Der erste Schultag hat sich stark gewandelt
Bestens vorbereitet für den Start

Lengerich -

Der erste Schultag ist ein großes Ereignis – für die Kinder, deren Eltern und Familien. Aber nicht nur sie bereiten sich auf den großen Tag bestens vor. Auch in den Schulen wird einiges getan, um den Mädchen und Jungen einen gelungenen Start in die Bildungslaufbahn zu ermöglichen.

Donnerstag, 29.08.2019, 05:13 Uhr aktualisiert: 29.08.2019, 05:30 Uhr
Die Schultüte ist ein Muss für die i-Dötze am ersten Tag in der ersten Klasse.
Die Schultüte ist ein Muss für die i-Dötze am ersten Tag in der ersten Klasse. Foto: dpa

Große Aufregung verspricht der 29. August an Lengerichs Grundschulen. Jeweils zwei erste Klassen werden an den vier Standorten gebildet. Für die Kinder, deren Eltern und auch manche Verwandte ein wichtiges Ereignis. Wie der Start abläuft, was sich über die Jahre verändert hat und wie sich die Schulen auf die Schulanfänger vorbereiten, darüber können Gisela Marstatt-Stienecker und Andrea Brügmann Einiges erzählen.

Marstatt-Stienecker ist Rektorin der Grundschule Hohne, Brügmann gehört zum Kollegium – und erlebte 1986 dort, wo sie jetzt arbeitet, selbst den Beginn ihrer Bildungslaufbahn. Beim Vergleich damals/heute kann sie schnell erhebliche Unterschiede benennen. Während es an diesem Donnerstag, wie schon seit Jahren, eine große Feier in der Sporthalle geben wird, war der Rahmen bei ihrer Einschulung wesentlich kleiner. Meist seien die Eltern dabei gewesen, bei einigen Kindern aber auch nur Mutter oder Vater. Versammelt habe man sich im Eingangsbereich.

Die Gegenwart sieht sehr anders aus. Viele Mädchen und Jungen werden eigens schick ausstaffiert. Neben Mama und Papa, ebenfalls gerne herausgeputzt, sind oft noch die Großeltern und andere Verwandte anwesend. Immer häufiger, so die Beobachtung der beiden Pädagoginnen, feiere man nach dem Ende des ersten Schultages zu Hause oder in einem Restaurant.

Gravierend geändert hat sich aber auch das, was bereits im Vorfeld passiert. Es dürfte in allen Grundschulen Lengerichs kaum ein Kind und kaum ein Elternteil geben, das heute zum ersten Mal in die Schule kommt. Bereits vor dem Anmeldeverfahren wird zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Beispiel Hohne: Während die Eltern Tipps bekommen, erlebt deren Nachwuchs ein Sportangebot in der Turnhalle und ein musikalisches Angebot. Auch bei den Anmeldungen im November lernen anlässlich der Schulanmeldung jeweils eine Lehrerin oder ein Lehrer die künftigen Schulanfänger in einem aktiven „Schulspiel“ näher kennen.

In einem anschließenden Gespräch nähme man die Stärken der Kinder in den Blick. In Einzelfällen geschehe Beratung zu einer möglichen häuslichen Förderungen sowie Logopädie, Ergotherapie oder zu anderen Bereichen.

Im Frühjahr kommen alle künftigen Schulkinder schon einmal vormittags in die Schule, um in den Anfangsklassen „Unterricht zu erleben“. Auf Wunsch der Kooperations-Kitas besuchen Lehrer ihre künftigen Schüler in den Kindergärten. Die angehenden Erstklässler erhalten Gelegenheit, Fragen zu stellen zu dem, was sie ab dem Schulstart erwartet. Zusätzlich zum ersten Elternabend vor den Sommerferien erleben die Neuen eine „Schnupper-Unterrichtsstunde“ mit ihren künftigen Mitschülern und den Klassenlehrern. Bei Interesse können bereits Anfang August die Betreuungsformen genutzt werden.

Viele dieser Bausteine sollen nicht zuletzt dazu beitragen, dass jedes Kind die Förderung bekommt, die es braucht. Brügmann stellt fest, dass heute wesentlich mehr Wert darauf gelegt werde, jedem Schüler auf dessen Niveau gerecht zu werden, als noch während ihrer Kindheit. Das gelinge durch eine stärkere Differenzierung, andere Unterrichtsmethoden, den neuen Medien und – Stichwort Inklusion – auch durch einen erhöhten Personaleinsatz. Leistungsstärkere Kinder benötigen ein anspruchsvolleres Lernniveau, während andere noch an ihren sogenannten Vorläuferfähigkeiten arbeiten dürfen. Keiner soll zurückgelassen werden, lautet das Credo.

„Es ist normal, unterschiedlich zu sein“, sagt Andrea Brügmann. Diese Sichtweise werde den Kindern und deren Eltern vermittelt – was wiederum das soziale Miteinander fördere.

Das Pädagogen-Duo ist sich angesichts der veränderten Kindheit auch einig darin, dass Lehrern heute mehr abverlangt wird als noch in früheren Zeiten. Rituale und Strukturen erleichtern das Lernen und einheitliche Schulregeln schaffen Verlässlichkeit. Auch dem Bewegungsdrang aller Kinder wird die Schule auch abseits des wöchentlich dreistündigen Sportunterrichts an jedem Tag gerecht. Eine Schulstunde still sitzen ist ihrer Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß, Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit soll spielerisch eingeübt werden.

Werden diese Aspekte berücksichtigt, dann bleibe die Lernfreude dauerhaft bei den Kindern erhalten. Gisela Marstatt-Stienecker zeigt sich überzeugt, dass das in den Lengericher Schulen gelingt.

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