Grüner Protest der Landwirte
Kreuze gegen immer mehr Auflagen

Seppenrade -

15 grüne Kreuze im Seppenrader Gebiet machen den Unmut der heimischen Landwirte aufgrund der aktuellen Agrarpolitik im Bund deutlich. Michael Muhle, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands, erklärt, worum es den Bauern geht. Sie fühlen sich durch immer mehr Auflagen drangsaliert.

Mittwoch, 25.09.2019, 08:10 Uhr
In Seppenrade haben Landwirte 15 grüne Kreuze aufgestellt. Damit machen sie auf die Sorgen der Bauern aufmerksam, die sich durch immer mehr Auflagen drangsaliert sehen.
In Seppenrade haben Landwirte 15 grüne Kreuze aufgestellt. Damit machen sie auf die Sorgen der Bauern aufmerksam, die sich durch immer mehr Auflagen drangsaliert sehen. Foto: Michael Beer

Das Agrarpaket , das vom Agrar- und Umweltministerium als der große Wurf vorgestellt wurde, bringt die Bauern auf die Palme. Dieses Paket sei gefüllt mit neuen Auflagen und Belastungen, zum Beispiel beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, sind sich auch Landwirte im Rosendorf einig. Grüne Mahnkreuze sind ein stiller Protest der Bauern. Davon hat der Landwirtschaftliche Ortsverband (LOV) in Seppenrade 15 in verschiedenen Größen rund ums Dorf aufgestellt.

Michael Muhle, Vorsitzender des LOV, betonte, dass viele Landwirte dem staatlichen Tierwohllabel als Baustein für die Umgestaltung der Nutztierhaltung offen gegenüberstünden. „Theorie und Praxis müssen hier aber zusammenfinden“, so Muhle.

Ich denke, der inte­grierte Pflanzenschutz muss weiterentwickelt werden.

Michael Muhle

Die von Umweltministerin Svenja Schulze erhoffte Reduktion von 75 Prozent beim chemischen Pflanzenschutz sieht Muhle skeptisch. „Ich denke, der inte­grierte Pflanzenschutz muss weiterentwickelt werden. Das heißt, Biologie, Pflanzenzucht sowie Anbauverfahren müssen noch besser aufeinander abgestimmt werden. Jedoch können sich ohne den gezielten Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln beispielsweise pilzliche Erreger im Getreide etablieren und das Erntegut unbrauchbar machen.“

Ein Totalausfall könne die Folge sein, weil das Getreide weder als Nahrungs- noch als Futtermittel eingesetzt werden könne. Zudem sei es nur in gewisser Weise sinnvoll auf Pflanzenschutzmittel mit Wirkung gegen Unkräuter sowie -gräser in Ackerkulturen zu verzichten. Alternativ stehe der Einsatz des Pfluges zur mechanischen Unkrautbekämpfung gegenüber, was wiederum wasserzehrend ist und eine stärkere CO-Belastung der Umwelt mit sich bringe.

Eine Aufnahme als Biotop gleicht einer Enteignung der Flächen.

Michael Muhle

Muhle betonte, dass, Streuobstwiesen auch ohne die Aufnahme als Biotop ökologisch wertvoll seien. „Eine Aufnahme als Biotop gleicht einer Enteignung der Flächen. Seit Generationen wird die Kulturlandschaft in Seppenrade von Landwirten gepflegt. Hierzu gehören auch selbst angelegte Streuobstwiesen“, betonte Muhle.

In der Existenz bedroht

Er sieht durch die Restriktionen in dem Agrarpaket die Existenz vieler Familienbetriebe bedroht. „Mehr als die Hälfte der deutschen Landwirte haben von 1990 bis heute den Betrieb aufgeben müssen. Die grünen Kreuze sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden. Hier ist ein konstruktiver Austausch zur Ausgestaltung der zukünftigen Landwirtschaft gewünscht“, bekräftigte er.

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