Schulung auch als Selbstschutz
Einsätze mit Elektroautos stellen Feuerwehr vor besondere Herausforderungen

Lüdinghausen -

Wird die Freiwillige Feuerwehr zu Unfällen oder anderen Einsätzen mit Elektrofahrzeugen gerufen, ist ganz besondere Vorsicht geboten. Durch den Strom sind die Rettungskräfte besonderen Gefahren ausgesetzt. Deshalb stehen dazu besondere Schulungen auf dem Dienstplan.

Dienstag, 22.10.2019, 08:00 Uhr
Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, ob es sich – wie bei diesem Unfall auf der B 235 im Januar dieses Jahres – um ein Elektrofahrzeug handelt. Deshalb sei es wichtig, so der stellvertretende Wehrführer Klaus Hesselmann, die Erkennungsmerkmale zu schulen.
Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, ob es sich – wie bei diesem Unfall auf der B 235 im Januar dieses Jahres – um ein Elektrofahrzeug handelt. Deshalb sei es wichtig, so der stellvertretende Wehrführer Klaus Hesselmann, die Erkennungsmerkmale zu schulen. Foto: Anne Eckrodt

Die Zahl der Elektrofahrzeuge auf den Straßen steigt – und damit der Schulungsbedarf der Freiwilligen Feuerwehr. Denn Unfälle oder andere Einsätze, in die Elektroautos verwickelt sind, stellen eine ganz besondere technische Herausforderung für die Rettungskräfte da.

„Die Batterien dieser Fahrzeuge bereiten sich thermisch derart auf, dass das bis zu 1200 Grad gehen kann“, weiß Klaus Hesselmann, stellvertretender Leiter der Lüdinghauser Wehr. „Um das runterzukühlen, braucht es viel Geduld und Wasser. Bis zu 15 .000 Liter gehen bei einer derartigen, schnell mal 30 bis 40 Minuten dauernden Aktion durch.“ Wobei das Löschen noch das Einfachste bei der ganzen Geschichte sei, bemerkt der Brandschutzfachmann.

Da hilft nur ein Blick in die Rettungskarten.

Klaus Hesselmann

Wesentlich komplizierter und auch gefährlicher wird es, wenn die Feuerwehrleute Menschen aus Elektrofahrzeugen befreien müssen. „Bei der technischen Rettung ist es ganz wichtig, nicht einfach drauflos zu schneiden“, betont Hesselmann. Zu groß sei die Gefahr für die Rettungskräfte, sich aufgrund des Stroms selbst zu verletzen. Jedes Elektroauto hat einen Serviceschalter, mit dem sich die Batterie vom übrigen Netz trennen lässt.

Allerdings sind diese Schalter je nach Fahrzeugtyp an verschiedenen Stellen angebracht. „Da hilft nur ein Blick in die Rettungskarten“, sagt Hesselmann. Zugriff auf diese Karten, die die Hersteller auch für Autos mit Verbrennungsmotoren anbieten, hat die Feuerwehr via Tablet in ihren Einsatzfahrzeugen. „Und wenn wir vor Ort nicht weiterkommen, hilft die Leitstelle“, so der stellvertretende Wehrführer.

Parallelen zu Photovoltaikanlagen

Apropos Leitstelle: Von dort gibt es auch die Information, ob es sich bei einem Unfallwagen um ein Elektroauto handelt – dafür reicht die Nennung des Kennzeichens. „Nicht immer ist das nämlich auf den ersten Blick – beispielsweise durch ein E auf dem Nummernschild – ersichtlich. Für uns ist diese Information jedoch ganz wichtig für das weitere Vorgehen“, macht Hesselmann deutlich. Das Erkennen eines E-Fahrzeugs gehört daher zum festen Schulungsprogramm der Feuerwehr. „Der Wunsch der Kameraden, gerade in diesem Bereich auf dem Laufenden zu bleiben, ist groß. Das hat auch etwas mit Selbstschutz zu tun“, so Hesselmann.

Er sieht dabei durchaus Parallelen zu der Zeit, als die ersten Photovoltaikanlagen auf Hausdächern installiert wurden. Damals standen bei der Freiwilligen Feuerwehr auch dazu entsprechende Schulungen auf dem Dienstplan, damit sich niemand selbst in Gefahr bringt. Inzwischen sind derartige Einsätze Routine, sagt Hesselmann. „Und so wird es bald auch mit Elektrofahrzeugen sein“, ist der stellvertretende Wehrführer überzeugt.

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