Uni-Forscher klärt auf
Moore sind echte Klimaretter

Münster -

Moore gehören zu den großen Unbekannten. Als dankbare Kulisse in TV-Krimis kennt sie jeder. Dass sie im echten Leben echte Klimaretter sind, wenn sie denn funktionieren, und wahre Klimakiller, wenn sie vom Menschen trockengelegt, umgewidmet oder abgetorft werden. Aber wer weiß das schon?

Mittwoch, 04.09.2019, 07:04 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 07:25 Uhr
Prof. Klaus-Holger Knorr von der Uni Münster untersucht die Feuchtgebiete und deren Bestandteile, wie beispielsweise Torf.
Prof. Klaus-Holger Knorr von der Uni Münster untersucht die Feuchtgebiete und deren Bestandteile, wie beispielsweise Torf. Foto: Wilfried Gerharz

Moore haben es Prof. Klaus-Holger Knorr aus diesem Grund angetan. Der Geoökologe und Leiter der AG Ökohydrologie und Stoffkreisläufe am Institut für Landschaftsökologie der Uni Münster erforscht die seltenen Flächen weltweit. Als ei­ner von einer Handvoll deutscher Moor-Experten.

Zahlen wirken in Reihe geschaltet schnell dröge, bringen aber auch Sachverhalte auf den Punkt. Also nutzt Knorr Zahlen, um die Bedeutung von Mooren fürs Weltklima herauszustellen. „Moore“, sagt er, „machen zwar nur drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen.“ 220 Tonnen Kohlenstoff werde statistisch in einem Hektar Wald gebunden, über 800 Tonnen sind es auf der gleichen Fläche Moor. Kurzum: Moore sind extrem gut fürs gute Klima.

In Russland gibt es noch größere Flächen, in Skandinavien, China und Kanada auch. In Deutschland tauchen Moore in Schleswig Holstein, Niedersachsen und in Mecklenburg Vorpommern, im Alpenvorland und dem Mit­telgebirge auf. Im Münsterland erstrecken sie sich vor allem im Westen, an der Grenze zu den Niederlanden.

„90 Prozent der Moorgebiete in NRW sind vom Menschen verändert."

Prof. Klaus-Holger Knorr

Ein kleineres Gebiet gibt es noch im Süden von Münster: das Venner Moor. 1,6 Prozent der Landesfläche NRWs besteht aus Moorgebieten, sagt Knorr. „90 Prozent davon sind jedoch vom Menschen verändert.“ Degradiert, nennt der Wissenschaftler das. Aus ihnen wurden Wiesen und Weiden, Ackerflächen, Torfabbau-Flächen, totes Moor.

Mit Blick aufs Klima rächt sich das. Ist ein Moor nämlich kein Moor mehr, setzt es in großen Mengen CO² frei. Knorr hat zwei Grafiken parat. Auf der ersten sind Länder anhand der Größe ihrer Moorflächen gelistet.

32 Millionen Tonnen CO²

Hier rangiert Deutschland unter ferner liefen. Auf der zweiten finden sich die Länder in der Reihenfolge des CO²-Ausstoßes ihrer Moorflächen. Deutschland landet in diesem globalen Ranking auf Platz acht, mit 32 Millionen Tonnen CO². Auf Platz eins liegt Indonesien mit 500 Millionen Tonnen, der europäische Teil Russlands folgt auf Platz zwei mit 139 Millionen Tonnen, danach kommen China (77 Millionen Tonnen) und die USA mit 67 Millionen Tonnen.

Licht und Schatten liegen im Moor also dicht beieinander. Für Deutschland leitet Knorr daraus drei Forderungen ab. Die Moor-Flächen endlich inventarisieren und rekultivierbare ermitteln, für die zerstörten alternative Nutzungsformen entwickeln und politisch die klimatische Bedeutung der Moore deutlich machen. Für Letzteres gibt es vermutlich keinen besseren Zeitpunkt als jetzt.

Wandel ergreift das Venner Moor

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  • Ausgetrockneter großer Teich im Venner Moor

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Torfstich 4 im Winter

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Torfmoos kann viel Wasser halten.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Schwingrasen weist noch Feuchtigkeit auf.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Pegelmessungen im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Stauungen, um das Wasser im Moor zu halten.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Foto: Kerstin Wittjen
  • Herbstimpression: Fliegenpilze

    Foto: Dieter Klein
  • Der größte Teich ist grün von Binsen-Bewuchs.

    Foto: Maike Harhues
  • Vierfleck Libelle im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Witjen
  • Schauriger Nebel im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Herbstimpressionen.

    Foto: Dieter Klein
  • Libelle im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Foto: sff
  • Abendstimmung am großen Teich, als er noch Wasser führte.

    Foto: di
  • Buchen im Venner Moor.

    Foto: Kerstin Wittjen
  • Selten gewordenen Brombeerzipfelfalter.

    Foto: Kerstin Wittjen (Naturschutzzentrum K
  • Laubbäume im Herbst.

    Foto: sff
  • Mächtige Buchen im Venner Moor.

    Foto: sff
  • Foto: sff
  • Naturimpressionen im Venner Moor.

    Foto: sff
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