Havichhorster Abend
Elmar Brok brennt weiter rund um die Uhr für Europa

Münster -

Polit-Rentner? Kürzertreten? Schon Elmar Broks erster Wortbeitrag beim Havichhorster Abend der Stiftung Westfälische Landschaft zeigt: Davon ist der 73-Jährige weiter entfernt denn je.

Freitag, 06.09.2019, 14:45 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 15:44 Uhr
Europapolitiker Elmar Brok (l.) m Gespräch mit Moderator Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission.
Europapolitiker Elmar Brok (l.) m Gespräch mit Moderator Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission. Foto: Wilfried Gerharz

Polit-Rentner?  Kürzertreten? Schon Elmar Broks  erster Wortbeitrag beim Havichhorster Abend der Stiftung Westfälische Landschaft zeigt: Davon ist der 73-Jährige weiter entfernt denn je. Er ist nach 39 Jahren zwar kein Europaabgeordneter mehr. Doch es geht für den Bielefelder mit Volldampf weiter. Tag für Tag. Er kommt direkt aus Brüssel.

Die  lange Fahrt alleine nach Münster habe ihn etwas geschlaucht, bemerkt er bei der Ankunft und blickt in die Abendsonne. Dann geht  es weiter, er verschwindet kurz für ein Telefoninterview. Gerade ist durchgesickert, dass er ein neues Amt hat, „ehrenamtlich“, wie er betont, zunächst nur für zwei Monate: Ukraine-Berater des scheidenden EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker. 

Warner vor der rechten Gefahr

Kurz danach fragt ihn Moderator Reinhard Hönighaus nach seinem Tagesablauf. „Ich traf heute um 8 Uhr einen Journalisten, um 9 kam der neue Botschafter der Ukraine, danach der britische Abgesandte der Kommission.“ Zwischendurch habe er sein neues Büro bezogen. Jetzt gehe es in die Heimat „zum 99. Geburtstag meiner Schwiegermutter.“

Havichhorster Abend mit Elmar Brok

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  • Elmar Brok war Ehrengast beim Havichhorster Abend.

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  • Elmar Brok im Gespräch mit Gästen

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  • Empfang im Freien mit Gästen aus Politik und Wirtschaft

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  • Johannes Röring begrüßte die Gäste

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  • Die Gäste trafen sich zunächst zum entspannten Empfang im Freien.

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  • Elmar Brok mit Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland.

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  • Entspannter Empfang im Freien

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  • Entspannter Empfang im Freien

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Nächste Woche dann in die Ukraine. Er berichtet vom Alltag als Vertrauter von Spitzenpolitikern. Seine Hauptaufgabe als Ukraine-Berater sei es, für den neuen Präsidenten Selensky den Austausch zur EU zu schaffen. Was aus seinem neuen Job wird, wenn  Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin ernannt wird? Das ist offen. Fest steht: Er hält von der Leyen wegen ihrer Kindheit in Brüssel sehr gut für den Posten geeignet, und sie werde am Dienstag ihr Team vorstellen, bei dem es seiner Meinung nach noch ein  paar Wackelkandidaten gibt. 

Brok setzt energisch auf  den Kampf gegen Populisten. „Wir müssen gegen Nationalismus vorgehen, und nicht sagen: Ihr habt doch ein bisschen Recht“, meint er zur AfD. Manchmal verbringe er den Urlaub im Geburtshaus seiner Frau, einem kleinen Hof in Brandenburg. Dort bekomme er mit, wie die Leute drauf sind. „Eine Frage der Minderwertigkeitsgefühle, nicht von Fakten.“

Doch: „Demokratie verteidigt man nicht dadurch, dass man sich an Antidemokraten annähert.“ Seine Kritik an Donald Trump ist unverhohlener denn je. Dessen Machtanspruch sei nicht hinnehmbar, das Verhalten erratisch. Die Welt sei derzeit von China und den USA  geprägt. „G2 statt G7“. Es seit an der Zeit, dass sich die anderen Länder  zusammentun. Europa? Das ist für ihn eine Überlebensfrage. Sie treibt ihn an. „Auf dem Sofa sitzen? Das ist doch auch keine Lösung.“

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