Prozess am Landgericht
Syrischer Chirurg angeklagt: Eine „ganz normale Beschneidung“?

Münster/Ascheberg -

Eine syrische Chirurgie-Ausbildung hat Ahmed G. - aber hält er sich auch an die deutschen Standards, wenn er hier Säuglinge beschneidet? Um diese Frage geht es in einem Prozess vor dem Landgericht, der am Donnerstag begann. Der Angeklagte äußerte sich bereits ausführlich.

Donnerstag, 12.09.2019, 15:22 Uhr aktualisiert: 12.09.2019, 16:35 Uhr
Ahmed G. wurde nach eigenen Angaben in Syrien zum Chirurgen ausgebildet. Nun steht er in Münster vor Gericht.
Ahmed G. wurde nach eigenen Angaben in Syrien zum Chirurgen ausgebildet. Nun steht er in Münster vor Gericht. Foto: Gunnar A. Pier

Mit den unangenehmen Details einer rituellen Säuglings-Beschneidung musste sich am Donnerstagvormittag die 1. Große Strafkammer am münsterischen Landgericht beschäftigen. Angeklagt ist ein 43-jähriger Chirurg aus Syrien, der in Essen lebt. Er hat bereits am ersten Prozesstag eingeräumt, drei Kinder in Ascheberg und Menden beschnitten zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dabei die Regeln der ärztlichen Kunst nicht beachtet und so „traumatisierende Schmerzen“ verursacht zu haben. Deshalb muss er sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Es ging offenbar alles ganz schnell am 4. Januar 2019 in Ascheberg-Davensberg. Ahmed G., geboren in Aleppo, kam und packte seine Utensilien aus. Der etwa ein halbes Jahr alte Sohn einer ebenfalls aus Syrien stammenden Familie wurde auf den Wohnzimmertisch gelegt, der Penis desinfiziert und mit einem Kauter, einem elektrisch betriebenen Gerät, unter Hitze ein Stück der Vorhaut abgeschnitten. Hunderte Mal, wenn nicht gar tausende Mal habe er das in Syrien bereits so gemacht, berichtete der Angeklagte in seiner Einlassung, die der Anwalt vortrug. Komplikationen habe es nahezu nie gegeben. „Das ist die Art und Weise, wie das in Syrien gemacht wird.“

Prozess gegen Chirurgen aus Syrien

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  • Ahmed G. kommt am 12. September 2019 in den Gerichtssaal: Der Syrer wird beschuldigt, Kinder beschnitten und dabei medizinische Standards nicht beachtet zu haben.

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  • Der 43-Jährige hat in Syrien eine Ausbildung zum Chirurgen gemacht.

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  • Das Gericht muss nun klären, ob es sich bei seinen Eingriffen um gefährliche Körperverletzung handelt.

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  • Ahmed G. am 12. September 2019 im Gerichtssaal: Der Syrer wird beschuldigt, Kinder beschnitten und dabei medizinische Standards nicht beachtet zu haben.

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  • Ahmed G. am 12. September 2019 im Gerichtssaal: Der Syrer wird beschuldigt, Kinder beschnitten und dabei medizinische Standards nicht beachtet zu haben.

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  • Ahmed G. am 12. September 2019 im Gerichtssaal: Der Syrer wird beschuldigt, Kinder beschnitten und dabei medizinische Standards nicht beachtet zu haben.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ahmed G. am 12. September 2019 im Gerichtssaal: Der Syrer wird beschuldigt, Kinder beschnitten und dabei medizinische Standards nicht beachtet zu haben.

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Deutsche Standards?

Um deutsche Standards habe er sich keine Gedanken gemacht, verriet der Anwalt im Namen des Angeklagten. So ging es am ersten Verhandlungstag vornehmlich um die Frage, ob er dem knapp sechs Monate alten Jungen eine örtliche Betäubung in die Vorhaut gespritzt hat, bevor er sie kappte. Während Ahmed G. versicherte, noch nie ohne Betäubung beschnitten zu haben, gaben die als Zeugen geladenen Eltern an, keine Spritze gesehen zu haben. Ansonsten aber habe es sich ihrer Ansicht nach um eine „ganz normale Beschneidung“ gehandelt.

Operation im Krankenhaus

Komplikationen gab es dennoch. Das Baby schrie mehr als erwartet, eine Kinderärztin schickte die Familie Tage später ins Krankenhaus, wo der Säugling operiert wurde und vier Tage bleiben musste.

Weitere Fälle in Menden

Für den Prozess sind vier weitere Termine angesetzt, an denen auch Gutachter gehört werden sollen. Zudem wird es um zwei weitere Beschneidungen am 1. März 2019 in Menden gehen.

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