Missbrauch
Verurteilter Geistlicher nach Haft weiter als Priester aktiv

Köln/Münster - Ein Priester aus dem Erzbistum Köln ist in den 1970er und 1980er Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Haft- und einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Trotzdem konnte er danach noch Jahrzehnte als Geistlicher in den Bistümern Köln, Münster und Essen wirken - unter anderem in Münster, Westerkappeln und Bocholt. Das hat die Bischöfliche Pressestelle am Dienstag mitgeteilt. Der heute 85-jährige Priester ist seit 2002 im Ruhestand und inzwischen nicht mehr in der Seelsorge tätig.

Dienstag, 12.11.2019, 16:07 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 16:29 Uhr
Kölner Dom
Ein Priester ist trotz einer Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern weiter in der Seelsorge tätig gewesen. Foto: Oliver Berg/dpa

Peter Frings, der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, war im Mai 2019 durch ein Schreiben auf den Fall aufmerksam gemacht worden. Das Erzbistum Köln hatte daraufhin der Rechtsanwaltskanzlei, die seit Anfang 2019 alle Fälle sexuellen Missbrauchs im Erzbistum untersucht, auch das Aktenmaterial der anderen Bistümer für diesen Fall zur Verfügung gestellt. Die Kanzlei soll prüfen, wer von den Verantwortlichen der betroffenen Bistümer worüber informiert war und wer welche Entscheidungen getroffen hat. „Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Frühjahr 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt werden“, heißt es dazu in einer Mitteilung.

Verurteilter Priester war weiter in der Seelsorge aktiv

Der Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt, zeigte sich erschüttert darüber, dass ein Priester, der zweimal rechtskräftig verurteilt wurde, dennoch weiter in der Seelsorge bleiben konnte. „Dieser Fall wirft in besonders bedrückender Weise Fragen auf, die gründlich aufgearbeitet werden müssen: Wie konnte man einen Priester, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hat, dennoch weiter in der Seelsorge arbeiten lassen? Wie konnte man ihn erneut in einer Pfarrei einsetzen?“

Priester war in den 70ern in Münster und dem Münsterland

Nach den Recherchen der drei Bistümer war der Geistliche 1973 als Aushilfe in der Gemeinde St. Bernhard in Bocholt-Lowick eingesetzt und von 1974 bis 1978 in der Schulabteilung des Generalvikariates in Münster tätig. Ab 1975 war er auch als Aushilfe in St. Margareta in Westerkappeln aktiv.

Verantwortliche sollen namentlich genannt werden

Die Aufarbeitung des Falls, so betonte Vogt weiter, sei bewusst in die Hände unabhängiger Juristen gegeben worden. „Die Öffentlichkeit und insbesondere die Betroffenen haben ein Recht zu erfahren, wer in den Bistümern die Entscheidungen über einen weiteren seelsorglichen Einsatz zu verantworten hatte. Die Verantwortlichen werden nach Abschluss der Untersuchungen namentlich genannt. Sie haben große Schuld auf sich geladen und den Täterschutz und das Ansehen der Institution über den Schutz der Betroffenen gestellt.“

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