Verfahren eingestellt
Lehrerin der Heinrich-Neuy-Schule vor dem Jugendschöffengericht

Rheine/Borghorst -

Das Verfahren beim Jugendschöffengericht in Rheine gegen eine Lehrerin der Heinrich-Neuy-Schule ist ohne Auflage mit Erstattung der Verteidigungskosten eingestellt worden. Die zur Tatzeit 61-jährige Lehrerin war wegen 19 Körperverletzungen an Schülern angeklagt. Nach der Einstellung wehte ein Hauch RTL-Gerichtsshow durch den großen Gerichtssaal am Amtsgericht Rheine, als die Mutter der Nebenklägerin die Einstellung laut anprangerte.

Montag, 11.11.2019, 16:48 Uhr aktualisiert: 11.11.2019, 17:47 Uhr
Verfahren eingestellt: Lehrerin der Heinrich-Neuy-Schule vor dem Jugendschöffengericht
(Symbolbild) Foto: dpa

Das Verfahren beim Jugendschöffengericht in Rheine gegen eine Lehrerin der Heinrich-Neuy-Schule ist am Montag ohne Auflage mit Erstattung der Verteidigungskosten eingestellt worden. Die zur Tatzeit 61-jährige Lehrerin war wegen 19 Körperverletzungen an Schülern der zweiten Schulklasse der Grundschule angeklagt. Sie ist seit dem 7. Oktober 2018 vom Schuldienst suspendiert.

Drei Tage wurde bei Gericht verhandelt, viele Kinder und ihre Eltern als Zeugen gehört, zudem auch die stellvertretende Schulleiterin sowie Vernehmungsbeamte.

Schüler erlitten keine Schmerzen

Nach Beratung mit den Schöffen erklärte der Richter: „Ein einziger Zeuge (Schulkind) hat heute nachvollziehbar geschildert, was geschehen ist. Bei der Anhörung der Zeugen stellte sich heraus, dass der Unterrichtsstil aus Sicht der Eltern in erster Linie geprägt war von lautem Anschreien der Schüler und auf den Tisch hauen. Die angeklagten Körperverletzungen konnten nicht konkretisiert werden. Der letzte Schüler gab zwar an, angefasst worden zu sein, aber keine Schmerzen erlitten zu haben. Aber genau darum ging es. Angeklagt waren Körperverletzungen an Kindern, die nicht urteilssicher nachgewiesen werden konnten. Deswegen könnten wir uns eine Einstellung vorstellen.“

Der Schüler, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört wurde, war der, dem die Lehrerin ins Gesicht gefasst und ihn zur Tafel gedreht haben soll, was die Angeklagte auch vor Gericht einräumte und bedauerte. Über Schmerzen hätte der Junge in seiner Aussage aber nicht geklagt.

Ein Hauch RTL-Gerichtsshow

Der Staatsanwalt stimmte der Einstellung zu und sagte: „Ich sehe es genauso wie das Gericht. Teilweise machten die Zeugen nur sehr vage Angaben, oder es kam nichts. Es bleibt die Vermutung, dass die Kinder ihren Eltern mit ihren Aussagen einen Gefallen erweisen wollten.“ Der Anwalt der Nebenklage eines Schulkindes schloss sich der Einstellung an.

Diese Sicht teilte auch der Verteidiger der Lehrerin. „Wir stimmen der Einstellung zu, um den Kindern eine zweite Instanz zu ersparen. Der Verfolgungseifer der Eltern hat bei den Kindern eine Erwartungshaltung geschürt. Mit der Angeklagten wurde eine Schuldige gefunden, die verantwortlich für alle körperlichen und seelischen Belange sein soll. Meine Mandantin traut sich an ihrem Heimatort kaum noch auf die Straße, weil sie von allen Seiten darauf angesprochen wird. Sie ist eine Lehrerin mit einem Unterrichtsstil, der vor ein paar Jahrzehnten noch ganz normal an Schulen war.“

Nach der Einstellung wehte ein Hauch RTL-Gerichtsshow durch den großen Gerichtssaal am Amtsgericht Rheine, als die Mutter der Nebenklägerin die Einstellung laut anprangerte: „Ich glaube, es hakt hier, unsere Kinder wurden verletzt, das Gericht macht sich lächerlich“. Im Anschluss knallte sie die Türe zu und verschwand wutentbrannt.

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