Hantavirus breitet sich aus
Starker Anstieg der Mäusepopulation im Münsterland

Münster -

Im Münsterland häufen sich in diesem Jahr die Erkrankungen durch Hantaviren. Ursache: Eine massenhafte Vermehrung der Rötelmäuse, die der häufigste Überträger des Virus sind.

Sonntag, 20.10.2019, 19:00 Uhr
Rötelmäuse wie diese übertragen das Hantavirus.
Rötelmäuse wie diese übertragen das Hantavirus. Foto: Lehtikuva Kimmo Taskinen

„2019 ist ein Hantavirus-Ausbruchsjahr“, warnt Christian Imholt vom Julius-Kühn-Institut in Münster. Das Robert-Koch-Institut meldete bis Mitte September bereits 83 Infektionen im Münsterland. „Man kann hier wohl für das ganze Jahr mit weit über 100 Fällen rechnen“, meint Imholt. Die gute Nachricht: „Es gibt keinen Todesfall.“ Münsterland ist traditionell ein Schwerpunkt des Hantavirus.

Auch deutschlandweit verzeichnet das Robert-Koch-Institut in diesem Jahr einen Anstieg der Infektionen. Insgesamt gab es bis Mitte September in Deutschland 1221 gemeldete Fälle. Zum Vergleich: 2018 waren es nur 235. Außer im Münsterland und im Raum Osnabrück tritt das Virus derzeit hauptsächlich in Bayern (2019: 240 Fälle) und Baden-Württemberg (2019: 593 Fälle) auf, meldete jetzt die Ärzte­zeitung.

Anstecken beim Aufräumen

Starke Schwankungen von Jahr zu Jahr sind dabei beim Hantavirus üblich. „Wenn es viel Nahrung für die Rötelmäuse gibt, steigen die Bestände und damit auch die Infektionsrate“, erläutert Imholt. Aufgrund der hohen Temperaturen hätten die Buchen im vergangenen Jahr besonders viele Eckern getragen. Und diese seien das Lieblingsnahrungsmittel der Mäuse. Folge: Sie überstanden den ohnehin milden Winter gut, und es gab eine frühe Fortpflanzungsphase in diesem Frühjahr – mit entsprechend viel Mäuse-Nachwuchs.

In Deutschland gilt das Einatmen von zu Staub zerfallenem Kot der Rötelmäuse als Haupt-Infektionsquelle für das Hantavirus. Aber auch mit deren Speichel oder Urin wird das Virus ausgeschieden, informiert das Robert-Koch-Institut. Anstecken kann man sich etwa beim Aufräumen oder Fegen von Garagen oder Schuppen. Zu Berufsgruppen mit einem gewissen Risiko zählten etwa Förster, Jäger und Bauarbeiter.

Grippeähnlichen Symptome

Hierzulande rufen Infektionen mit dem Hantavirus meist Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen hervor: hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, zudem Übelkeit oder Erbrechen. Auch die Nieren können beeinträchtigt werden – bis hin zu akutem Nierenversagen, informiert das Robert-Koch-Institut. Nur die Symptome können behandelt werden, eine Impfung gibt es nicht. In anderen Regionen vorkommende Typen des Virus können schwere Erkrankungen auslösen.

Das warme Klima könnte übrigens schon bald auch dafür sorgen, dass den Mäusen vielerorts ihr wichtigstes Nahrungsmittel, die Bucheckern, ausgeht: „Immer mehr Buchen sterben ab und werden ein Opfer der Trockenheit“, meint Imholt.

Vorbeugung

Der wirksamste Schutz vor Hantavirus-Infektionen besteht im Vermeiden von Kontakten mit den Ausscheidungen von Rötel- und Brandmäusen, informiert das Robert-Koch-Institut. 

► Im Um­feld menschlicher Wohnbereiche (insbesondere Keller, Dachböden, Schuppen etc.) sollten Nagetiere intensiv bekämpft werden. 

► Wichtig ist vor allem die sichere Aufbewahrung von Lebensmitteln, damit Nagetiere sich nicht im Umfeld von Häusern oder Woh­nun­gen aufhalten. 

► Beim Umgang mit toten Nagetieren oder dem Aufenthalt in von Mäusen verunreinigten Räumen sollen bestimmte Schutzmaßnahmen ein­ge­hal­ten werden: So kann eine Staubentwicklung in kontaminierten Berei­chen durch Befeuchten vermieden werden. 

► Bei zu erwartender Staubentwicklung sollten Atemschutzmasken und Handschuhe getragen werden. Mäusekadaver und Exkremente sollten vor der Entsorgung mit Desinfektionsmittel benetzt werden.

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