Sendener Tafel hat 2019 schwierige Hürden gemeistert
Engagement schweißt zusammen

Senden -

Zwei Fahrzeuge der Sendener Tafel haben 2019 ihren Geist aufgegeben. Zudem sind mehrere langjährige Ehrenamtliche aus persönlichen Gründen ausgeschieden. Dank des internen Zusammenhalts und durch Unterstützung von Spornsoren konnten diese Hürden gemeistert werden.

Montag, 30.12.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 14:06 Uhr
Schon seit Jahren für die Sendener Tafel engagiert im Einsatz (v.l.): Sabine Knümann (zweite Vorsitzende), Peter Klingelhöfer (Logistiker) sowie die Fahrer Siegmar Kockjeu und Manfred Stegt. Die Ehrenamtlichen freuen sich insbesondere, dass dem gemeinnützigen Verein seit Anfang Dezember wieder ein neues, großes Kühlfahrzeug zur Verfügung steht.
Schon seit Jahren für die Sendener Tafel engagiert im Einsatz (v.l.): Sabine Knümann (zweite Vorsitzende), Peter Klingelhöfer (Logistiker) sowie die Fahrer Siegmar Kockjeu und Manfred Stegt. Die Ehrenamtlichen freuen sich insbesondere, dass dem gemeinnützigen Verein seit Anfang Dezember wieder ein neues, großes Kühlfahrzeug zur Verfügung steht. Foto: jpk

Ein bewegtes Jahr liegt hinter der Sendener Tafel, die seit nunmehr neun Jahren Menschen, die nicht gerade an der Sonnenseite leben, mit Lebensmitteln und weiteren Gütern des täglichen Bedarfs unterstützt. Die Waren werden durch Kooperation mit Unternehmen, Supermärkten oder durch Spenden bereitgestellt. Ein gewisser Teil wird zugekauft.

„Das Spendenaufkommen ist unterschiedlich. Man kann keine Summe fest einplanen. In der Vergangenheit hat die Tafel Senden häufig von Geldauflagen durch Gerichtsurteile profitiert“, erklärt der Tafel-Vorsitzende Herbert Jakobs. Besonders erfreulich sei es, dass die Sendener regelmäßig Produkte in Sammelboxen bei örtlichen Supermärkten oder an den Tafeltagen spenden. Auch Pfandbons werden in Boxen gespendet. Einer dieser Kästen wurde in diesem Jahr allerdings gewaltsamen geöffnet.

Die Tafel lebt vor allem vom Engagement vieler Ehrenamtlicher aus der Gemeinde Senden. Darüber hinaus unterstützen sich die Tafeln im Kreis Coesfeld gegenseitig. „Sie greifen sich unter die Arme, die Zusammenarbeit klappt sehr gut“, betont Jakobs. Mitunter holen die Tafel-Fahrer auch Waren von Großspendern ab – beispielsweise aus Bielefeld oder Köln. Vor Ort kümmern sich andere Ehrenamtliche dann um die Sortierung und Ausgabe der Waren. Dabei haben sich die Tafelräume in der Schulze-Bremer-Straße bewährt.

Doch es gab auch Probleme: Zu Beginn des Jahres musste ein neuer Caddy für den Warentransport angeschafft werden. Das Fahrzeug, liebevoll „Käthe“ genannt, war nicht mehr einsatzfähig. Im Juni erlitt dann auch noch das Kühlfahrzeug „Glücksbringer“ einen Motorschaden und war fahruntüchtig. Erfreulicherweise konnte jedoch Anfang Dezember ein neues Kühlfahrzeug in Betrieb genommen werden. Der Wagen wurde durch Kooperation mit Beresa/Mercedes Benz sowie durch die Hilfe weiterer Sponsoren finanziert und am Nikolaustag übergeben (WN berichteten).

Wesentlich ist die reibungslose Koordination der verschiedenen Aufgaben. 2019 ergaben sich diesbezüglich durch häufige Wechsel und Ausscheiden langjähriger Mitarbeiter Engpässe. Daher sind neue helfende Hände auch 2020 gerne gesehen. Logistiker Peter Klingelhöfer beispielsweise wird aus persönlichen Gründen kürzer treten. Seine in neun Jahren Tafelmitarbeit geknüpften Kontakte zu Sponsoren und Nachbartafeln möchte das Gründungsmitglied aber weiter pflegen. Als Ansprechpartner für die Fahrer gibt er positive Rückmeldungen: „Der neue Wagen kommt gut an. Das Beladen ist bequemer möglich. Wir können auch mehr auf einmal mitnehmen und müssen dadurch nicht so oft fahren“.

Die Tafel wurde 2019 auch durch Firmlinge bei der „72-Stunden-Aktion“ sowie durch Schüler- und Studierendenpraktikanten unterstützt. Außerdem gab es eine Kooperation mit der Caritas im Projekt „Integration durch Arbeit“. Am „Runden Tisch“ wurden caritative Vereine/Organisationen seitens der Gemeinde eingeladen. Es wird überlegt, im Rahmen eines „sozialen Netzwerks“ enger miteinander zu arbeiten.

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Das zehnjährige Tafel-Jubiläum am 12. Juni 2020 soll mit einem großen Festakt begangen werden. Es stehen viele Vorbereitungen an, eine Festschrift ist geplant.

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Nur 35 von 130 Senioren nutzen das Tafel-Angebot

Die Sendener Tafel betreute in diesem Jahr monatlich zwischen 424 und 543 Kunden. Zuletzt waren es im Dezember 431 Kunden, unter ihnen 151 Kinder. Das entspricht 168 Bedarfsgemeinschaften.Insgesamt hätten bis zu 130 Senioren, die Grundsicherung erhalten, ein Anrecht auf Leistungen der Tafel. Tatsächlich gibt es in dieser Altersgruppe aber nur etwa 35 Kunden. Die Tafel-Mitarbeiter führen dies auf fehlende Mobilität und eine bei vielen Älteren vorhandene „Schamgrenze“ zurück. Für Senioren würde der Verein daher gerne eine Art Fahrdienst anbieten, was aber sehr schwierig umzusetzen sei, sagt Herbert Jakobs.Im Zuge des Flüchtlingsaufkommens stieg die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, so dass auch die Ausgabezeiten geändert werden mussten. 2019 ist die Zahl der Kunden, die im zweiwöchigen Rhythmus kommen, konstant zurückgegangen. Daher werden die gebildeten sechs Gruppen 2020 wieder zu drei Gruppen zusammengelegt, die dann im wöchentlichen Rhythmus unterstützt werden.

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