Bombenabwurf vor 75 Jahren
Dem Erdboden gleichgemacht

Appelhülsen -

Es ist ein schreckliches Kapitel der Ortsgeschichte: Vor 75 Jahren forderte ein Bombenabwurf zwei Menschenleben in Appelhülsen. Die Familie Deilmann verlor ihr Haus.

Dienstag, 01.10.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 19:50 Uhr
Das völlig zerstörte Haus Deilmann nach dem verheerenden Bombenabwurf vor 75 Jahren.
Das völlig zerstörte Haus Deilmann nach dem verheerenden Bombenabwurf vor 75 Jahren. Foto: Sammlung G.-A. Deilmann

Gregor-Antonius Deilmann war ein kleiner Junge, gerade mal acht Jahre alt. Doch an den 30. September 1944, 14 Uhr mittags, hat der Appelhülsener immer noch Erinnerungen. Denn damals vor genau 75 Jahren im Zweiten Weltkrieg fielen Bomben auf Appelhülsen, zerstörten beziehungsweise beschädigten vier Häuser in der Münsterstraße. Zwei Tote musste die Appelhülsener Dorfgemeinschaft beklagen. Dazu gab es Verletzte: seine Mutter und seinen jüngeren Bruder.

Dass die Erinnerungen an dieses Ereignis nun wieder lebendig geworden sind, hat nichts mit dem Jahrestag zu tun. Heimatforscherin Anni Wessendorf, die nach wie Texte und Bilder zur Appelhülsener Geschichte aufschreibt und sammelt, hatte bei Gregor-Antonius Deilmann wegen eines Fotos nachgefragt, welches das Elternhaus von Deilmann an der Münsterstraße in den 50er-Jahren zeigt. Als der Appelhülsener in den Familienunterlagen forschte, um eine genaue Datierung des Fotos zu ermöglichen, stieß er auf das Foto des durch Bomben zerstörten Elternhauses und erkannte: Genau 75 Jahre ist das her!

„Ich war damals im Dorf unterwegs, als die Bomben fielen“, erinnert sich Deilmann. Den ganzen Tag über seien schon Bomberverbände am Himmel über Appelhülsen zu sehen gewesen. „Sie kamen aus nördlicher Richtung und flogen in Richtung Südwesten ins Ruhrgebiet oder weiter nach Düsseldorf“, erzählt der Appelhülsener. Dann fielen die Bomben auf Häuser in der Münsterstraße. Sein Elternhaus an der damaligen Münsterstraße 105 (heute Münsterstraße 63) wurde völlig zerstört.

Gregor-Antonius Deilmann lief nach den Bombenabwürfen sofort nach Hause zurück. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Muter schwer verletzt bis an die Schultern in den Trümmern steckte. In ihren Armen hielt sie schützend meinen jüngeren Bruder.“

Wie durch ein Wunder blieb das direkt links daneben stehende Gebäude Ferlemann (heute Restaurant „Klingel‘s Esszimmer“) unversehrt, während das rechte Nachbargebäude größere Beschädigungen aufwies. Das Haus Deilmann aber, das Schreinermeister Franz Deilmann 1929 für die Familie erworben hatte, war nahezu komplett dem Erdboden gleichgemacht worden.

Nach dem Krieg baute die Familie am selben Standort ein neues Wohnhaus, das 1950 bezogen werden konnte. Gregor-Antonius Deilmann, mittlerweile als Architekt vom Fach, verwirklichte auf dem Familiengrundstück nicht nur ein kleines Bürogebäude, sondern renovierte 1974 das Erdgeschoss seines Elternhauses und nahm 1994 eine Totalsanierung vor, die dem Gebäude an der Münsterstraße das heutige Aussehen bescherte.

Eine Familiengeschichte, die – wie viele andere Familiengeschichten auch – Teil der Appelhülsener Ortshistorie ist.

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