Glücksfall in Dülmen
Archäologen legen Paradestraße aus dem Mittelalter frei

Dülmen -

Egal, ob ein Begegnungszentrum am Marktplatz, eine Shopping-Mall auf dem Overbergplatz oder ob die Marktstraße ein neues Pflaster bekommt: Wann immer sich in der Dülmener Innenstadt Bauvorhaben ankündigen, schaut Gerard Jentgens mit seinem Team vorbei. Jetzt ist den Archäologen ein besonderer Fund geglückt.

Freitag, 20.09.2019, 08:00 Uhr
Archäologen haben in Dülmen eine mittelalterliche Straße aus dem ­­­­11. Jahrhundert freigelegt.
Archäologen haben in Dülmen eine mittelalterliche Straße aus dem ­­­­11. Jahrhundert freigelegt. Foto: Markus Michalak

Die Archäologen prüfen, was unter der Erdoberfläche an Stadtgeschichte erhalten ist. 2015 förderte das Jentgens-Team eine europaweit einzigartige Glockengussgrube aus dem­­ ­­­8. Jahrhundert zutage, nur wenige Schritte davon entfernt stießen die Archäologen nun auf einen Verbindungsweg zwischen Münster und Haltern aus dem 11. Jahrhundert.

Hans-Werner Peine, beim Landschaftsverband Westfallen Lippe (LWL) zuständig für Mittelalterarchäologie, zeigt sich beeindruckt: „Wir haben sogar darüber nachgedacht, einen Teil der Straße als Ausstellungsstück zu bergen.“ Allerdings meldete kein LWL-Museum Bedarf.

Zunächst stieß das Team um Grabungsleiter Jentgens am Bült auf einen Knüppeldamm aus dem 14. Jahrhundert. Quergelegte Hölzer, die die Fahrt über den morastigen Untergrund erleichterten. Dann wurde es interessanter: „Darunter kamen ältere Pflasterungen zum Vorschein, die mit kleineren Kieselsteinen und an anderer Stelle mit Schluffsteinen, die für die Region typisch sind, angelegt worden waren.“ Stück für Stück legten die Archäologen eine Paradestraße frei, die durch den inneren Kern der Siedlung Dülmens führte und Teil einer Fernstraße zwischen Münster und Haltern gewesen sein dürfte.

„Es ist ein Glücksfall, eine solche Straße, die im Auftrag des Bischofs befestigt wurde, in einem solchen Erhaltungszustand zu finden“, erklärt Peine. Aus Sicht des LWL ist es auch ein Glücksfall, dass das Jentgens-Team inzwischen seit 2011 kontinuierlich in Dülmen arbeitet. „So setzt sich für uns Stück für Stück die Stadtgeschichte Dülmens zusammen“, erklärt Peine. Die Glockengussgrube, das Kloster Agnetenberg, Grabungen an Lohwall und Overbergplatz: „In unseren Jahresbänden befassen sich sechs, sieben Artikel nur mit Dülmener Stadtgeschichte.“

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