, das möglicherweise als Handlanger für den Betrüger dient. In Turin kam es dann nicht zu dem angekündigten Geschäftstreffen, sondern zu der Entführung: Die mutmaßlichen Täter zogen die 35-jährige Frau mit serbisch-australischem Pass ins Auto, während ihr Begleiter flüchtete. Passanten filmten die Tat, alarmierten die Polizei, die den dunklen Bulli verfolgte, vor einer Tiefgarage stoppte – und die Entführung unblutig beendete.

Auftraggeber sitzt im Gefängnis

Seitdem sitzen der Auftraggeber und die beiden Privatdetektive in italienischen Gefängnissen. Sie müssen sich wegen der versuchten Entführung zum Zwecke der Erpressung verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Plan war, für die entführte Frau Lösegeld zu verlangen. Die Verdächtigen sagten hingegen aus, sie hätten die Frau entführt, um sie anschließend der Polizei zu übergeben. Auch gegen den Kärntner, der den Kontakt hergestellt hat, wird wegen Beihilfe zur Entführung ermittelt. Sein Anwalt will Einspruch gegen die Haft einlegen.

Übrigens: An dem Auto, das die Entführer nutzten, fanden sich gestohlene TE-Kennzeichnen. Noch ein Bezug zum Kreis Steinfurt. Sie wurden offenbar im italienischen Aosta, unweit der Grenze zur Schweiz gestohlen.

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