Münsterland
Wilde, wolkige Wahlverwandtschaft

Tecklenburg -

In Tecklenburg treffen wieder Künstler unterschiedlicher Epochen aufeinander. Diesmal Otto Modersohn und Arnulf Rainer. Eine spannende Begegnung im Otto-Modersohn-Museum.

Donnerstag, 07.11.2019, 19:00 Uhr
„Da ist ein weißes Huhn“
„Da ist ein weißes Huhn“ Foto: Johannes Loy

Otto Modersohn (1865-1963), der geniale Landschaftsmaler mit westfälischen Wurzeln in Soest, Münster und Tecklenburg, ist in dem nach ihm benannten und 2015 eröffneten Museum am Tecklenburger Markt schon für sich ein wunderbarer Anziehungspunkt. Geschickt verstehen es Geschäftsführerin Uta Jenschke und Kurator Prof. Dr. Erich Franz, den künstlerischen Kreis um Modersohn und damit auch den Kreis des kunstinteressierten Publikums stetig zu erweitern. Das geschieht in der neuen Ausstellung, die am Freitag um 19 Uhr eröffnet wird, durch eine Gegenüberstellung Modersohns mit dem modernen Künstler Arnulf Rainer, der in Kürze 90 Jahre alt wird.

„Dunkle Romantik“, so heißt die Überschrift über dieser Künstler-Begegnung, die 22 Modersohn-Gemälde und drei Werke Arnulf Rainers in einen spannenden Kontrast stellt und nach Dialogen Modersohns mit Gerhard Richter und den Malern von Barbizon einen weiteren aufschlussreichen Bogen spannt. „Ein junger Wilder“ war Modersohn nach Auskunft von Kurator Erich Franz in den Jahre 1890 bis 1892. Da war der gebürtige Soester gerade 25 Jahre alt und hatte erstmals Worpswede mit seiner moorigen Landschaft und den „jagenden Wolken“ erlebt.

Plötzlich wendet sich, wie die Ausstellung sinnfällig zeigt, Modersohn von der naturalistisch-romantischen Sichtweise der Landschaft eher abstrakten Formen und Farbflächen zu. Reduziert, mit wildem Pinselstrich, der den Prozess des Malens sichtbar macht, bannt er Boden, Bäume und den Himmel auf den Bildgrund. Farblich und ideenreich inspiriert hat ihn dazu nicht zuletzt der Schweizer Maler Arnold Böcklin, der in jener Zeit zu den angesagtesten Künstlern Europas zählt und ebenfalls – so mit der bekannten und in einigen Varianten vorliegenden „Toteninsel“ – Landschaften malt, die einer „düsteren Romantik“ ziemlich nahe kommen.

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Der Vergleich zwischen den ausgestellten Bildern von Otto Modersohn stellt eine „Malverwandtschaft“ in den Blick. Im Nebeneinander wird die erstaunliche Fähigkeit beider Künstler deutlich, mit unmittelbar malerischen Mitteln, mit Farbe und Farbauftrag, den Betrachter innerlich zu bewegen.

Ausstellung bis 29. März 2020, Fr 14.30-18 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr, feiertags geöffnet außer 24.,25. und 31.12., Neujahr 14.30-18 Uhr www.ommt.de  

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Angesichts von Bildern mit Titeln wie „Die Wolke“ oder „Dünenlandschaft mit Mond“, die bewegte und geradezu wilde Farbflächen mit Gewirr und Gewölk präsentieren, ist der Weg eigentlich gar nicht weit zu abstrakten Kompositionen von Arnulf Rainer, die, wie das gekratzte, in graubraunen Tönen gestaltete Bild „Holzwege“ oder das mit Fingern gemalte finstere Opus „Äste“, rund 100 Jahre später entstanden.

Die „wilde Phase“, von der Kurator Erich Franz spricht, dauerte bei Otto Modersohn nicht lange. Im dritten Raum der wie immer lehrreichen Schau in Tecklenburg kann der Besucher beobachten, wie der junge Meister schon 1892 wieder zu mehr gegenständlich-naturalistischer Betrachtungs- und Malweise der Natur zurückkehrt, mit blühenden Bäumen, malerischen Hügeln und zerfurchten Bodenstrukturen.

Unter dem Dach des Museums kann der Besucher anhand von Schautafeln in die Biografien und Arbeitsweisen der beiden hier präsentierten Maler sowie ihrer „Ideengeber“ eintauchen.

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