Radikale Ansprache in Moschee in Münster
Redner ist „stolz auf Terrorismus“

Münster -

In einer Moschee in Münster-Hiltrup ist eine gewaltverherrlichende Ansprache gehalten worden. Der Redner betonte dabei unter anderem: „Wir sind stolz auf Terrorismus.“ Auf Betreiben der münsterischen Polizei ist der Generalstaatsanwalt in Düsseldorf eingeschaltet worden.

Freitag, 30.08.2019, 20:20 Uhr aktualisiert: 30.08.2019, 20:45 Uhr
Im Imam-Mahdi-Zentrum in Münster-Hiltrup hielt im vergangenen Dezember ein Mann eine radikale Rede. In dem Video, das damals aufgezeichnet wurde, sagt er unter anderem: „Wir sind stolz auf Terrorismus“.
Im Imam-Mahdi-Zentrum in Münster-Hiltrup hielt im vergangenen Dezember ein Mann eine radikale Rede. In dem Video, das damals aufgezeichnet wurde, sagt er unter anderem: „Wir sind stolz auf Terrorismus“. Foto: Wilfried Gerharz

Eine radikale Rede in einer Moschee in Münster sorgt international für Aufsehen. Vor Gläubigen im Hiltruper Imam-Mahdi-Zentrum sagte ein Mann unter anderem: „Man wirft uns vor, Terroristen zu sein – wir sind stolz auf Terrorismus.“

Das in Washington ansässige „Middle East Media Research Institute“ (MEMRI) hat den Inhalt des bereits Ende vergangenen Jahres ins Internet gestellten Videos ins Englische übersetzt. Am Donnerstag hat die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“ groß über das – so das Blatt – „schockierende Video“ aus Münster berichtet.

So reagierte die Polizei Münster

„Das Video war der Polizei Münster im Vorfeld der Presseberichterstattung nicht bekannt“, so eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Freitag. Die münsterische Polizei habe es unmittelbar nach Bekanntwerden geprüft und Ermittlungen eingeleitet. Diese hätten ergeben, dass das Video tatsächlich im Imam-Mahdi-Zentrum in Münster aufgenommen wurde.

Bei der im Video zu sehenden Person handele es sich um ein 36-jähriges Gemeindemitglied. Die Polizei Münster habe den Sachverhalt der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf zur strafrechtlichen Würdigung vorgetragen. Diese erkenne jedoch nach einer ersten vorläufigen Bewertung keine strafrechtliche Relevanz, so die Sprecherin des Ministeriums weiter.

In dem Video-Ausschnitt werde ein Gedicht vorgetragen, in dem eine terroristische Organisation verherrlicht und ein aktueller politischer Kontext zu Konflikten im Mittleren Osten hergestellt werde. Das Gedicht stellt laut Innenministerium eine Parteinahme für die Aktivitäten der Hisbollah dar, die in der Region als Terrororganisation und Konfliktpartei aktiv ist. Ein Gewaltaufruf mit Bezug auf Deutschland oder Nordrhein-Westfalen sei damit nicht verbunden. Es bestehe aber eine abstrakte Gefährdung.

Das sagen Gemeinde-Mitglieder zu dem Video

Ein Mitglied des Hiltruper Zentrums hatte zuvor ge­genüber unserer Zei­tung beteuert, dass es sich bei dem Redner um eine Person aus dem Libanon handele, die bislang nur ein einziges Mal in Hiltrup gewesen sei.

Das Washingtoner Institut MEMRI war im Rahmen eines weltweiten Moscheen-Monitorings auf das Video gestoßen, so der Direktor des Instituts gegenüber unserer Zeitung. Die Übersetzung durch MEMRI-Mitarbeiter sei vor der Veröffentlichung mehrmals überprüft worden.

„Wenn einer aus der Reihe tanzt, heißt das nicht, dass alle Gläubigen so denken“, betont ein Gemeindemitglied, das früher im Vorstand des Zentrums war. Die Moschee sei „eine friedliche Einrichtung“. Zu dem Bekenntnis „Wir sind stolz auf Terrorismus“ betont der Mann, der seit 2014 dem münsterischen Integrationsrat angehört: „Wir haben eine andere Definition von Terrorismus als Sie.“

Der Redner beschwört in dem Clip zudem die Treue zum iranischen Religionsführer Ali Khamenei. Ferner appelliert er, das Leben für Nasrallah zu opfern – also den Führer der islamistischen Hisbollah-Bewegung im Libanon.

Schon lange im Visier des Verfassungsschutzes

Das Hiltruper Imam-Mahdi-Zentrum ist schon seit mehr als 20 Jahren im Visier des Verfassungsschutzes. Die Einrichtung sei eine „Plattform und Begegnungsstätte“ von Hisbollah-Anhängern und damit für den schiitischen Extremismus in Nordrhein-Westfalen und im Westen Deutschlands, so das Innenministerium.

In Israel, Kanada, den USA und den Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga gilt die islamistische Hisbollah als Terrororganisation. In Deutschland wird sie lediglich beobachtet.

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