Kunsthandwerkermarkt
Mit einer Rüge von Mama fängt´s an

Lengerich -

Über 60 Aussteller haben Proben ihres Könnens beim Kunsthandwerkermarkt in der Gempt-Halle präsentiert. Gleich nach Beginn bildete sich eine Schlange vor dem Eingang.

Samstag, 05.10.2019, 06:33 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 06:50 Uhr
Handgemacht hat Karin Borchers alle Puppen, die sie beim Kunsthandwerkermarkt ausstellt. Hendrik Baumann (Bild rechts) zeigt ungewöhnliche Sandkunst.
Handgemacht hat Karin Borchers alle Puppen, die sie beim Kunsthandwerkermarkt ausstellt. Hendrik Baumann (Bild rechts) zeigt ungewöhnliche Sandkunst. Foto: Michael Baar

Wer sich für Puppen interessiert, wird beim Kunsthandwerkermarkt in der Gempt-Halle kaum an Stand von Karin Borchers vorbeigegangen sein. Die 57-Jährige bezeichnet sich mit einem Lächeln nicht nur als Puppen-Doktorin, sie stellt ihre Keramik-Puppen auch selbst her.

„Mit elf Jahren habe ich angefangen“, erzählt sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Allerdings gab es da gleich mächtig Ärger: „Ich habe mit Knete gearbeitet und die Figuren dann im Backofen gebrannt. Mama´s Ofen war versaut“, berichtet sie und muss heute darüber Schmunzeln.

Das Faible für die Puppen hat sie nie verloren. Unversehens befindet man sich mit der 57-Jährigen in einem Gespräch über die Herstellung der Porzellan-Preziosen. Die Porzellan-Gießmasse wird gesiebt, kommt in eine Gießform und ruht darin mehrere Stunden. Dann wird die Form geöffnet und das angefertigte Körperteil, beispielsweise ein Kopf, entnommen.

Nach einer weiteren Ruhephase folgt der erste Brenn-Durchgang bei bis zu 720 Grad Celsius. „Das dauert fünf bis sechs Stunden“, erläutert sie. Anschließend werden Augen und Mund in Form geschnitten. Der eigentliche Porzellanbrand schließt sich an mit Temperaturen von 1230 bis 1300 Grad Celsius. „Je nach Größe bleibt das Teil zwischen acht und 14 Stunden im Ofen“, berichtet sie. Die Bemalung schließt sich an samt weiterer Farb-Brenndurchgänge bei 500 bis 650 Grad Celsius. „Das hängt von der Farbe ab“, erklärt Karin Borchers.

Kunsthandwerkermarkt in der Gempt-Halle

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  • Karin Borchers zeigt nicht nur ihre handgefertigten Porzellanpuppen. Die 57-Jährige agiert auch als „Puppen-Doktorin“.

    Foto: Michael Baar
  • In der Gempt-Halle stellten am Tag der Deutschen Einheit über 60 Kunsthandwerker aus.

    Foto: Michael Baar
  • Schmuck gab es in vielen Variationen.

    Foto: Michael Baar
  • Wichtiger Hinweis: Nur mit den Augen „anfassen“.

    Foto: Michael Baar
  • Die Advents- und Weihnachtszeit rückt näher. Das sah man auch am Sortiment.

    Foto: Michael Baar
  • Eine Welt für sich, ausschließlich aus Papier gebastelt.

    Foto: Michael Baar
  • Hendrik Baumann zeigte Sandkunst par excellence.

    Foto: Michael Baar

Ein aufwendiges Verfahren, das bis zu acht Monate in Anspruch nimmt, bevor die Puppe fertig ist. „Dann ist allerdings auch die Bekleidung fertig genäht und die Haare sitzen auch“, schmunzelt sie und nimmt eine ihrer Puppen, um das Gesagte am Beispiel zu verdeutlichen. Die Klamotten, wenn man das so abschätzig über die Puppenbekleidung sagen darf, näht Karin Borchers selbst. „Ich war von Beruf Elektromontiererin, habe dann Schneiderin gelernt“, sagt sie. Als Frau vom Fach sitzen Kleider, Blusen und Hosen natürlich 1a auf den Puppen. Nur die Haare, die lässt sie fertigen. „Ich nähe sie dann auf eine Kappe, die am Kopf befestigt wird“, erzählt sie. Als Rohstoff für die Frisuren dient Mohair-Schafswolle.

„Jede Puppe ist ein Unikat, die sind alle von Hand gefertigt.“ Dieser Satz gilt einer Frau, die neugierig vor dem Stand stehengeblieben ist. Eine „Patientin“ für die Puppen-Klinik hat sie nicht mitgebracht. Nach Innen gefallene Augen, abgebrochene Arme und Beine, ausgeleierte Gummibänder sind nach Angaben der „Ärztin“ die häufigsten Beschwerden. Kleine „Operationen“ führt sie am Stand aus, bei größeren „Eingriffen“ müssen die Puppen mit zu ihr nach Hause. „Es ist ein wunderbares Hobby“, schwärmt sie.

Das gilt wohl für alle der über 60 Aussteller, die sich am Tag der Deutschen Einheit gerne auch über die Schulter schauen lassen. Das Angebot reicht beim Material von Holz, Glas und Metall über Wolle und Kunststoff bis zu Sand.

Mit letzterem erstellt Hendrik Baumann Kunstwerke, die, ins rechte Licht gerückt, sogar leuchten. Seine einzige Zutat ist Sand in verschiedenen Körnungen und Farben. Daraus entstehen Strandbilder, die bei passendem Lichteinfall einem Sonnenuntergang über dem Meer verblüffend ähneln.

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