Julian Kersting siegt in Russland
Warendorfer Weltmeister im Fliesenlegen

Warendorf/Kasan -

Julian Kersting ist Weltmeister. Der Warendorfer hat mit der deutschen Nationalmannschaft bei den „World Skills“ die Goldmedaille geholt – im Fliesenlegen.

Dienstag, 10.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 20:17 Uhr
Julian Kersting bei seinem Beruf (gr. Bild) und die prämierte „World- Skills“-Arbeit in Kasan.
Julian Kersting bei seinem Beruf (gr. Bild) und die prämierte „World- Skills“-Arbeit in Kasan. Foto: Jonas Wiening / privat

Schon mit 13 Jahren hat Kersting das erste Mal Fliesen verlegt – es liegt ihm im Blut. Sein Großvater Helmut hat vor einigen Jahrzehnten die „Kersting GmbH“ gegründet, Vater Frank stieg mit in die Firma ein. „Mir wurde das Fliesenlegen also vererbt“, erzählt der 22-jährige Warendorfer, der vor drei Jahren sein Abitur am Mariengymnasium gemacht hat. „Viele haben mir gesagt, wenn ich Abi mache, dann müsste ich was Besseres machen“, so Julian Kersting, der sich davon aber nicht beeindrucken ließ: „Für mich war es das Beste, was ich machen konnte.“

Und so begann der junge Handwerker nach dem Abschluss seine Ausbildung in der heimischen Firma. Dank des Abiturs konnte er diese schon nach eineinhalb Jahren abschließen – und das überaus erfolgreich. Als Klassenbester nahm Kersting am Kammerwettbewerb in Münster teil und gewann. Wenig später konnte er sogar beim Landeswettbewerb triumphieren. Ab sofort durfte sich der Warendorfer bester Fliesenleger Nordrhein Westfalens nennen. „Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es so viele Wettbewerbe und sogar eine Nationalmannschaft gibt.“

Für die qualifizierte sich Kersting aber wenig später. Denn beim Bundeswettbewerb errang er den dritten Platz, bei einem weiteren Qualifikationswettkampf konnte er sich ebenfalls beweisen. Seit Anfang des Jahres ist der 22-Jährige jetzt im Nationalteam. Acht bis zehn Wochen im Jahr ist er mit dem Training beschäftigt. „Zum Glück werde ich dafür von meinem Vater freigestellt, auch wenn das nicht immer so einfach ist“, sagt Kersting. Denn neben der eigentlichen Arbeit und der Nationalmannschaft macht er zur Zeit noch seinen Meister. „Ich habe eine Sieben-Tage-Woche“, berichtet er. Der Spaß am Fliesenlegen vergeht ihm trotzdem nicht.

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Eröffnungsfeier im olympischen Stil

Mit dem Nationalkader ging es schon zu vielen spannenden Veranstaltungen. So waren sie beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung in Berlin oder zu Trainingslagern in Augsburg, München oder Stuttgart. Ihr Handwerk präsentieren und dafür werben durften sie auf den verschiedenen Parteitagen.

Groß Geld verdienen lässt sich damit nicht. „Aber wir bekommen von unserem Bundesverband eine Aufwandsentschädigung. Außerdem ist es eine super Werbung für unsere Unternehmen und die Branche.“

Ende August war der Werbeeffekt dann wohl am größten. Julian Kersting und das deutsche Team nahmen an den „World Skills“, den Weltmeisterschaften der Handwerker, teil. Sieben Tage lang verbrachten sie dafür in Kasan. In der russischen Millionen-Metropole gab es eine riesige Eröffnungsfeier im olympischen Stil. „Wladimir Putin und auch Erdogan waren da, es gab Tänze, ein großes Feuerwerk und Musik. Es war beeindruckend“, berichtet Kersting, der vor allem dabei war, um Erfahrung zu sammeln. „Weil ich neu im Team bin, war ich erstmal nur Ersatzmann.“

Titelgewinn beim deutschen Abend gefeiert

Weltmeister darf sich Julian Kersting trotzdem nennen. Denn sein Team konnte sich tatsächlich die Goldmedaille sichern – trotz der starken Konkurrenz aus Österreich, der Schweiz, China, Russland oder Südkorea. 1500 Euro Prämie und „einen feuchten Händedruck“ gab es dafür. „Die Russen hätten eine Siegprämie von 150.000 Euro bekommen, die Südkoreaner ein Einfamilienhaus“, erzählt Kersting. „Diese Länder investieren richtig viel in das Handwerk und ihre Nationalteams. Die Chinesen versuchen dabei immer, unsere Techniken zu kopieren.“

Der Weltmeistertitel in Kasan wurde zünftig gefeiert. „Es gab einen deutschen Abend in einer Art Brauhaus. Da ging es ordentlich zur Sache.“ Im Anschluss wurden die Handwerker-Nationalteams zu einem Empfang in Frankfurt geladen. „Da konnte ich leider nicht mehr dabei sein“, erzählt Julian Kersting. Er wurde in der Heimat gebraucht. Die Arbeit im Familienbetrieb wartete schon.

„Ich konnte trotzdem total viel mitnehmen, habe viel Erfahrung sammeln können und auch sonst war es einfach eine tolle Woche“, so der Warendorfer, der sich jetzt schon auf die nächsten Veranstaltungen freut. Im nächsten Jahr stehen dann die „Euro-Skills“ in Graz (Österreich) an. Da möchte Julian Kersting dann ganz vorne mit dabei sein und den Europameister-Titel erringen. Bis dahin dürfte aber noch die eine oder andere Fliese verlegt werden.

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