An 365 Tagen für 365 Euro
Bus- und Bahnfahren im Münsterland könnte billiger werden

Münster -

Bus- und Bahnfahren im gesamten Münsterland künftig für 365 Euro an 365 Tagen: Klingt verrückt, wird aber derzeit ernsthaft diskutiert. Doch es gibt noch einige Hürden.

Mittwoch, 09.10.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 07:09 Uhr
An 365 Tagen für 365 Euro: Bus- und Bahnfahren im Münsterland könnte billiger werden
Foto: Grafik: An-Kathrin Schriever

Verkehrspolitiker aus der Region wollen die Möglichkeiten eines münsterlandweit geltenden 365- Eu­­ro-Jahrestickets für Bus und Bahn prüfen. Das haben sie jetzt in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Schienenpersonen-Nahverkehr Münsterland (ZVM) einstimmig beschlossen. Die Initiative hierzu war von der SPD ausgegangen, die Idee dazu stammt aus Wien.

SPD-Fraktionssprecher Detlef Ommen bezeichnete die derzeitigen Fahrpreise als „generell zu hoch“, und die Fahrpreisermittlung für die Fahrgäste als „sehr unübersichtlich“. Wenn es um eine „einfacher zu verstehende Ticketstruktur“ gehe, dann sei diese Fahrkarte nach Ansicht seiner Partei das Mittel der Wahl. Und weil es sich auch finanziell um ein „fraglos attraktives“ Angebot handele, würden damit im Sinne einer Verkehrswende „entscheidend mehr Menschen“ vom Auto zum ÖPNV wechseln.

Großes Volumen an Einnahmeausfällen

Doch zuvor gilt es, mehrere Hürden zu überwinden. Da sind natürlich die zu erwartenden Einnahmeausfälle, die ein erhebliches Volumen haben dürften. Die zu stemmenden Mehrkosten, sagte der stellvertretende ZVM- Geschäftsführer Gunnar Krampe am Dienstag, sollen in einem nächsten Schritt beziffert werden. Dazu soll externe Hilfe in Anspruch genommen werden.

Eine Monatskarte für das Münsterland kostet derzeit im Abo 235 Euro, künftig würden die Verkehrsbetriebe dann nur noch 31 Euro monatlich pro Ticket einnehmen. Das wird sich nur mit einer Gegenfinanzierung aus Steuermitteln darstellen lassen. Auf der Verbandsversammlung wurde dies als „Tarifstützung mit Subventionen“ bezeichnet.

Problematisch könnte sich die jedoch auf jene Buslinien auswirken, die vom jeweiligen Verkehrsträger auf eigene Rechnung bedient werden. Dort könnte sich das 365-Euro-Ticket infolge der sinkenden Fahrgeldeinnahmen zum K.o.-Kriterium entwickeln. Entweder für den Linienbetrieb – oder das Ticket selber.

Finanzieller Ausgleich verboten? 

Denn: Möglicherweise ist der Ausgleich finanzieller Ausfälle durch die öffentliche Hand in diesem Fall durch das strenge deutsche Beihilferecht verboten. Nach Auffassung von CDU-Sprecher Volker-Jürgen Himmel war dies denn auch die allerwichtigste Frage, die es zunächst juristisch zu klären gelte. Er könne angesichts dieser „sehr, sehr komplexen Gemengelage“ nur davor warnen, sich „sehenden Auges womöglich erheblichen Repressalien auszusetzen“. Klarheit zu schaffen in diesem „rechtlichen Dschungel“ wird Aufgabe eines bereits beauftragten Gutachters sein.

Sollte die Idee fruchten und künftig mehr Menschen dank des Super-Spar-Tarifs Busse und Bahnen nutzen, wird es aus Sicht des ZVM auf ei­nem anderen Feld zu massiven Problemen kommen. Fakt ist nämlich, dass schon jetzt vor allem Bahnverbindungen in Stoßzeiten an die Grenzen der Belastbarkeit angekommen sind. Um noch mehr Menschen befördern zu können, „müsste massiv in die Infrastruktur investiert werden“, sagte Gunnar Krampe. Hieße: Streckenausbau und Elektrifizierungen: „Das sind fast noch größere Herausforderungen als die Neugestaltung der Tarifstruktur.“

Anstehende Streckensperrungen

Bahnreisende müssen sich zwischen dem Ruhrgebiet, Münster und Osnabrück wegen Bauarbeiten auf Beeinträchtigungen einstellen. Die Bahn will vom 14. Oktober bis zum 14. Dezember Signalfundamente setzen, Signale aufstellen, Kabel verlegen und Tiefbauarbeiten vornehmen. Entlang der Strecke werden zudem auf mehr als zehn Kilometern Oberleitungen, Gleise und Weichen erneuert. Die Fernverkehrszüge werden den Angaben zufolge nördlich von Münster über Rheine und aus Richtung Ruhrgebiet über Hamm und Hannover umgeleitet. Fahrplanänderungen sind bereits in der elektronischen Fahrplanauskunft berücksichtigt.

Im Nahverkehr sind Züge der Linie RB 66 betroffen. Hier werden in dem Zeitraum jeweils Teilabschnitte zwischen Osnabrück, Lengerich, Kattenvenne und Münster von Bussen bedient. Auch auf der Strecke Münster-Dortmund (RB 50) wird es in den Herbstferien (14. bis 20. Oktober) im Abschnitt Werne-Dortmund zu ei­ner Sperrung  kommen. Vom 6. Januar wird der Streckenabschnitt zwischen Davensberg und Lünen für sieben Monate wegen Arbeiten am Bahndamm gesperrt. Die RB 50 fährt dann nur zwischen Münster und Davensberg sowie zwischen Lünen und Dortmund.

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