Gefängnisseelsorger berichtet
„Häftlinge sind mir nicht egal“

Havixbeck -

Gefängnisseelsorger Frank Ottofrickenstein berichtete im Rahmen der Gesprächsrunde „Glaub-Haft“ im Torhaus am Kirchplatz über seine Tätigkeit in den Justizvollzugsanstalten Münster und Werl.

Sonntag, 06.10.2019, 16:36 Uhr
Ruhig und mit viel Humor berichtete Gefängnisseelsorger Frank Ottofrickenstein (2.v.l.) während eines Gesprächsabends in der Reihe „Öffnungszeit“ über seinen Arbeitsalltag in den Justizvollzugsanstalten. Pastoralreferent Jens König-Upmeyer (2.v.r.) moderierte den Abend.
Ruhig und mit viel Humor berichtete Gefängnisseelsorger Frank Ottofrickenstein (2.v.l.) während eines Gesprächsabends in der Reihe „Öffnungszeit“ über seinen Arbeitsalltag in den Justizvollzugsanstalten. Pastoralreferent Jens König-Upmeyer (2.v.r.) moderierte den Abend. Foto: Kerstin Adass

Wie lassen sich Glaube und Haft vereinbaren? Diese und viele weitere Fragen beantwortete der Gefängnisseelsorger Frank Ottofrickenstein im Rahmen der Gesprächsrunde „Glaub-Haft“ im Torhaus am Kirchplatz. Mit einer kleinen Anekdote begrüßte Pastoralreferent Jens König-Upmeyer die Zuhörer. Während seines Studiums habe er einen Gottesdienst in einem Gefängnis abgehalten. „Ich fand das sehr spannend, so etwas mal zu erleben und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen“, erzählte König-Upmeyer.

Das einmalige Erlebnis des Pastoralreferenten der Katholischen Kirchengemeinde ist für Frank Ottofrickenstein mittlerweile zum Alltag geworden. Er arbeitet seit mehr als 18 Jahren hauptberuflich als Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Münster und kommt gelegentlich auch nach Werl, um dort mit Inhaftierten sprechen zu können. „Ich bin dankbar, dass ich jetzt im Gefängnis gelandet bin und möchte gar nicht mehr raus“, schwärmte der Pfarrer. „Aus meiner Arbeit natürlich“, fügte er lachend hinzu.

Da sich in der JVA Münster momentan rund 220 erwachsene Männer befinden, die vergleichsweise geringe Haftstrafen bis zu vier Jahren absitzen oder in der Untersuchungshaft auf das Ende ihres Prozesses warten, ist Ottofrickensteins Arbeit dort von ständiger Veränderung geprägt. Anders sieht es in Werl aus. „Da ist alles etwas bedächtiger. Ganz gewöhnt habe ich mich daran immer noch nicht.“ Von rund 1000 Inhaftierten blicken in der JVA Werl ungefähr 300 Männer einer lebenslangen Haftstrafe ins Auge.

Frank Ottofrickenstein ist einer von drei Gefängnisseelsorgern in Münster. Neben ihm gebe es auch einen evangelischen und einen muslimischen Seelsorger, wobei letzterer in Nordrhein-Westfalen eine Besonderheit darstelle, erläuterte Ottofrickenstein.

Ruhig und mit viel Humor berichtete er von seinem Arbeitsalltag im Gefängnis. Bei Kaffee und Keksen in seinem Büro können die Inhaftierten sich mit ihm über alle Themen unterhalten, egal, ob diese etwas mit ihrem Glauben zu tun haben oder nicht. „Es kommt auch vor, dass Menschen, die vorher noch nie etwas mit Kirche am Hut hatten, mit mir sprechen möchten.“ Auch seine kirchliche Schweigepflicht trage dazu bei, dass Gefangene schnell Vertrauen zu ihm fassen, was den Seelsorger bis heute freut. In Prozesse mische er sich aber niemals ein, das sei seine persönliche Regel, erklärte er auch.

Inhaftierte, die während ihrer Haft ihren Glauben leben möchten oder einfach Beschäftigung und Trost suchen, können auch Gruppenangebote der Seelsorger wahrnehmen. Ob Gebetsrunden, Taizégesänge oder, wie Ottofrickenstein es selbst ausdrückte, „Bastelgruppen“ für Rosenkränze: Die Kirche hat für einige auch im Gefängnis ihren Platz.

Auf die Frage nach der emotionalen Belastung, die die Arbeit als Gefängnisseelsorger mit sich bringt, antwortete Frank Ottofrickenstein: „Die Menschen sind mir nicht egal. Das hinterlässt seine Spuren.“ Die Darstellung der emotionslosen Straftäter, die viele Medien verbreiten, könne er aus eigener Erfahrung so nicht bestätigen. „Da drinnen gibt es, genau wie draußen, viele sympathische Leute.“

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