Mietertag NRW in Münster
„Mieter lassen sich viel zu viel gefallen“

Münster -

Die Wohnungsnot wird immer bedrohlicher – vor allem in Metropolen wie Münster. Doch allmählich sind auch andere Städte und Gemeinden im Münsterland betroffen.

Freitag, 04.10.2019, 15:20 Uhr aktualisiert: 04.10.2019, 18:11 Uhr
Mietertag NRW in Münster: „Mieter lassen sich viel zu viel gefallen“
Die Anspannung auf den nordrhein-westfälischen Wohnungsmärkten hat weiter zugenommen – das war auch Thema beim "Mietertag NRW" in Münster. Foto: dpa

Hans-Jochem Witzke hat einen Verdacht. „Bei Neuvermietungen wird in den Metropolen in NRW häufig gegen die Mietpreisbremse verstoßen.“ Der Vorsitzende der Deutschen Mieterbundes Nordrhein-Westfalen rief die Betroffenen beim „Mietertag NRW“ in Münster dazu auf, sich zu wehren: „Die Mieterinnen und Mieter lassen sich viel zu viel gefallen“, erklärte Witzke.

Die Anspannung auf den nordrhein-westfälischen Wohnungsmärkten habe seit 2017 weiter stark zugenommen. Grund: Es würden im Land zu wenig Wohnungen gebaut. Witzke: „NRW braucht Jahr für Jahr 80 000 neue Wohnungen.“ 2017 seien allerdings nur 48 300 fertiggestellt worden.

Wohnungsnot weitet sich aus

Inzwischen weitet sich die Wohnungsmisere auch auf kleinere Gemeinden aus. So beklagt etwa Jutta Pollmann, Geschäftsführerin des Mietervereins Münster, der für das gesamte Münsterland zuständig ist, dass Orte im Umland von Münster zunehmend unter stark steigenden Mieten leiden. Pollmann nannte insbesondere Havixbeck, Senden, Coesfeld, Ahaus und Lüdinghausen. Grundsätzlich gelte, so Pollmann: „Je näher ein Ort an Münster liegt, desto stärker steigen die Mieten.“ Der Anstieg sei bei kleineren Wohneinheiten besonders hoch.

Der Mieterverein erfährt nach eigenen Angaben immer häufiger von unlauteren Methoden der Vermieter. So werde beispielsweise mit Eigenbedarfskündigungen gedroht, wenn Mieter gegen unzulässige Mieterhöhungen vorgehen, nannte die Geschäftsführerin ein Beispiel.

"Insgesamt wird die Luft rauer"

Witzke relativierte jedoch: „Nicht alle Hauseigentümer nutzen alle Mieterhöhungsmöglichkeiten aus.“ Es gebe auch Vermieter, die zehn bis 15 Jahre auf Erhöhungen verzichten. „Aber insgesamt wird die Luft rauer“, beklagte der Mieterbunds-Vorsitzende. Deshalb seine Forderung an die Politik: Es müsse mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden und die Mieterrechte müssten nicht nur erhalten, sondern weiter ausgebaut werden.

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