Andere Länder, andere Sitten: Weihnachtsfest in Indien
Ohne Baum, aber mit Stern

Saerbeck -

An den Weihnachtsfeiertagen bemerkt Pfarrer Ramesh Chopparapu immer wieder: „andere Länder, andere Sitten“.

Mittwoch, 25.12.2019, 10:30 Uhr
Riesige Sterne sind im Süden Indiens eines der wichtigsten Symbole zum Weihnachtsfest. Diese werden vom Pfarrer gesegnet und mit einem großen Fest der ganzen Gemeinde aufgehängt.
Riesige Sterne sind im Süden Indiens eines der wichtigsten Symbole zum Weihnachtsfest. Diese werden vom Pfarrer gesegnet und mit einem großen Fest der ganzen Gemeinde aufgehängt. Foto: privat

Das Fest hier in Deutschland – mit einem bunt geschmückten Weihnachtsbaum, dem Krippenspiel am Heiligen Abend und einer ausgiebigen Bescherung mit der gesamten Familie – sei nämlich ganz anders, als er es aus seiner Heimat, dem Süden Indiens, kennt.

Unterschiedlich ist in erster Linie das Wetter: Während es uns derzeit hier mit knapp zehn Grad schon deutlich zu warm für die aktuelle Jahreszeit ist, feiert man das Weihnachtsfest in Indien bei rund 30 Grad. Dies hat unter anderem zur Folge, dass in Indien keine Tannenbäume in den Wohnzimmern stehen. „In einigen Gemeinden werden manchmal künstliche Weihnachtsbäume aufgestellt“, erzählt Chopparapu. Dennoch fallen die Weihnachtslieder, die viele Familien traditionell am Heiligen Abend am Baum singen, nicht weg. „In Indien hört man den ganzen Tag Lieder und Gebete, sie werden mit Lautsprechern übertragen“, berichtet der Pfarrer. Die Musik läuft den ganzen Tag vom Turm der Kirche. „Laut aber schön“, beschreibt der Pfarrer die Situation.

Zusätzlich zu den Liedern am Weihnachtsfeiertag besucht der jeweilige Priester in vielen Gemeinden schon vor Weihnachten die Familien. Dabei wird er in der Regel von Kindern und Jugendlichen begleitet, die einen Chor bilden und für die Familie singen. Besondere Weihnachtslieder, bezeichnet als „Christmas Carols“, stehen dabei auf dem Programm. Selbstverständlich segnet der Priester die Familien auch.

Generell gibt es in Indien keinen zweiten Weihnachtstag. Ausschließlich am 25. Dezember wird das Fest gefeiert. Auch Bescherungen, welche hier für die meisten Kinder wohl das Highlight des Weihnachtsfestes darstellen, sind in Indien nicht üblich. Stattdessen kaufen sich fast alle Leute neue Kleidungsstücke, wie Chopparapu erzählt: „Viele in meiner Heimat können sich nur einmal im Jahr neue Kleidung leisten, und das ist dann eben an Weihnachten.“ Zum festlichen Weihnachtsgottesdienst wird die Kleidung dann erstmalig getragen.

Geschenke gibt es für die Kinder also nicht, dafür aber für die Armen der Bevölkerung. „Die Armen werden in der Gemeinde an Weihnachten besonders unterstützt.“ Dabei organisieren die jeweiligen Priester beispielsweise Kleidung, Lebensmittel oder andere nützliche Aufmerksamkeiten für sie. Vergeblich auf den Weihnachtsmann warten, muss in Indien allerdings kein Kind: Bereits an den Tagen und Wochen vor Weihnachten steht in einigen Geschäften „Santa Claus“ und verteilt Süßigkeiten an die Kinder.

An Weihnachten kommt – wie auch in Deutschland – die gesamte Familie zusammen. „Viele gehen dann zusammen ins Kino oder versammeln sich mit den anderen Gemeindemitgliedern im Dorf“, sagt Chopparapu. Dabei spielen sie häufig etwas. Zusätzlich findet oft ein kulturelles Programm statt. Dazu gehören Tänze, das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern oder das Aufführen eines Krippenspiels. Derartige Veranstaltungen seien immer sehr gut besucht. Der Besuch eines Gottesdiensts darf natürlich nicht fehlen. Im Anschluss daran ist es üblich, dass der Priester, Tee, Süßigkeiten und Kekse verteilt. Die Kirchen sind oft besonders schön geschmückt, beinhalten eine pompöse Krippe, und überall hängen bunte Plakate mit Glückwünschen.

Aber nicht nur mit diesen Plakaten wird jedes Dorf geschmückt, besonders wichtig sind große Sterne. „Der Stern ist das wichtigste Symbol in Indien. In vielen Gemeinden gibt es sogar Wettbewerbe für den schönsten Stern“, erklärt Chopparapu. Diese Sterne seien dabei nicht selten bis zu fünf Meter hoch, werden von der ganzen Gemeinde aufgehängt und vom Priester gesegnet.

Was Indien und Deutschland verbinde, sei, dass alle Menschen die Geburt Jesu feiern. Jedes Land lebt dabei seine eigenen Sitten und Traditionen, die sich allerdings alle im Fest der Verbundenheit und Liebe begründen, betont Pfarrer Chopparapu abschließend.

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