Caritasverband beklagt Klinik-Gesetz
„Kriminalisierung der katholischen Häuser“

Münster -

Kliniken sollen künftig eine Strafe von mindestens 300 Euro bezahlen, wenn eine Krankenhausrechnung nach der Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen verändert werden muss. Der Caritasverband Münster beklagt eine „Kriminalisierung der über 25 000 Mitarbeiter in den 55 katholischen Kliniken im Bistum.“

Dienstag, 12.11.2019, 14:20 Uhr
Caritasverband beklagt Klinik-Gesetz: „Kriminalisierung der katholischen Häuser“
Die meisten Krankenhäuser im Münsterland sind konfessionelle Kliniken. Foto: dpa (Symbolbild)

Der Diözesancaritasverband in Bistum Münster kritisiert mit scharfen Worten das vor wenigen Tagen beschlossene MDK-Reformgesetz. Danach sollen künftig auch Kliniken eine Strafe von mindestens 300 Euro bezahlen, wenn eine Krankenhausrechnung nach der Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) verändert werden muss. Werde das Gesetz Wirklichkeit, sähen viele Krankenhäuser ihre Finanzierung bedroht, so der katholische Verband.

„Wir erleben eine Kriminalisierung der über 25 000 Mitarbeiter in den 55 katholischen Kliniken im Bistum“, sagt Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann. Bislang mussten nur die Krankenkassen eine Strafe von 300 Euro zahlen, wenn eine von ihnen als falsch bewertete Abrechnung vom MDK nicht beanstandet wurde.

Zu lange in der Klinik?

Dabei gehe es, so Kessmann weiter, zumeist nicht um tatsächliche Falschabrechnungen, sondern um unterschiedliche Bewertungen. Vom MDK beanstandet würden vor allem vermeintliche Fehlbelegungen in den Kliniken. Dabei nähmen die Prüfer die gerade in katholischen Häusern gepflegte soziale Komponente nicht in den Blick. „Selbst wenn medizinisch ein längerer Aufenthalt in der Klinik nicht mehr erforderlich wäre, ist häufig eine Entlassung nicht möglich, weil es keine Plätze in nachstationären Versorgungseinrichtungen wie beispielsweise Altenheimen gebe“, erklärt der Caritasverband in einer Mitteilung. Die Krankenhäuser seien jedoch verpflichtet, die Überleitung dorthin sicherzustellen.

Abgesehen vom Uniklinikum und den Einrichtungendes LWL gibtes im Münsterland nur konfessionelle Kliniken. Gerade für die sei es immer schwieriger, „einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten“, betonte Kessmann. Laut aktuellem Krankenhaus-Report verbuchen bundesweit 28 Prozent aller Krankenhäuser einen Jahresverlust, zwölf Prozent droht die Insolvenz.

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