National Express startet Testlauf
RRX auf Jungfernfahrt in Ahlen

Ahlen -

Der rote Teppich fehlt am Montag, als der schnieke Rhein-Ruhr-Express im distinguierten Weiß-Grau zum ersten Mal als RE 6 in Ahlen hält. Dabei hätte er sich schon deshalb eine besondere Begrüßung verdient, ist er doch auf die Minute pünktlich.

Dienstag, 22.10.2019, 06:00 Uhr
In Ahlen kamen die Fahrgäste des RE 6 um 12.33 Uhr in den Genuss, in den RRX-Doppeltraktion einsteigen zu können.
In Ahlen kamen die Fahrgäste des RE 6 um 12.33 Uhr in den Genuss, in den RRX-Doppeltraktion einsteigen zu können. Foto: Ulrich Gösmann

Den Reisenden, die um 12.33 Uhr in den RRX einsteigen, ist nicht bewusst, dass sie an einer Jungfernfahrt teilnehmen. Denn das Verkehrsunternehmen National Express, das zusammen mit Abellio den Zuschlag für den RRX-Betrieb bekommen hat, startet mit Beginn der 43. Kalenderwoche den Probebetrieb auf der Strecke des RE 6 von Minden nach Köln.

„Es geht darum, Erfahrungen im Regelbetrieb zu sammeln“, erklärt Sebastian Fuit-Bosch. Natürlich habe man bereits Probefahrten ohne Fahrgäste auf der Strecke absolviert, führt der Leiter Mobilisierung bei dem deutschen Ableger des britischer Unternehmens weiter aus. Aber der Normalbetrieb stelle immer noch andere Herausforderungen an den Zugführer. Für die Zugbegleitung ist bis Ende des Sommerfahrplans noch die DB zuständig, denn erst zum 15. Dezember nimmt der RRX offiziell seinen Betrieb auf der Linie Köln – Minden auf.

RRX verfügt über 800 Sitzplätze

Von den Reisenden bekommt der moderne Triebwagen in Doppeltraktion auf der Fahrt von Ahlen nach Köln durchweg gute Noten. Zum Beispiel von einem jungen Bielefelder, der auf dem Weg zu seinem Studienort Köln ist. „Überall WLAN im Zug“, meint er anerkennend. Und die junge Dame gegenüber ist vor allem von den unterhalb der Sitze angebrachten Steckdosen angetan. „Dann kann ich mein Handy auch während der Fahrt aufladen“, freut sie sich. Gute Noten erhält von ihr auch die Sauberkeit.

RRX auf Testfahrt

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  • Foto: Ulrich Gösmann
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  • Foto: Dierk Hartleb
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Bedenken wegen der Kapazitäten äußert die Frau in der Sitzreihe dahinter. Sie ist auch in Bielefeld zugestiegen, wo sie ihre Eltern besucht hat, und fährt zurück nach Duisburg. „Ich bin auf dieser Strecke in der Zeit meines Studiums viermal in der Woche gependelt“, berichtet sie, und sie habe den Regionalexpress mehr als nur einmal „knallvoll“ erlebt. „Ohne Doppelstockwagen geht‘s nicht“, wendet sie ein, lässt sich aber mit dem Hinweis beruhigen, dass der RRX aus jeweils ein- und zweistöckigen Wagen besteht und über 800 Sitzplätze verfügt. Sie hat, ohne es zu bemerken, einen Einstöcker erwischt.

Machen wir bislang nur in den größeren Bahnhöfen.

Cansu Erdogan

Aber zwei Kritikpunkte hat sie doch noch. Zum einen gibt es keine Abfallbehälter mehr im Nahbereich der Sitzgruppen. Zum anderen habe sie es anderweitig erlebt, dass die Durchsagen mindestens auch auf Englisch erfolgen. „Machen wir bislang nur in den größeren Bahnhöfen“, erläutert Pressesprecherin Cansu Erdogan. Sinnvoll, so die Wahlduisburgerin, sei doch, wenn die Durchsagen in den gängigsten Sprachen erfolgten.

Für den Winterbetrieb gut gerüstet

Und das seien neben Englisch zumindest Türkisch und Russisch, nicht Französisch oder Spanisch. Auch ihr Freund sei Ausländer und wäre dankbar für eine Ansage auf Englisch. Das hätten die Verkehrsverbände als Träger nicht bestellt, erwidert Cansu Erdogan, aber das Unternehmen habe dieses Manko erkannt und wolle nachbessern.

Für den Winterbetrieb fühlt sich National Express gut gerüstet. Natürlich könnten bei Eis und Schnee die ausfahrbaren Trittstufen, die einen barrierefreien Einstieg ermöglichen, haken. Aber ansonsten fährt es sich in den modernen Triebwagen angenehm leise. Ab nächster Woche setzt National Express noch einen zweiten Zug für den Test ein.

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