Gericht verurteilt Grevener
60.000 Kilowatt für die Cannabis-Plantage

Greven/Rheine -

Wegen Herstellung von Betäubungsmittel in seiner Haus-Plantage verurteilte das Schöffengericht Rheine am Dienstag einen 39-jährigen Grevener zu einem Jahr und neun Monaten ohne Bewährung.

Mittwoch, 20.11.2019, 07:12 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 08:35 Uhr
 
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Der Verteidiger hatte Freispruch beantragt, weil die Aufzucht der Marihuana-Plantage aufgrund von Berechnungen des hohen Stromverbrauchs von 60.000 Kilowatt in zwei Jahren nicht bewiesen worden sei. Sein Mandant, so der Anwalt, habe mit Strom geheizt.

Der Angeklagte bestritt die Tat. Sein Verteidiger behauptete, dass nach der Zwangsräumung des Hauses bis zur polizeilichen Durchsuchung am 4. Dezember 2017 jeder freien Zutritt gehabt habe.

Der Angeklagte schuldet dem Stromanbieter in Greven noch 16. 900 Euro, wie ein Elektromeister der Stadtwerke als Zeuge angab. Der Normalverbrauch liege bei 4500 Kilowatt.

Sechs Hochleistungslampen im Flur

Das Betreten des Grundstücks sei fast unmöglich gewesen, so der Stadtwerke-Mitarbeiter, weil der Mieter den Stromzähler nicht ablesen lassen wollte.

Nachbarn hätten sich über die oft frei laufenden Hunde bei der Stadt beschwert, so dass eine Sachbearbeiterin schon vor der Räumung mit einer Tierärztin das Haus aufsuchte. Sie meint, dass sich 14 Hunde dort aufhielten, darunter viele Welpen. Im Garten hätte ein Wohnwagen gestanden, der nach Aussage der Polizei nicht bewohnbar gewesen sei.

Auch der Schornsteinfeger berichtete von Problemen. Seit 2015 sei die Ölheizung stillgelegt, deswegen habe er nur den offenen Kamin im Wohnzimmer gefegt.

Als Polizeibeamte das Haus mit einem Durchsuchungsbefehl betraten, „war es unbewohnbar und zugemüllt“, wie der Ermittler sagte. Allerdings stellten sie elf Hochleistungslampen, sechs allein im Flur, diverse Pflanzenkübel, Filter und Zubehör zur Aufzucht von Marihuanapflanzen sicher.

Bewährungsstrafe nicht möglich

Auf dem Boden lagen Marihuanablätter, „die nicht zu Staub zerfielen, als wir sie aufnahmen“, wie er sagte. Das deutete auf relativ frische Pflanzen hin.

Ein kriminaltechnisches Gutachten ergab, dass Drogen in nicht geringer Menge aufgezogen wurden. Der Staatsanwalt ging in seiner Anklage von 500 Pflanzen mit einem Ertrag von fünf Kilogramm Marihuana bei 250 Gramm THC-Gehalt (Wirkstoff) aus. „Aus meiner Sicht ist es abenteuerlich, dass der Angeklagte die Tat bestreitet“, sagte er in seinem Plädoyer.

Die Richterin meinte, dass der nicht vorbestrafte Angeklagte keinen beständigen Lebenswandel führe. „Im letzten Jahr hatte er keine Einnahmen, in diesem 8000 Euro aus der Hundezucht – ohne Ausgaben“, eine Bewährungsstrafe sei nicht möglich.

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