Neuenkirchener verhaftet
Sohn soll Mutter aus Habgier in einem Brunnen ertränkt haben

Münster / Neuenkirchen -

Nach dem Fund einer Leiche in einem Brunnenschacht im Kreis Steinfurt Ende Juni ist jetzt der 55-jährige Sohn der Toten festgenommen worden. Er soll seine Mutter wegen Erbstreitigkeiten getötet haben.

Dienstag, 15.10.2019, 08:32 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 09:41 Uhr
Neuenkirchener verhaftet: Sohn soll Mutter aus Habgier in einem Brunnen ertränkt haben
In einem Brunnenschacht in Neuenkirchen im nördlichen Münsterland ist am 26. Juni eine Frauenleiche entdeckt worden. Foto: Nord-West-Media TV/dpa

In einem Brunnenschacht auf dem Gelände der Familiengärtnerei in Neuenkirchen soll der Verdächtige seine 79 Jahre alte Mutter aus Habgier ertränkt haben. Wie die Staatsanwaltschaft Münster, die Kreispolizeibehörde Steinfurt und das Polizeipräsidium Münster in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag mitteilten, wurde der 55-Jährige in der Nacht zu Dienstag kurz nach Mitternacht festgenommen. 

Zuvor hatte das Amtsgericht Münster auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts erlassen: „Dem Mann aus Neuenkirchen wird zur Last gelegt, in den späten Abendstunden des 25. Juni seine Mutter an einem Gurt und einer im Brunnen stehenden Leiter herabgelassen und in dem zwei Meter tiefen Wasser des Brunnens ertrinken lassen zu haben", erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt.

Erst angegriffen, dann in Brunnen herabgelassen

Den Tod durch Ertrinken habe bereits die am 27. Juni im Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Münster durchgeführte Obduktion der Verstorbenen ergeben, bereits damals geriet der Sohn ins Visier der Ermittler, musste mangels eines dringenden Tatverdachts aber wieder aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Denn die Obduktion erbrachte keinen eindeutigen Hinweis auf ein Fremdverschulden .

„Die am Kopf der Leiche festgestellten Hämatome dürften nach den umfangreichen Spurensicherungen und -auswertungen der Mordkommission der 79-Jährigen außerhalb des Brunnens zugefügt worden sein", erklärte der Oberstaatsanwalt die neue Bewertung des Falls. „Anschließend soll der Tatverdächtige seine, durch den Angriff vermutlich wehrlose Mutter in den Brunnen verbracht und dort getötet haben."

Erbstreit als Motiv

Hintergründe der Tat dürften nach den Erkenntnissen der Polizei in einem Erbstreit begründet sein. „Als die 79-Jährige plante, Großteile ihres Grundbesitzes zu veräußern, sah der 55-Jährige möglicherweise sein Erbe und seine Pläne, das Anwesen geschäftlich für eigene Zwecke zu nutzen, in Gefahr", resümierte der Leiter der Mordkommission, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll, das mögliche Mordmotiv. „Durch den plötzlichen Tod seiner Mutter soll er versucht haben, seine finanzielle Situation zu retten."

Nach seiner Festnahme äußerte sich der 55-Jährige nicht zu den Vorwürfen. Er wird noch am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt.

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