S-Bahn-Linien
Warum die Eurobahn aus dem Vertrag geflogen ist

Gelsenkirchen/Unna -

Im Dezember hätte die Eurobahn eigentlich den Betrieb zweier S-Bahn-Linien im Ruhrgebiet übernehmen sollen. Doch der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr kündigte der Firma. Ein bislang einmaliger Akt. 

Freitag, 20.09.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 07:21 Uhr
 Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat den Mitte Dezember beginnenden Vertrag mit dem vorgesehenen neuen Betreiber der wichtigen Nahverkehrs-Linien S1 und S4 gekündigt.
 Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat den Mitte Dezember beginnenden Vertrag mit dem vorgesehenen neuen Betreiber der wichtigen Nahverkehrs-Linien S1 und S4 gekündigt. Foto: dpa

 Am Tag nach der Breitseite gegen die Eurobahn hat sich der Rauch noch nicht verzogen. Acht Wochen vor Betriebsaufnahme hatte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) dem deutschen Ableger des französischen Keolis-Konzerns am Mittwoch auf den S-Bahn-Linien 1 (Dortmund- Düsseldorf) und 4 (Unna- Dortmund) den Stuhl vor die Tür gestellt. Die Kündigung ist ein bislang einmaliger Akt. Eigentlich hätte die Eurobahn den Betrieb am 15. Dezember von der DB Region übernehmen sollen.

Ke­olis Deutschland prüft rechtliche Schritte

In einer ersten Reaktion gab sich Eurobahn-Chefin Magali Euverte „sehr überrascht und tief enttäuscht“, aber auch kämpferisch. „Ke­olis Deutschland prüft rechtliche Schritte“, hieß es in einer am Abend eilends verbreiteten Erklärung.

Das leidige Thema Lokführer war auch diesmal Stein des Anstoßes. Die Kündigung sei unumgänglich geworden, weil in den seit Jahresbeginn laufenden Statusgesprächen deutlich ge worden sei, „dass die Eurobahn etwa die Hälfte der notwendigen Planstellen nicht mit Triebfahrzeugführern besetzen“ und damit keinen „zuverlässigen Betrieb der Linien“ garantieren könne, teilte der VRR mit.

Alle Eisenbahnunternehmen leiden unter dem Lokführermangel. In NRW hatten die sieben dort fahrenden Gesellschaften auch darum En­de 2017 un­ter dem Titel „Agenda Bahn NRW“ aller Konkurrenz zum Trotz mehr Kooperation verabredet. Dazu gehörte un­ter anderem das gegenseitige Ausleihen von Personal.

Es fehlen wohl Lokführer

Genau das hatten Eurobahn und DB Regio für die S-Bahn-Linien 1 und 4 verabredet. 121 Lokführer musste die Keolis-Tochter für deren Betrieb vorhalten, zudem 140 Kundenbetreuer.

Dem Vernehmen nach konnte die Eurobahn rund 70 neue Lokführer gewinnen, der Rest sollte vom Mitbewerber kommen. Über die Verbindlichkeit der Vereinbarung gibt es unterschiedliche Aussagen. Als der Deal vor wenigen Tagen platzte, war auch die Vereinbarung zwischen der Eu­robahn und VRR hinfällig geworden.

Eurobahn-Sprecherin Ni­co­le Pizzuti äußert sich zu all dem nicht. Das Unternehmen will sich am heutigen Freitag in Düsseldorf erklären. Ein Sprecher der Bahn erklärte lediglich, dass „Verhandlungen zur Stellung von Personal im marktüblichen wirtschaftlichen Rahmen geführt worden sind“.

Gespräche am Geld gescheitert

Am Ende, so bestätigen Branchenkenner, seien die Gespräche wie so oft am Geld gescheitert. Die Forderungen der Bahn AG sollen durchaus üppig gewesen sein. Kein Wunder, sie kann es sich leisten.

Und nun? „Wir werden versuchen, die Partner an den Verhandlungstisch zurückzuholen“, sagt Pizzuti. Ob das gelingt, darf allerdings bezweifelt werden. DB Regio hält nämlich einige Trümpfe in der Hand. Per Notvergabe hat der VRR das Unternehmen am Mittwoch umgehend beauftragt, beide S-Bahn-Linien für zwei Jahre weiterzubetreiben. Parallel dazu werden die Strecken neu ausgeschrieben. Neues Spiel – und vielleicht auch neues Glück für die Bahn AG. Warum sollte sie da verhandeln?

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