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Freie Bahn: Eine Fahrt mit der WLE

Sendenhorst/Münster -

Noch rumpelt alle paar Tage ein Güterzug der Westfälischen Landeseisenbahn über die Strecke von Beckum über Sendenhorst nach Münster. 2020 ist damit Schluss. Wir sind noch einmal mitgefahren, vorbei an Feldern, Wiesen und Gärten. Ab 2023 soll die Strecke für den Personenverkehr reaktiviert werden. 

Montag, 02.09.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 21:21 Uhr
Mit der Diesellok geht es nur langsam voran, vorbei an nahen Gärten. Michael Geuckler (l.), Johann Ubben (u.r.) und Lokführer Stefan Bensik kurz vor dem Start in Sendenhorst (kleines Bild).
Mit der Diesellok geht es nur langsam voran, vorbei an nahen Gärten. Michael Geuckler (l.), Johann Ubben (u.r.) und Lokführer Stefan Bensik kurz vor dem Start in Sendenhorst (kleines Bild). Foto: Wilfried Gerharz

Stattliche 100 Stundenkilometer schnell fahren kann die MaK  G 1206. Auf der Strecke von Münster nach Sendenhorst ist bei Tempo 20 allerdings Schluss. „Die Gleisanlage“, sagt Jochen Ubben knapp und nickt statt weiterer Worte lieber Richtung Lokfenster. Der Blick hindurch findet seine Bestätigung im steten Rumpeln: Die Gleise sind schief und krumm. Die ­orange 2000-PS-Diesellok, die auf den Namen „Kreis Warendorf“ getauft ist, benötigt für die 21 Kilometer eine Stunde – und Lokführer Stefan Bensik Langmut.

Güterverkehr endet 2020

Auf der münsterländischen WLE-Strecke ist schon seit Jahren nicht mehr viel los. Die Westfalen AG ist hier der letzte Kunde der West­fälischen Landeseisenbahn (WLE). Für ihn fährt sie in unregelmäßigen Abständen Gaswagen. „2020 werden wir hier den Güterverkehr einstellen“, sagt Ubben, der bei der WLE für den Eisenbahnverkehr zuständig ist. Danach soll auf der Strecke neues Leben erwachen.

Täglich 10 000 Fahrgäste erwartet

Reaktivierung heißt das Zauberwort. 1975 fuhr der letzte Fahrgast von Sendenhorst nach Münster. Ab 2023 sollen die Strecke wieder für den Personenverkehr genutzt werden. „Das ist das Ziel“, sagt Michael Geuck­ler, Geschäftsführer beim Aufgabenträger Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). Der bestellt die Musik, die in diesem Fall ziemlich teuer ist. 40 Millionen Euro kostet allein die Wiederherstellung der Infrastruktur, also Gleise, Unterbau, Bahnsteige. Rentabel soll das Projekt trotzdem sein. In einer Potenzialanalyse ist von 10 000 Fahrgästen die Rede. „Pro Tag“, sagt Geuckler.

Wiesen links, Äcker rechts: Zwischen Sendenhorst und Albersloh ist es sehr ländlich, zwischen Albersloh und Münster-Wolbeck auch. Die Diesellok kriecht über die Schienen. Vor jedem un­beschrankten Bahnübergang drückt Bensik auf sein Makrofon. Ohrenbetäubendes 104-Dezibel-Hupen pustet dann aus dem Horn.

Reaktivierung trifft auf Gegenwind

Nicht jeder findet die geplante Reaktivierung toll. In Wolbeck gibt es Gegner, in Gremmendorf und Angelmodde auch. Auf den Barrikaden sind vor allem die, ­deren Grundstücke nah an der Strecke liegen; denen bisher alle paar Tage ein Güterzug am Gartenzaun entlangfährt und künftig Dutzende Triebwagen täglich.

Dr. Lars Ostermeyer ist der Sprecher der Bürgerinitiative. „Wir halten das bestehende ÖPNV-System für ausreichend“, sagt er. Busse ­seien flexibler und könnten neue Wohngebiet besser erschließen. Zudem seien die Fahrgast-Prognosen unglaubwürdig. 3500 Unterschriften gegen haben die Gegner gesammelt.

Übergeordnete Interessen haben Vorrang

Bei Ubben „schleift sich das Verständnis für die Proteste langsam ab“. Klar, niemand hat es gerne, wenn einem ein Zug quasi durch den Garten fährt, sagt er. Aber übergeordnete Interessen gingen vor. Die Politik sieht das offenbar auch so. Im Juli hat der NRW-Verkehrsausschuss das Projekt in den ÖPNV-Bedarfsplan aufgenommen. „Damit stehen Fördermittel zur Verfügung“, sagt NWL-Sprecher Uli Beele. Zwei Jahre für die Planfeststellung, zwei Jahre Bauzeit. Das ist der Plan.

Dieselloks haben ausgedient

Auf moderner Infrastruktur soll es dann deutlich flotter hin- und hergehen. 30 Minuten Fahrtzeit von Sendenhorst nach Münster sind das Ziel, inklusive sechs Zwischenstopps. Gefahren wird zwischen Münster und Wolbeck im 20-Minuten-Takt, danach geht es alle 30 Minuten weiter. „Eingesetzt werden auf der Strecke entweder Akku- oder Wasserstoff-Triebwagen“, betont Geuck­ler. Der Diesel hat auch hier ausgedient.

Bensik stoppt die MaK im Bahnhof Münster Ost. Für die Diesellok ist an dem fast vergessenen Bahnhof hinter der Halle Münsterland Feierabend. Die Triebwagen sollen demnächst einen Kuckucks­ruf weiter rollen – bis zum nahen Hauptbahnhof.

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