Milchbauern Alfons und Roland Schwersmann fehlt Gras und Heu
Sorge um das Grünfutter für Kühe

Lüdinghausen -

Das Gras auf den Wiesen wächst ohne Regen nicht genug – Futter dass den Milchkühen von Alfons und Roland Schwersmann fehlt. Die Tiere müssen nicht hungern, die Landwirte sorgen für Ersatz. Doch das Futter muss zugekauft werden und bedroht bei stagnierendem Milchpreis irgendwann die Existenz.

Donnerstag, 12.09.2019, 09:00 Uhr
Landwirt Alfons Schwersmann ist Milchbauer mit Leib und Seele. Auch wenn er den Hof schon seinem Sohn Roland übergeben hat, kümmert er sich noch um die Tiere und macht sich nach dem zweiten trockenen Sommer Sorgen um ihr Futter.
Landwirt Alfons Schwersmann ist Milchbauer mit Leib und Seele. Auch wenn er den Hof schon seinem Sohn Roland übergeben hat, kümmert er sich noch um die Tiere und macht sich nach dem zweiten trockenen Sommer Sorgen um ihr Futter. Foto: Marion Fenner

Wieder hat es im Sommer nicht genug geregnet. Die Trockenheit ist für Landwirte wie Alfons Schwersmann ein Desaster. „Ein einziges trockenes Jahr wie 2018 lässt sich immer irgendwie ausgleichen, doch dass auch in diesem Jahr wieder Wasser fehlt, macht uns große Sorgen“, sagt der Landwirt, der seinen Betrieb mittlerweile seinem Sohn Roland übergeben hat. Im Stall von Familie Schwersmann stehen rund 250 Milchkühe samt Nachzucht. Das wichtigste Futter für diese Tiere ist Gras – und das wächst ohne ausreichend Wasser nicht. Zumindest nicht genug.

Rinder als Wiederkäuer benötigen Futter mit viel Struktur, das können wir ihnen nur mit Gras, Silage oder Heu geben

Alfons Schwersmann

„Rinder als Wiederkäuer benötigen Futter mit viel Struktur, das können wir ihnen nur mit Gras, Silage oder Heu geben“, erklärt Alfons Schwersmann. Vier Mal pro Jahr konnte Schwersmann in den vergangenen Jahren sein Grünland mähen und damit die Tiere versorgen. „In diesem Jahr hat es noch einen recht guten ersten Schnitt gegeben, auch der zweite war noch in Ordnung. Der Dritte war schon nur noch ein Pflegeschnitt ohne großen Ertrag und der vierte fällt voraussichtlich komplett aus“, berichtet der Landwirt.

Etwa 50 Jungrinder verbringen üblicherweise den Sommer auf der Weide und suchen sich ihr Futter selbst. Doch diese Tiere musste Schwersmann bereits wieder in den Stall holen, weil sie draußen kaum noch etwas zu fressen gefunden haben. Auch die müssen jetzt zugefüttert werden.

Wir füttern zusätzlich Stroh, damit die Rinder die notwendige Struktur im Futter haben, die sie für ihre Verdauung benötigen.

Alfons Schwersmann

„Wir füttern zusätzlich Stroh, damit die Rinder die notwendige Struktur im Futter haben, die sie für ihre Verdauung benötigen.“ Das habe aber nur einen sehr geringen Nährwert und bedeute, das mehr zusätzliches Kraftfutter gegeben werden muss, damit die Tiere genug Milch geben. Futter, das der Betrieb zukaufen muss. 40 bis 50 Kilogramm strukturreiches Grundfutter – im Stall von Alfons Schwersmann ist das eine Mischung aus Mais- und Grassilage – sowie eiweißhaltiges Zusatzfutter mit Mineralien und Vitaminen benötigt eine Kuh, damit sie täglich rund 25 Liter Milch produzieren kann.

Futterreserven aus dem Vorjahr gibt es nicht. Dazu kommt, dass auch die Maisernte schlechter ausfällt als geplant – und ebenfalls zugekauft werden muss. „Wir geben unseren Rindern jetzt schon das, was sie sonst erst im Winter bekommen.“ Deshalb schauen Alfons und Roland Schwersmann zurzeit bei der Milchleistung ihrer Kühe genauer hin. Tiere, die nicht mehr genug Milch geben, werden in solchen Jahren eher zum Schlachter gebracht.

Erst wenn wir etwa 40 Cent für den Liter bekommen, hätte der Landwirt damit seine Existenz gesichert.

Alfons Schwersmann

Ein zusätzliches Problem, das allen Milchbauern Sorge bereitet, ist der stagnierende Milchpreis. Etwa 30 Cent pro Liter bekommt der Landwirt dafür. „Das reicht eigentlich nicht“, sagt Schwersmann. „Erst wenn wir etwa 40 Cent für den Liter bekommen, hätte der Landwirt damit seine Existenz gesichert.“ Schwersmann würde sich wünschen, dass dem Verbraucher regional produzierte Milch und Milchprodukte mehr wert sind. Und damit auch bereit sei, dafür mehr zu bezahlen. Rosig blickten der Landwirt und seine Familie deshalb nicht in die Zukunft.

Abschaffen wollen sie die Kühe auch nicht. Milchkuhhaltung ist für Schwersmann mehr als nur ein Beruf, das ist eine Leidenschaft für die Tiere, mit denen er mehrmals am Tag zu tun hat. Die Frage, ob auf dem Hof in zehn oder 20 Jahren auch noch Kühe leben beantwortet Alfons Schwersmann spontan mit „Ja“, fügt aber an: „Dafür muss es jedoch in Zukunft wieder mehr regnen.“

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