Das Ochtruper Pius-Hospital schließt
Der letzte Tag im Krankenhaus

Ochtrup -

In Ochtrup endet eine Ära: Nach 146 Jahren schließt zum Jahreswechsel das Pius-Hospital für immer. Doch wie geht es weiter in dem Gebäude - und mit der medizinischen Versorgung vor Ort?

Dienstag, 31.12.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 11:58 Uhr
Das Pius-Hospital hat eine lange Geschichte: Diese Postkarte stammt aus dem Stadtarchiv und trägt einen Poststempel vom 12. Oktober 1899
Das Pius-Hospital hat eine lange Geschichte: Diese Postkarte stammt aus dem Stadtarchiv und trägt einen Poststempel vom 12. Oktober 1899 Foto: Stadtarchiv

Die Flure sind leer, die Zimmer zwar noch nicht alle verwaist, doch neue Patienten kommen nicht mehr hinzu. Die Ochtruperin Hildegard „Hilde“ Ruhkamp ist eine der letzten, die im Pius-Hospital behandelt wurde. Mit einem Blumenstrauß wird die 81-Jährige am Tag ihrer Entlassung von Dr. Klaus Innig verabschiedet. Dann schließt das Krankenhaus in Ochtrup für immer. Das Gebäude wird zu einer Altenpflege-Einrichtung.

Die Nachricht vom Ende des Hospitals ist gar nicht so alt: „Es ist mit dieser Mitteilung kein leuchtender Tag für Ochtrup“, hat Dietmar Imhorst, Vorstand der Stiftung Mathias-Spital, bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am 1. Oktober erklärt. Wenige Minuten zuvor hatte er bekannt gegeben, dass das seit 1873 existierende Pius-Hospital zum Jahresende schließen werde. Gründe für diese Entscheidung seien vor allem wirtschaftliche Aspekte gewesen. Die mangelnde Wirtschaftlichkeit, davon ist der Stiftungsvorstand überzeugt, hänge auch an der bundesdeutschen Gesetzgebung, die vor allem kleinere Häuser benachteilige. Das Pius-Hospital würde danach ab 2020 von der Notfallversorgung ausgeschlossen und müsse Abschläge für stationäre Patienten zahlen. Das bedeute Erlösrückgänge in sechsstelliger Höhe pro Jahr. Die Stiftung betreibt unter anderem auch Krankenhäuser in Rheine, Ibbenbüren, Mettingen und Bad Bentheim.

"Mensch – nicht nur eine Nummer"

„Hilde“ Ruhkamp vermag so recht nicht zu realisieren, dass sich hier und jetzt eine Ära in der medizinischen Versorgung dem Ende zuneigt. Anders dagegen ihre Schwiegertochter Rita und ihre Enkelin Katrin Ruhkamp. Beide haben auch eine berufliche Bindung an das Haus. Rita Ruhkamp, heute 48 Jahre alt, hat hier vor 30 Jahren ihre Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. Zu vielen der ehemaligen Kolleginnen hat sie allerdings noch Kontakt. Die jüngste der Ruhkamps, Katrin, hat ebenfalls ihre Lehre – jedoch als Medizinische Fachangestellte – hier durchlaufen. Sie wechselte zunächst – um dann wieder zurückzukehren. Nun folgt für die 24-Jährige ein weiteres Mal der Abschied. Im neuen Jahr wird sie in Rheine arbeiten.

Die Schließung des Krankenhauses ist für die drei Frauen nicht nur eine emotionale Angelegenheit. „Die wohnortnahe Versorgung wird fehlen“, bringt es Rita Ruhkamp auf den Punkt. „Die Wege sind zukünftig weiter, die nächsten Krankenhäuser sind in Gronau oder Rheine.“ Das sei vor allem für die älteren Menschen ein Problem. „Die Geschwister meiner Schwiegermutter konnten immer wieder mal schnell zu Besuch kommen. Die meisten sind ebenfalls betagt und fahren mit dem Auto zwar im Ort herum, aber nicht mehr weiter. Oder sie nehmen den Bus. Das wird wegfallen, wenn jemand in größerer Entfernung untergebracht ist.“ Und wesentlich wichtiger ist für sie: „Hier im Krankenhaus war man noch Mensch – nicht nur eine Nummer.“

Einzugsbereich bis in Kreis Borken

Wenn die letzten Krankenhaus-Patienten verabschiedet sind, beginnt der Umbau. Aus den zwei- und drei-Bett-Unterbringungen werden Einzelzimmer. 40 davon stehen dann für die Kurzzeitpflege – überwiegend postakut – zur Verfügung. „Wenn ältere Menschen aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber nicht direkt nach Hause zurück können und noch kein Heimplatz zur Verfügung steht, ist eine Übergangslösung erforderlich. Die bieten wir an“, erklärt Carsten Wellbrock, ab Januar der neue kaufmännische Leiter des Pius-Stifts. „Unser Einzugsbereich erstreckt sich hier über den Kreis Steinfurt hinaus bis hin in den Kreis Borken, in die Niederlande und die Grafschaft.“ Im Südflügel des Erdgeschosses werden zudem zwölf Tagespflegeplätze eingerichtet.

Einige bisherige Krankenhaus-Mitarbeiter wechseln in die neue Einrichtung. Andere, deren Wohnort im westlichen Bereich des Münsterlandes läge, hätten Jobs in anderen Krankenhäusern der Stiftung gefunden, versichert der neue Chef.

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