Katholische Kliniken beklagen Regelwut
Krankenhäuser akut in Not

Münster -

Immer mehr Krankenhäuser in ländlichen Regionen fühlen sich durch die Gesetzes- und Verordnungsflut aus dem Bundesgesundheitsministerium in existenzbedrohender Weise un­ter Druck gesetzt. Das hat der Caritasverband für die Diözese Münster erklärt. 

Mittwoch, 18.12.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 18.12.2019, 08:16 Uhr
Katholische Kliniken beklagen Regelwut: Krankenhäuser akut in Not
Der Diözesancaritasverband in Bistum Münster kritisiert eine als überflüssig empfundene Regelwut aus dem Haus Spahn. Foto: dpa

Die Krönung der Regelwut sei das im November beschlossene MDK-Reformgesetz, wonach Krankenhäuser künftig mindestens 300 Euro Strafe zahlen müssen, falls der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) eine Klinik-Rechnung beanstandet – und recht bekommt.  

„Schon jetzt hält der MDK rund vier Prozent aller Rechnungen zurück“, sagt Marcus Proff, Referatsleiter Krankenhaus und Pflegeausbildung im Diözesancaritasverband Münster. In der Summe seien das viele Millionen Euro. Proff geht davon aus, dass bis zu 15 Prozent der 59 katholischen Krankenhäuser im Bistum Münster dadurch auf Sicht von einer Insolvenz bedroht sind; „sie erwirtschaften schon jetzt keine Rendite“.

28 Kliniken und damit die mit großem Abstand meisten Häuser im Münsterland befinden sich in katholischer Trägerschaft. Die Ausnahmen lassen sich an einer Hand abzählen. Die Häuser fühlen sich durch den Druck besonders gebeutelt.

Finanzielle Sorgen, Stress, Überforderung

„Private Träger gehen dorthin, wo die Rendite stimmt“,ergänzt Klaus Schoch, Abteilungsleiter Gesundheitshilfe bei der Caritas. Und das sei in der Regel nicht der ländliche Raum. Christliche Häuser hingegen sähen sich auch der Gesundheitsversorgung verpflichtet – und fühlen sich mehr und mehr gekniffen.

Finanzielle Sorgen sind das eine. Stress durch die als Überforderung und vielfach überflüssig empfundene Regelwut aus dem Haus Spahn das andere. Von der Verordnung über die Pflegepersonaluntergrenze über das MDK-Gesetz bis zum Pflegestärkungsgesetz: Allein 2019 hat der aus Ahaus im Kreis Borken stammende Bundesgesundheitsminister 16 die Krankenhäuser betreffende Gesetze auf den Weg gebracht. Eine Folge: „Wir können für 2020 keine Wirtschaftsprognose aufstellen, die Verunsicherung und Unwägbarkeiten durch ständig neue Vorgaben sind viel zu groß“, so Schoch.

Kommentar: Quadratur des Kreises

Gesundheit ist ein sprichwörtlich teures Gut. 2018 beliefen sich die Kosten dafür in Deutschland auf 376 Milliarden Euro. Das sind 11,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes oder 4544 Euro je Einwohner. Viel Geld – und 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Kosten für die Gesundheit galoppieren nämlich davon – und das seit Jahren.

Das ist die schlechte Nachricht. Es geht aber noch schlechter. So ist die Kostensteigerung beispielsweise nicht automatisch mit einer flächendeckenden Verbesserung der medizinischen Versorgung verbunden. Gerade Menschen in ländlichen Regionen können ein Lied davon singen. In immer mehr Gemeinden fehlt der Hausarzt, immer mehr Krankenhäuser kämpfen mit der schwarzen Null und opfern dafür defizitäre Abteilungen.

Und nun? Ist auch guter Rat teuer. Sicher ist: Das altbekannte deutsche Gesundheitssystem ist in die Jahre gekommen und muss reformiert werden. Auf den Hund kommen darf es nicht. Effektiv, finanzierbar, qualitativ immer auf Höhe der Zeit und für jedermann verfügbar. Diese vier Bedingungen muss es erfüllen. Klingt zugegeben wie die Quadratur des Kreises. Geht nicht? Kann sein. Vielleicht hat es aber auch bisher nur niemand versucht. Elmar Ries

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