Verwaltung stellt Maßnahmenpaket vor
Strategiepapier für den Eichenprozessionsspinner

Ascheberg -

Wie geht die Gemeinde Ascheberg 2020 mit dem Eichenprozessionsspinner um? Die Verwaltung legt ein Strategiepapier vor.

Freitag, 15.11.2019, 08:00 Uhr
In sensiblen Bereichen sollen im nächsten Jahr Nester entfernt werden. Die Gemeinde hat dazu im Haushalt 15 000 Euro eingestellt.
In sensiblen Bereichen sollen im nächsten Jahr Nester entfernt werden. Die Gemeinde hat dazu im Haushalt 15 000 Euro eingestellt. Foto: hbm

Seit 2017 ist in Ascheberg, wie in der gesamten Region, ein vermehrtes Vorkommen des Eichenprozessionsspinners zu beobachten. Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Coesfeld kann die Population des Eichenprozessionsspinners fürs nächste Jahr nicht sicher vorhergesagt werden. Sie hängt von vielen Faktoren ab, etwa von Temperaturen, Niederschlägen und von Fressfeinden sowie von einem möglichen Parasitenbefall der Eier. Die Gemeindeverwaltung Ascheberg hat nun, basierend auf den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre, eine Strategie zur Bekämpfung für das kommende Jahr 2020 erarbeitet. Dabei wurden die Fachleute des Biologischen Zentrums in Lüdinghausen und der Unteren Naturschutzbehörde einbezogen.

50 neue Nistkästen

Umweltfreundliche, natürliche Vorsorge: „Wir werden die vorsorglichen Maßnahmen verstärken“, erklärt Bürgermeister Dr. Bert Risthaus. „Dabei setzen wir auf eine möglichst naturnahe, umweltfreundliche Lösung, indem wir versuchen, die Anzahl der natürlichen Fressfeinde der Raupen zu erhöhen.“ Mehr (Jung-)Vögel können schließlich mehr Raupen vertilgen. Damit sich in Ascheberg viele neue Vögel ansiedeln können, bauen die Schüler der sechsten und siebten Klassen der Profilschule Ascheberg in diesem Schulhalbjahr im Technikunterricht Nistkästen für verschiedene Vogelarten. „Unter Anleitung der Techniklehrer Stephan Ronge und Florian Schulte werden bis Ende Januar rund 50 neue Nistkästen entstehen“, erklärt Pressesprecherin Simone Böhnisch.

Je mehr verschiedene Arten zusammen leben, umso besser reguliert sich das Ökosystem selbst.

Biologin Dr. Irmtraud Papke

Diese zusätzlichen Kästen sollen im gesamten Dorfgebiet in der Nähe befallener Eichen aufgehängt werden. „Die Idee ist, dass die nistenden Vögel ihre Jungtiere mit den Insekten aus der Nachbarschaft füttern, bevor die Raupen des Eichenprozessionsspinners ihre Brennhaare ausbilden“, erklärt die Biologin Dr. Irmtraud Papke vom Biologischen Zentrum in Lüdinghausen. „Je mehr verschiedene Arten zusammen leben, umso besser reguliert sich das Ökosystem selbst.“ Die Vielfalt der Vogelarten können alle Bürger selbst das ganze Jahr über fördern, indem sie naturnahe Gärten anlegen, im Winter Vögel füttern und auf ihrem eigenen Grundstück Nistkästen aufhängen und pflegen. Bei der jährlichen Reinigung der Nistkästen plant die Gemeindeverwaltung eine Kooperation mit dem Inklusionsbetrieb INTZeit-Arbeit gGmbH, einem Tochterunternehmen des Sozialwerks St. Georg.

Verwaltung beauftragt Schädlingsbekämpfer

Gezielte Prophylaxe: Damit sich die Eichenprozessionsspinner an sensiblen Orten gar nicht erst ausbreiten, wird die Verwaltung erneut örtliche Schädlingsbekämpfungsfirmen beauftragen. Sie sollen die Bäume an sensiblen Bereichen wie Schulhöfen, Kindergärten und Spiel- und Sportplätzen vorsorglich behandeln. „An welchen sensiblen Bereichen diese Maßnahme notwendig ist, haben wir bereits überlegt“, erklärt Christian Scheipers, Leiter der Tiefbauabteilung. Wie im vergangenen Jahr, sollen die Standorte prophylaktisch behandelt werden. Zusätzlich sollen im nächsten Jahr auch stark frequentierte öffentliche Bereiche, die sich im gemeindlichen Eigentum befinden, prophylaktisch behandelt werden: der große Prozessionsweg, der Friedhof und die Festwiese sowie Schwakes Pättken in Ascheberg, die Burgstraße sowie das Burgturmgelände in Davensberg und der weiträumige Bereich am und um den Friedhof in Herbern. „Wir wollen die Prophylaxe jedoch auf die allernotwendigsten Standorte beschränken, da sie auch andere Insekten schädigen könnte“, erklärt Scheipers. „Den Einsatz von Bioziden können wir jedoch nicht gänzlich vermeiden, da wir die Gesundheit der Bevölkerung an vielbesuchten Orten im Innenbereich anders nicht ausreichend schützen können“, begründet Risthaus die zusätzlichen Vorsorgemaßnahmen.

Entfernen verbleibender Nester in sensiblen Bereichen: Sollte die Prophylaxe nicht ausreichen und in sensiblen Bereichen trotzdem Nester des Eichenprozessionsspinners entstehen, wird die Verwaltung diese von Fachfirmen absaugen lassen. Um diese Vorsorge- und Schutzmaßnahmen zu finanzieren, werden für 2020 rund 15 000 Euro im Haushalt einzuplanen sein.

Service der Gemeindeverwaltung: Die Gemeinde wird in der Saison des Eichenprozessionsspinners wieder jeden Hinweis auf Gefahrenstellen entgegennehmen und den jeweiligen Handlungsbedarf prüfen. An den mitgeteilten Standorten werden die Mitarbeiter des Bauhofs Warnschilder aufhängen. Sofern es darüber hinaus notwendig sein sollte, sperren sie einzelne Bereiche und prüfen, ob eine Entfernung weiterer Raupennester durch Fachfirmen notwendig und möglich ist.

 

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

 

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