Der Beutel fürs Hundegeschäft
Öko-Alternativen taugen nicht

Lengerich -

Der Inhalt der Tüten ist biologisch abbaubar, das Behältnis leider nicht. Dabei gibt‘s die für Benutzer für lau, an zehn Stellen in der Stadt. Die Herrchen und Frauchen sollen die Beutel für die Entfernung der Hinterlassenschaften ihrer Hunde nutzen. Dumm nur, dass die Hundekotbeutel (so die offizielle Bezeichnung) aus Kunststoff sind. Die „Tretmine“ einsammeln und zu Hause auf dem Kompost oder in der Bio-Tonne entsorgen – das geht nicht.

Samstag, 12.10.2019, 06:20 Uhr aktualisiert: 12.10.2019, 13:54 Uhr
In der Stadt wird´s wohl bei den Kunststoff-Hundekotbeuteln bleiben, die in Spendern angeboten werden. Drei Piktogramme erläutern die richtige Verwendung.
In der Stadt wird´s wohl bei den Kunststoff-Hundekotbeuteln bleiben, die in Spendern angeboten werden. Drei Piktogramme erläutern die richtige Verwendung. Foto: Michael Baar

Ob es ökologische Alternativen gibt, hat Sandra Kätker von der Verwaltung wissen wollen. Die Ratsfrau von Bündnis 90/Die Grünen hat diese Frage im Juli gestellt – und jetzt eine sehr ausführliche Antwort erhalten.

Erste Nachricht: Der aktuelle Lieferant der schwarzen Plastiktüten hat keine Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen im Programm.

Zweite Nachricht: Bei den in den Spendern vorrätigen Beuteln beträgt der Anteil an Recyclingkunststoffen nach Angaben des Lieferanten über 50 Prozent.

Dritte Nachricht: Würden nachwachsende Rohstoffe eingesetzt, würde die Reißfestigkeit der Hundekotbeutel darunter leiden – igitt!

Und wie ist es mit anderen „biologischen“ Produkten, beispielsweise aus Pappe/Papier oder Folien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr, Mais- oder Kartoffelstärke? Die Stadtverwaltung bleibt die Antwort nicht schuldig: Tüten aus Pappe oder Papier kosten je nach Ausführung und Qualität 25 bis 30 Cent das Stück. Die jetzt bereitgestellten Kunststoff-Hundekotbeutel schlagen mit 1,2 Cent je Stück zu Buche.

Alternativen passen nicht in die Spender

Selbst wenn es an diesem Preisunterschied nicht scheitern sollte: Die Pappe- oder Papiertüten passen nicht in die vorhandenen Beutelspender. Der Ersatz dafür wäre ebenfalls aus Pappe oder Papier gefertigt. Gravierender Nachteil – und da hat die Verwaltung bis zum Ende gedacht: Das Aufnehmen von weichem Tierkot mit Verpackungen, die durchweichen können, würde die Akzeptanz, diese Beutel zu nutzen, herabsetzen.

Bleibt die Fraktion der aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Tüten. Die gute Nachricht: Sie sind mit 2,5 bis drei Cent nicht viel teurer als die jetzt genutzten Beutel. Manko: Auch diese Öko-Tüten passen nicht in die vorhandenen Beutelspender. Die müssten umgerüstet werden, was zwischen 280 und 300 Euro je Behälter kostet.

Befürchtungen aus der Verwaltung

Kritisch sieht die Verwaltung zudem einen weiteren Aspekt der Sammeltüten aus „Biokunststoff“: Es ist zu befürchten, „dass bei Nutzern von Hundekotbeuteln noch eher die Bereitschaft steigt, diese in der Natur abzulegen“. Was natürlich nicht erlaubt ist, öffentliche Flächen noch mehr verunreinigen und einen erhöhten Aufwand für das Einsammeln der Kotbeutel nach sich ziehen würde.

Nun gibt es in der Stadt ja auch noch Unternehmen, die in Sachen Kunststoff ganz viel Wissen haben. Ob man die nicht mal fragen könnte, hatte Christdemokrat Walter Schallenberg ebenfalls in der Juli-Sitzung angeregt. An dieses Thema ist die Verwaltung pragmatisch herangegangen. Rund 1500 Euro kostet die Stadt das Bereitstellen der Hundekotbeutel im Jahr. Das entspreche lediglich „circa 0,003 Promille des Umsatzes eines lokalen Verpackungs- und Folienherstellers“. Deshalb sei erst gar nicht Kontakt aufgenommen worden. „Aus Kapazitätsgrünen“, heißt es in der schriftlichen Antwort der Stadt. Ob sich das auf die Firma oder die Verwaltung bezieht, bleibt Interpretationssache des Lesers.

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