Online-Handel
Bauer verleast seine Schweine

Neuenkirchen -

Ein Jungbauer aus Neuenkirchen geht neue Wege. Beim Schweine-Leasing kann man eine besondere Bindung zu dem Tier aufbauen, das einem später Schnitzel und Haxe liefern soll.

Montag, 02.09.2019, 08:00 Uhr
Die Bentheimer Landschweine von Denis Puls kann man leasen – und damit auch bestimmen, wann das Tier geschlachtet wird.
Die Bentheimer Landschweine von Denis Puls kann man leasen – und damit auch bestimmen, wann das Tier geschlachtet wird. Foto: Jörg Homering

Manche leasen ihr Auto. Bei Denis Puls kann man ein Schwein leasen. Dann zahlt man das Futter, kann sein Schwein besuchen oder sich mit ihm fotografieren lassen. Und wenn man Hunger auf Schnitzel, Bratwurst und Haxe hat, gibt man sein Okay zum Schlachten. Wem das zu viel Nähe zum eigenen Kotelett ist, der kann auch etwas anonymer kaufen und sich ein Grillpaket zuschicken lassen – bestellt im Online-Hofladen von Denis Puls. Der 29-jährige Jungbauer geht moderne Vermarktungswege.

Das mit dem Schweine-Leasen hört sich ja etwas makaber an. Erst Fotos machen mit dem eigenen Schwein, das dann später auf dem Teller landet? Für Denis Puls ist das kein Problem, sondern Absicht: „Wir müssen dazu kommen, bewusster mit unserem Fleischkonsum umzugehen. Hier weiß ich genau, was ich habe, wo es herkommt und was ich auf den Teller bekomme.“

In der Wollschwein-Nische

Der studierte Agraringenieur ist Landwirt im Nebenerwerb. Auch seine Eltern Christoph und Petra Puls sowie Schwester Jennifer (25) leben nicht allein von dem traditionsreichen Zehn-Hektar-Bauernhof, auf dem auch schon Opa Alfons (86) Sauen gezüchtet hat. Denis Puls ist Angestellter auf einem landwirtschaftlichen Betrieb sowie Handelsvertreter für Strom und Erdgas. Zwei Jobs, die ihm trotzdem Zeit lassen, auf dem elterlichen Hof zu arbeiten.

„Im Vollerwerb könnte man mit dem, was ich hier versuche, nicht leben“, sagt Puls. „Das grenzt schon an ein Hobby. Eine Nische, um den Hof zu erhalten.“

Wir erhalten die Rasse, indem wir sie essen. Klingt komisch, ist aber so.

Denis Puls

Auf die Idee mit den Wollschweinen ist er im Studium gekommen, 2013 ist er mit zwei von der Rasse „Mangaliza“ gestartet: artgerechte Haltung, viel Auslauf, gesundes Futter. Jetzt hält er 40 Schweine – Mangaliza und Bentheimer Landschweine. „Das sind alte Rassen, die vom Aussterben bedroht sind. Wir erhalten die Rasse, indem wir sie essen. Klingt komisch, ist aber so.“

Zusammenschluss zur Direktvermarktung

Vor ein paar Jahren hat sich Denis Puls dem Online-Hofladen „Guter Bauer“ angeschlossen, gegründet von Benedikt Homölle aus Heek – ein Zusammenschluss von Kleinbauern im Münsterland, die sich mit ihrer Direktvermarktung der ökologischen Landwirtschaft, der Nachhaltigkeit sowie Frische und Regionalität verschrieben haben. Auf der Homepage kann man auch Fleisch von Denis Puls’ Bentheimer Landschweinen bestellen. „Wir schlachten aber erst, wenn 80 Prozent des Tieres verkauft sind – also nicht allein die wertvollen Teile. Damit sorgen wir dafür, dass möglichst viel vom Tier genutzt wird“, sagt Denis Puls.

Hoffest

Wer den Hof Puls und das Konzept vom „Guten Bauern“ kennenlernen möchte, den lädt Denis Puls am Sonntag, 8. September, ab 11 Uhr zu einem „Hoffest“ ein. Adresse: Dorfbauerschaft 9 (Einfahrt am „Feuchten Eck“). Es gibt viel zu probieren, der Bauer gewährt einen Blick in seine Ställe und bietet ein buntes Rahmenprogramm – auch für Kinder mit Kälbern zum Streicheln, Kükenschlupf und Pferdereiten. Etliche Partner-Landwirte werden sich und ihre Produkte vorstellen. Außerdem werden historische und neue Traktoren zu sehen sein. www.guterbauer.de

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So schnell wie im Supermarkt geht’s dabei nicht vonstatten. Und so billig auch nicht. „Aber dafür besser und gesünder“, sagt der Landwirt. Viele Kunden seien bereit, mehr zu bezahlen und auch mal ein paar Wochen zu warten. Wer etwas bestellt, kann es bei den beteiligten Landwirten selber abholen – oder lässt es sich frischeverpackt zusenden. „Das ist innerhalb von 18 Stunden da, kein Problem.“ Die Kundschaft kommt vor allem aus der Region, reicht aber auch bis ins Ruhrgebiet und sogar nach Stuttgart.

Extra-Futter von den Kunden

Der Geschmack seines Schweinefleischs sei „einmalig“, sagt der Jungbauer überzeugt. Das liege am fettdurchzogenen Fleisch seiner Bentheimer, der andersartigen Konsistenz des Fleisches, an der langsameren Fütterung der Tiere. Und daran, dass die Tiere doppelt so lange leben dürfen wie normale Mastschweine – mindestens 15 Monate. „Unsere Schweine toben sich draußen auf Acker und Weide aus, bekommen immer frisches Gras, Kartoffeln und Eicheln.“

Das mit dem Schweine-Leasing läuft ganz gut an. Vier Kunden haben auf dem Hof in der Dorfbauerschaft schon einen Vertrag unterschrieben. Ihr Schwein hat einen besonderen Ohrstecker und bekommt nun regelmäßig Besuch von seinen Besitzern. „Manche bringen auch schon mal Extra-Futter mit“, sagt Denis Puls. Vielleicht bekommt ihr Schwein dadurch einen besonderen Geschmack ...

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