Tanatswa Zhou vor zehn Jahren operiert
Ein ganz normales Mädchen

Lüdinghausen -

Genau zehn Jahre ist es her, dass Tanatswa Zhou in einer Spezialklinik im südafrikanischen Pretoria ein Cochlear-Implantat erhielt, damit sie wieder hören und sprechen kann. Dafür sammelte die Lüdinghauserin Dorothee Homann innerhalb von vier Monaten eine Spendensumme von 34 000 Euro.

Dienstag, 01.10.2019, 08:00 Uhr
Vor genau zehn Jahren wurde der heute 13-jährigen Tanatswa Zhou ein „Cochlear-Implantat“ eingesetzt. 34 000 Euro hatte die Lüdinghauserin Dorothee Homann dafür innerhalb von drei Monaten an Spenden gesammelt.
Vor genau zehn Jahren wurde der heute 13-jährigen Tanatswa Zhou ein „Cochlear-Implantat“ eingesetzt. 34 000 Euro hatte die Lüdinghauserin Dorothee Homann dafür innerhalb von drei Monaten an Spenden gesammelt. Foto: privat

Der 29. September 2009 war ein Tag, den die Eltern von Tanatswa Zhou wohl nie vergessen werden. Damals erhielt ihre kleine Tochter in einer Spezialklinik im südafrikanischen Pretoria ein „Coch­lear-Implantat“ – und damit die Chance, wieder hören und sprechen zu lernen. Auch Dorothee Homann wird dieser Tag immer in Erinnerung bleiben. Hatte ihr Einsatz doch dafür gesorgt, dass binnen vier Monaten das Geld für diese Operation zusammen kam – immerhin 34 000 Euro (WN berichteten).

„Heute ist Tanatswa ein ganz normales Mädchen“, berichtet Homann. Die inzwischen 13-Jährige besuche wie auch ihr Zwillingsbruder eine ganz normale Schule in ihrem Heimatland Simbabwe. Im Alter von zwei Jahren hatte das Mädchen infolge einer Meningitis-Infektion ihr Gehör und Sprachvermögen verloren. Die mögliche Heilung durch ein Implantat wäre für die Eltern des Kindes unerschwinglich geworden. Tanatswas Vater war damals ein Arbeitskollege von Dorothee Homanns Tochter. Die Agrarwissenschaftlerin lebt und arbeitet in dem ostafrikanischen Land.

Du hast ganz Lüdinghausen durcheinander gebracht.

Enrico Zanirato

Die habe ihr dann von dem Schicksal des kleinen Mädchens und den finanziellen Problemen erzählt – mit dem sinngemäßen Hinweis: „Nur du kannst das schaffen.“ Dann habe sie alle möglichen und unmöglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um Geld für die Operation aufzutreiben, erinnert sich die heute 74-jährige Lüdinghauserin.

„Du hast ganz Lüdinghausen durcheinander gebracht“, sagt dazu Enrico Zanirato. Er ist Vorstandsmitglied des Schützenvereins Ermen, der seit 2009 zu den Unterstützern von Tanatswa gehört. Am Montag überreichte er einmal mehr eine Spende von 500 Euro an Homann. Damit wird die alljährlich fällige Nachuntersuchung des jungen Mädchens in der Klinik in Pretoria unterstützt. Und diese Hilfe soll weitergehen, bis das Mädchen seine (Schul-)Ausbildung) abgeschlossen hat. Das Schicksal Tanatswas habe ihn persönlich betroffen gemacht, sagt Zanirato. Denn als Kind habe er selbst Meningitis gehabt, sei aber rechtzeitig behandelt worden.

Homann, die ihre Tochter jedes Jahr in Simbabwe besucht, trifft dort auch immer auf Tanatswa und ihre Familie. Die freue sich noch immer über die große Hilfsbereitschaft, die sie für ihre Tochter erfahren habe. Und, so beschreibt sie den größten Wunsch des Mädchens: „Irgendwann möchte sie nach Deutschland kommen, um sich persönlich zu bedanken.“ Ihre eigenen Erlebnisse in dem bitterarmen Land des jüngst verstorbenen Diktators Robert Mugabe beschreibt sie so: „Die Menschen sehen für sich kaum eine Zukunft. Aber dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf.“ Viele junge Menschen verließen das Land, um ihr Glück etwa in Südafrika oder dem benachbarten Botswana zu finden.

Ihre Aktion vor zehn Jahren sei den Menschen in Lüdinghausen im Gedächtnis geblieben, sagt Homann. Noch heute werde sie darauf angesprochen: „Viele fragen, was denn aus dem Mädchen geworden ist.“ Das Land Simbabwe sei ihr längst zur zweiten Heimat geworden, erzählt Homann. So hat sie die Flugticktes für ihre nächste Reise im April kommenden Jahres schon gebucht.

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