See im Zwillbrocker Venn ausgetrocknet
Flamingos sitzen auf dem Trockenen

Vreden -

Da, wo seit fast 40 Jahren die Flamingos durch das Zwillbrocker Venn waten, ist es knochentrocken. Der See, in dem sie mit ihrem Schnabel winzige Lebewesen aus dem Wasser „seihen“, wie die Fachleute sagen, ist verschwunden. Man müsste einen guten Meter tief graben, um dort auf Wasser zu stoßen. Aus dem Boden ragen alte Baumwurzeln, ein leichter Flaum von Sumpf-Ampfer macht sich dort breit.

Samstag, 09.11.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 09.11.2019, 17:28 Uhr
Dietmar Ikemeyer
Dietmar Ikemeyer Foto: Wilfried Gerharz

Dietmar Ikemeyer, Geschäftsführer der Biologischen Station Zwillbrock, ist besorgt. Der See ist die einzige Futterquelle für die Rosa Flamingos, die Zwillbrock so berühmt gemacht haben. Und er hat es dem Fuchs bislang schwer gemacht, die Eier der Flamingos zu stehlen, die sie dort auf einer Insel legen und ausbrüten. Jetzt hat er leichtes Spiel und im vergangenen Sommer Eier gestohlen. Daraufhin haben die Flamingos keinen Nachwuchs mehr aufgezogen. „Wenn denen zwei, drei Eier gestohlen werden sind, geben die sofort auf“, sagt Ikemeyer. Es könnte also sein, dass sich nach dem See auch die Flamingos aus Zwillbrock zurückziehen.

Im Auftrag der Biologischen Station haben Bulldozer einen zehn Meter breiten und rund 700 Meter langen Graben um die Insel gezogen. Der soll sicherstellen, dass keine Fressfeinde der Flamingos mehr auf die Insel kommen können.

Warum der See verschwunden ist

Grund für das fehlende Wasser sind vor allem die vergangenen beiden Sommer. Durch die Trockenheit und die Hitze ist das Grundwasser um rund zwei Meter abgesackt, erklärt Ikemeyer. Zusätzlich ist die Region von Vorflutern und Drainagen durchzogen, die das Wasser schnell ableiten. Das schafft ideale Lebensbedingungen für den Sumpf-Ampfer oder den Zweizahn, „Pionierpflanzen“ also, die den Boden besetzen wollen. „Das sah hier aus wie auf einem Senf-Feld“, sagt Ikemeyer. Vor kurzem sind die Pflanzen, so gut es geht, entfernt worden. Sollte das Wasser zurückkehren, würden die Pflanzen darin verfaulen und die Qualität des Wassers zerstören. Das will die Biologische Station auf jeden Fall verhindern.

Nach Ikemeyers Willen sollen bald Bulldozer kommen, die so viel Erde wegschieben, bis das Wasser wieder zum Vorschein kommt. Es wäre nicht das erste Mal. In den 50er und 70er Jahren – also lange vor den Flamingos – war der See schon einmal ausgetrocknet. Vor 50 Jahren wurde die Erde zur Seite geschoben, heute noch erkennbar an den sanft hügeligen Rändern des ehemaligen Sees. Damals hatten dort viele tote Möwen im Wasser gelegen, die möglicherweise durch den umgekippten See krank geworden waren. Ikemeyer vermutet, dass dabei gleich der See wiederhergestellt wurde.

Vorhaben wird geprüft

Der Kreis Borken steht dem Abräumen des Bodens nach Aussage seines Sprechers Karlheinz Gördes „sehr aufgeschlossen gegenüber“. Gleichzeitig weist er auf den sensiblen Naturraum hin, in dem man „nicht einfach mit dem Bagger losfahren“ könne. Deswegen prüfe der Kreis, ob die Arbeiten mit den Wasser- und Naturschutzregeln vereinbar sind. Möglicherweise müssten auch die Träger öffentlicher Belange ins Boot geholt werden. Ob und wann der Boden tatsächlich abgetragen wird, sei noch nicht absehbar. Ob die Flamingos so lange warten, auch nicht.

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