„Hauptsache geschlossen“
IGW empört über Verdi-Klage

Drensteinfurt -

Die Gewerkschaft Verdi klagt gegen die vier jährlichen Sonntagsöffnungen der Drensteinfurter Geschäfte. Zum Unverständnis der Kaufmannschaft. Denn sollte Verdi erfolgt haben, wird es Weihnachtsmarkt, Stadtfest und Co. nicht mehr geben, erklärt IGW-Vorsitzender Heinz Gaßmöller.

Dienstag, 27.08.2019, 23:57 Uhr aktualisiert: 28.08.2019, 00:00 Uhr
Gewohntes Bild: Der Weihnachtsmarkt lockt alljährlich Tausende Besucher in die Stadt. Sollte die Verdi-Klage gegen die Sonntagsöffnung der Geschäfte Erfolg haben, sieht die IGW für diese und weitere Großveranstaltungen keine Zukunft.
Gewohntes Bild: Der Weihnachtsmarkt lockt alljährlich Tausende Besucher in die Stadt. Sollte die Verdi-Klage gegen die Sonntagsöffnung der Geschäfte Erfolg haben, sieht die IGW für diese und weitere Großveranstaltungen keine Zukunft. Foto: -sibe/stk-

Im Mai das „Summer Feeling“, im September der Gartenmarkt oder das Dreingau-Fest, im November die „Herbstzeit“ und im Dezember der Weihnachtsmarkt: Aktionen, die alljährlich Tausende Besucher in die Innenstadt locken – auch deshalb, weil die Kaufmannschaft an den entsprechenden Sonntagen ihre Läden geöffnet hat. Doch genau das ist der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi seit Langem ein Dorn im Auge. Nun haben die Arbeitnehmervertreter – wie berichtet – Klage eingereicht. Und die könnte durchaus ernsthafte Konsequenzen haben, denn: „Bei einem positiven Bescheid hätte dies unmittelbar zur Folge, dass die IGW keinerlei Feste mehr in der Innenstadt planen und durchführen würde“, teilt Gewerbevereinsvorsitzender Heinz Gaßmöller mit einem Kopfschütteln mit. Auch deshalb, weil es sich bei den Läden in Drensteinfurt in der Regel um inhabergeführte Geschäfte handelt. Und das bedeute, dass an verkaufsoffenen Sonntagen in erster Linie die Inhaber selbst in ihren Geschäften stehen, um Kunden zu beraten.

Gerade die kommenden Sonntagsöffnungen sind für die Einzelhändler in Drensteinfurt existenziell wichtig.

IGW-Vorsitzender Heinz Gaßmöller

Die Aktionstage selbst seien stets mit einem umfangreichen Rahmenprogramm verbunden. „All diese Darbietungen kosten eine Menge Geld, die der Gewerbeverein unter anderem auch mit den Sonntagsöffnungen finanzieren muss“, so Gaßmölller. „Natürlich möchten die Geschäftsleute an diesen Tagen auch ihre Waren verkaufen. Alles Andere zu behaupten, wäre gelogen.“ Ziel der Sonntagsöffnungen sei es aber auch, auswertige Besucher zu locken, die dann vielleicht auch künftig zu den regulären Öffnungszeiten in die Wersestadt kommen. „Durch die schnellen Verkehrsanbindungen an Oberzentren wie Münster, Hamm und Dortmund und natürlich auch durch den Internethandel ist es für die Geschäfte in so kleinen Orten wie Drensteinfurt zunehmend schwerer geworden im Wettbewerb zu bestehen“, erklärt der IGW-Vorsitzende. „Immer wieder müssen Geschäfte schließen, da der weitere Betrieb nicht mehr wirtschaftlich ist.“ Aktuell komme die Großbaustelle auf dem Marktplatz erschwerend hinzu. „Gerade jetzt, zum Ende der Bauarbeiten hin, wäre eine Sonntagsöffnung ein gutes Zeichen, sich in der schönen neuen Innenstadt zu präsentieren. Gerade die kommenden Sonntagsöffnungen sind für die Einzelhändler in Drensteinfurt existenziell wichtig“, ist Gaßmöller überzeugt.

Kaufmannschafts-Vorsitzender kritisiert Verdi

Die Interessengemeinschaft „Werbung für Drensteinfurt“ habe der Gewerkschaft mehrfach Gespräche angeboten – bislang ohne Erfolg. „Es besteht seitens Verdi keinerlei Kompromissbereitschaft, ja nicht mal Gesprächsbereitschaft“, so der Vorsitzende der Kaufmannschaft, der die Argumente gegen die Sonntagsöffnungen nicht nachvollziehen kann. Denn bei lediglich vier entsprechenden Tagen im Jahr könne von einer „Einschränkung der Lebensqualität“ auf Seiten der Beschäftigten wohl kaum die Rede sein. „Die Mitarbeiter der Einzelhändler müssen zudem nicht an allen vier Sonntagen arbeiten. Da wird sich abgesprochen und auf die persönlichen Belange Rücksicht genommen“, betont Heinz Gaßmöller. „Wenn Verdi mit dieser Strategie weiter macht und systematisch den Einzelhandel schwächt, ja sogar zerstört, wird es in den kleinen Orten bald gar nichts mehr geben. Nicht nur keine Feste, sondern auch keine Geschäfte und keine Arbeitsplätze mehr.“

Auf Seiten der IGW sei man nach wie vor zu Gesprächen bereit. Obwohl, vermutet Gaßmöller, es der Gewerkschaft offensichtlich nur darum gehe, die Sonntagsöffnung generell zu verbieten. „Dabei ist es Verdi scheinbar völlig egal, dass durch diese Haltung zig Mitarbeiter in den kleinen Einzelhandelsgeschäften in Zukunft ihren Job verlieren werden, dass ältere und bewegungseingeschränkte Mitmenschen ihre Einkäufe des täglichen Bedarfs nicht mehr problemlos erledigen können und dass sie sehr schöne Feste in der Innenstadt verhindern und damit die Lebensqualität aller Bürger massiv einschränken“, so Gaßmöller. „Durch die Nichtbereitschaft zu Gesprächen zeigt Verdi eindeutig, dass es ihr schlichtweg egal ist, wie es den Menschen in den kleinen Orten zukünftig geht. Hauptsache, die Sonntage bleiben zu. Alles andere ist Verdi egal. Leider.“

Klage hätte baldige Konsequenzen

Sollte die Klage der Gewerkschaft Erfolg haben, hätte dies übrigens wohl schon bald Konsequenzen. Denn drei der insgesamt vier für das Jahr 2019 geplanten verkaufsoffenen Sonntag stehen erst noch auf dem Programm, und zwar beim Gartenmarkt und „Heimat schoppen“ am 15. September sowie bei der „Herbstzeit“ am 4. November und beim Weihnachtsmarkt am 8. Dezember.

Rückendeckung von der SPD

Rückendeckung in ihrer Haltung bekommt die IGW übrigens von der SPD. „Es ist sehr schade, dass Verdi diese Klage ohne jede Kontaktaufnahme mit der Stadt und dem Rat einreicht. Der Rat hat einstimmig – auch mit den Stimmen der SPD – der Regelung mit vier verkaufsoffenen Sonntagen zugestimmt“, erklärt Fraktionsvorsitzender Ingo Stude. „Diese vier Termine sind seit vielen Jahren in Drensteinfurt etabliert. Wir wollten keine Ausweitung – diese ist nicht erfolgt. Von diesen Veranstaltungen lebt Drensteinfurt, und viele Einwohner freuen sich auf diese Feste. Das Problem von Verdi ist offenbar der Geltungsbereich. Dann soll dieser gerne klarer definiert werden.“ Studes Meinung nach sollte ein Kreis rund um den Marktplatz gezogen werden, der am Rand noch den Raiffeisenmarkt am Bahnhof beinhaltet. „Aber auch hier wären wir gesprächsbereit“, betont Ingo Stude.

Nachrichten-Ticker