Experiment aus Hörstel
Mit Globuli und Bachblüten gegen den Eichenprozessionsspinner

Hörstel -

Hilft Homöopathie gegen den Eichenprozessionsspinner? Ein Experiment aus Hörstel, bei dem eine Mischung aus Globuli und Bachblüten zum Einsatz kam, soll einen durchschlagenden Erfolg erzielt haben.

Samstag, 16.11.2019, 12:00 Uhr
Experiment aus Hörstel: Mit Globuli und Bachblüten gegen den Eichenprozessionsspinner
Foto: Oliver Werner

Mehr als jemals zuvor haben uns die giftigen Haare des Eichenprozessionsspinners (kurz: EPS) in diesem heißen Sommer zu schaffen gemacht. Mancher Waldspaziergang und Aufenthalt unter Eichen endete für Mensch und Tier mit Brennen und Jucken. Uralte Hofeichen wurden gefällt, weil die giftigen Haare für die Bewohner zur nicht enden wollenden Qual wurde. Inzwischen hat der Kreis Steinfurt eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich um Warnschilder kümmert und eine Online-Plattform zur Meldung von EPS-Befall anbietet. Überall wird nach der idealen Methode zur EPS-Bekämpfung gesucht.

Da gibt es die thermische Bekämpfung, Sprühkanonen, heißer Dampf, chemische Behandlung, EPS-Fallen und natürlich die Absaugmethode. Jede Methode aber ist mit Nachteilen verbunden, meist aus ökologischer, vor allem aber aus finanzieller Sicht. In dieser Situation erinnert man sich gern auch der natürlichen Feinde dieser Raupenart, speziell der Meise. Weil deren Lebensraum durch Versiegelung und aufgeräumte Gärten massiv zurückgedrängt ist, ist hier keine schnelle Entlastung zu erwarten.

In dieser aussichtslos erscheinenden Lage lässt ein Beitrag von Ordnungsamtsleiter Christian Ungruh im Hörsteler Umweltausschuss aufhorchen. Der berichtete von einem Experiment, das Stefanie Höpfner in Hörstel mit homöopathischen Mitteln durchgeführt hat: Mehrere Bäume begoss sie mit einer Mischung von Globuli und Bachblüten und erzielte damit dem ersten Vernehmen nach einen durchschlagenden Erfolg. Auf Anfrage teilte die Riesenbeckerin mit, dass sie als Mitglied im international tätigen humanitären Netzwerk „Live To Love“ auf diese Methode aufmerksam wurde.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Gemeinsam mit einer Homöopathin hat sie in diesem und im vergangenen Jahr mit einer geheimen Mischung an verschiedenen Stellen in Steinbeck, Uffeln und Hörstel Eichen behandelt. Dazu gehörten auch die alten Eichen auf dem Grundstück des Kolping-Kindergartens in Riesenbeck. In den hohen Bäumen mussten im vergangenen Jahr etliche EPS-Nester entfernt werden. In diesem Jahr waren es nach der Behandlung – nicht ein einziges. Das bestätigt Kita-Leiterin Esther Haermeyer. Den ganzen Sommer konnten die Kinder unbehelligt von giftigen Härchen unter den Eichen spielen.

Versuchsanordnung mit 30 Eichen

Stefanie Höpfner behauptet nicht, das Allheilmittel gefunden zu haben. Vieles deute aber auf eine Wirksamkeit des Mittels hin: „Wo wir gegossen haben, lief der Prozess anders ab“, so ihre Beobachtung, die sie jetzt systematisch betreibt. Bei einer Versuchsanordnung hat sie 30 Eichen im Stadtgebiet begossen: je zehn an der Birgter Schule, wo die Nester bereits abgesaugt wurden, weitere zehn an der Ziegeleistraße, wo sich noch Nester befanden, und schließlich zehn Bäume an der Torfmoorseestraße, wo befallene Bäume begossen und dann abgesaugt wurden. Gegossen wurde drei Mal im Abstand von drei Wochen, jeweils mit zehn Litern der Flüssigkeit direkt am Baumstamm. Links und rechts der begossenen Eichen wurde der Nachbarbaum ausgelassen. Denn, so die Annahme von Stefanie Höpfner, die Bäume geben die Informationen über die Wurzeln an den Nachbarn weiter.

Kosten bleiben überschaubar

Das Mittel selbst gilt als ökologisch unbedenklich und würde im Vergleich zu allen anderen bislang bekannten Methoden nur geringe Kosten verursachen. In der Stadt Hörstel sind die Kosten für die Bekämpfung des EPS im nächsten Jahr mit 50.000 Euro veranschlagt.

Bürgermeister David Ostholthoff geht davon aus, dass die homöopathische Methode bald auch andere Kommunen interessieren könnte. Die Stadt wolle vielschichtig unterwegs sein und den Einsatz von chemischen Mitteln vermeiden. Aber ganz gleich, wie man auch vorgehe, eines sei sicher: „Wir können und wollen die Raupen nicht ausrotten.“

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