Uwe Schreck sorgt für den richtigen Kaffeegeschmack
Der Röster vom Samocca

Lengerich/Westerkappeln -

m Samocca in Lengerich steht eine Maschine zum Kaffeerösten. Rund 4,5 Tonnen werden dort allein in diesem Jahr verarbeitet. Der Job des gebürtigen Westerkappelners Uwe Schreck ist es, die verschiedenen Sorten so zu verarbeiten, dass am Ende der Geschmack in der Tasse stimmt.

Dienstag, 31.12.2019, 06:13 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 06:30 Uhr
Während des etwa Röstvorgangs kontrolliert Uwe Schreck mehrfach, wie sich ihre Farbe verändert und sie nach und nach dunkler werden.                             
Während des etwa Röstvorgangs kontrolliert Uwe Schreck mehrfach, wie sich ihre Farbe verändert und sie nach und nach dunkler werden.                              Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die kleinen Dinger sehen für den Laien auf den ersten Blick aus wie Erdnüsse. Uwe Schreck lächelt, als er das hört. Der 51-Jährige ist im Samocca an der Münsterstraße der Mann für den guten Geschmack – zumindest in Sachen Kaffee. Seit einigen Jahren kümmert sich der Beschäftigte der Ledder Werkstätten (Lewe) um das Rösten der Bohnen. Wer möchte, kann bei ihm auch eine Degustation buchen und dabei nicht nur von dem schwarzen Getränk kosten, sondern zudem manch Interessantes erfahren.

Die Grundkenntnisse des Röstens hat er seinerzeit bei einem einwöchigen Kursus vermittelt bekommen. Aber, sagt der Fachmann, der aus einer Westerkappelner Gastwirtsfamilie stammt, die Erfahrung spiele bei seiner Arbeit eine große Rolle. Einfach fünf Kilogramm Bohnen in die Röstmaschine einfüllen, anmachen und warten – so einfach funktioniere die Sache nicht.

Da wäre zum Beispiel die Frage, um welche Sorte es sich handelt. Neun verschiedene gibt‘s im Samocca. Monsooned Malabar aus Indien muss anders behandelt werden als Santos Oberon. Und diese Bohnen aus Brasilien wieder anders als Acatenango aus Guatemala. Bei wie viel Grad kommen sie in den Röster? Wie hoch wird die Temperatur im Laufe der Röstung gefahren? Und wie lange bleiben die Bohnen im Röster? So ungefähr kann Uwe Schreck das schon vorher sagen. 15 bis 20 Minuten dauert die Arbeit. Und in Sachen Temperatur lautet eine der Regeln für den Monsooned Malabar beispielsweise „Nicht über 200 Grad“. Aber, schränkt Uwe Schreck ein, es gebe verschiedene Faktoren, die ebenfalls eine Rolle beim Rösten spiele. Er verweist aufs Wetter: Ist es im Sommer warm und trocken, sei das eine gänzlich andere Sache als in diesen eher neblig-trüben Tagen.

Also zieht der Fachmann immer wieder eine kleine Schütte aus der Rösttrommel und schaut sich einige Bohnen an. Vor allem die Farbe sagt ihm, wie es um den Kaffee bestellt ist. Während die Bohnen in der Maschine sind, verlieren sie erheblich an Gewicht. Von den fünf Kilogramm bleiben am Ende 4,2. Die müssen nach dem Rösten mindestens noch einen Tag, besser drei Tage liegen bleiben. Erst so sei der richtige Geschmack garantiert, erklärt Uwe Schreck.

Zu tun hat er reichlich. Es wird nicht nur für die Gäste im Samocca geröstet, sondern für den gesamten Lewe-Bedarf – vom Kaffee fürs Büro bis zum Verkauf im Vis-à-Vis-Geschäft. Rund viereinhalb Tonnen kämen so allein in diesem Jahr zusammen, sagt Lewe-Sprecher Jörg Birgoleit.

Ein wichtiger Vorgang beim Rösten ist das sogenannte Cracken. Das erinnere ans Popcornmachen, beschreibt der Samocca-Röster, was im Inneren der Trommel passiert. Die Bohnen bekommen Risse und knacken, chemische Vorgänge werden in Gang gesetzt, es entstehen die typischen Kaffeearomen. „Gut ist die Bohne, wenn sie am Ende glatt und nicht fettig ist“, sagt der 51-Jährige.

Just an diesem Tag passiert es ihm, dass eine Röstung danebengeht. „Das kommt sonst vielleicht ein, zwei Mal im Jahr vor“, bleibt Uwe Schreck gelassen. Beim nächsten Durchgang ist dann auch schon wieder alles so, wie er es sich wünscht.

Aus „Samocca“ wird „Famano“

Ab Januar treten die Cafés der Ledder Werkstätten in Lengerich und Ibbenbüren mit neuem Namen auf. Statt „Samocca“ heißen sie dann „Famano“. Das Wort leitet sich aus dem italienischen „fatto a mano“ ab und bedeutet „handgemacht“. Viele Jahre waren die Lewe Teil des Samocca-Projekts, das 2003 im baden-württembergischen Aalen mit einer ausgelagerten Werkstattarbeitsgruppe der Ostalb-Werkstätten begann. Heute umfasst das Franchise-Netzwerk 17 Cafés im ganzen Bundesgebiet. Als einer der ersten Franchise-Nehmer wurde das Café in Lengerich im Dezember 2006 eröffnet. Marianne Büscher (Geschäftsleitung Arbeit) sagt zum Namenswechsel: „Als selbstständiger Anbieter können wir schneller und flexibler agieren und die tägliche Arbeit besser an die vielen Behinderungsbilder der Beschäftigten anpassen.“ Frei von Franchise-Vorgaben wolle man nun beispielsweise die Speisekarte regionaler gestalten oder auf konkrete Wünsche der Gäste rasch reagieren. Wie bisher werden laut Lewe in Lengerich und Ibbenbüren jeweils zehn Menschen mit Behinderung beschäftigt sein.

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Bereits seit 1985 ist er bei den Ledder Werkstätten. Sein Job im Samocca „macht viel Spaß“, versichert Uwe Schreck. Und wenn eine Gruppe zur Degustation komme – umso besser. Ihn freut‘s. Dann zitiert er bei seinem historischen Anmerkungen über die Geschichte des Heißgetränks auch schon mal Papst Clemens VII., der als Wegbereiter des Kaffees in Europa gilt und im 16. Jahrhundert gesagt haben soll: „Dieses Getränk des Satans ist köstlich, wir können es nicht den Ungläubigen überlassen.“

Zum Thema

Wer an einer Kaffee-Verkostung Interesse hat, kann sich im Famano dafür anmelden. Die Gruppen sollten aus mindestens fünf Personen bestehen.

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