Landgericht Münster
Tragischer Unfall eines 14-Jährigen: Aufsichtspflicht im Fokus

Nottuln/Münster -

Am 25. November 2016 ist ein 14-jähriger Bewohner des Alexianer Martinistifts bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Auf Betreiben der Eltern des getöteten Jungen beschäftigt sich nun das Landgericht mit dem Vorfall.

Mittwoch, 16.10.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2019, 20:31 Uhr
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(Symbolbild)  Foto: dpa

Ein tragischer Unfall, bei dem ein 14-jähriger Schüler und Bewohner der Jugendhilfe-Einrichtung Alexianer Martinistift in Appelhülsen am 25. November 2016 ums Leben kam, wird im Wege eines Berufungsverfahrens nun vor dem Landgericht in Münster verhandelt.

Die damals anwesende Lehrerin war im erstinstanzlichen Verfahren vom Amtsgericht Münster vom Vorwurf einer Aufsichtspflichtverletzung freigesprochen worden. Dagegen legten die Eltern des getöteten Jungen als Nebenkläger das Rechtsmittel ein.

Protokolle der polizeilichen Vernehmung verlesen

Wie berichtet, hatte sich der 14-jährige in einer Unterrichtspause gemeinsam mit einem gleichaltrigen Mitschüler seitlich an die Führerkabine eines Radladers gehängt, mit dem der damals 17-jährige Auszubildende der betriebseigenen Gärtnerei Runden auf dem Innenhof drehte.

In einer Kurve kippte jedoch das Fahrzeug um und stürzte auf den Jungen, welcher an den Folgen seiner schweren inneren Verletzungen verstarb.

Der Gärtner-Azubi war im Juli 2018 vom Amtsgericht Münster zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden.

Um nun die Verantwortlichkeit der Lehrerin und insbesondere die Frage zu klären, ob diese den Jungen das Mitfahren auf dem Radlader erlaubt hatte, wurden am Mittwoch im Revisionsverfahren am Landgericht die Protokolle der polizeilichen Vernehmung sowie der erstinstanzlichen Aussage eines damals ebenfalls anwesenden Schülers – mittlerweile in Hessen lebend und daher nicht persönlich anwesend – verlesen.

Urteil für Ende Oktober erwartet

Dabei ergab sich eine Abweichung zwischen der Aussage bei der Polizei und der Aussage vor dem Amtsgericht. Bei ersterer hatte der Zeuge erklärt, dass die Lehrerin das Mitfahren erst verboten und nach nochmaliger Frage dann mit der Maßgabe erlaubt habe, nicht zu schnell zu fahren. Vor dem Amtsgericht hatte der heute 16-Jährige dann ausgesagt, dass er nicht gehört habe, dass überhaupt eine Erlaubnis gegeben worden sei.

Insgesamt handelte es sich am Mittwoch um einen kurzen Termin, da die Angeklagte sich einer Bandscheiben-Operation unterziehen musste und nach ihrer Entlassung am Montag weiterhin unter Schmerzen leidet. Die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und der Verteidigung sind für den 31. Oktober (Donnerstag) geplant. Dann wird auch das Urteil erwartet.

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