Extravagantes Autohobby
Auf vier Rädern militärhistorisch durch Europa

Ostbevern -

Unikate und Blickfang: Die vierrädigen Gefährte von Ulrich Brunner und Tim Berninger sorgen für Aufsehen, wenn sie auf den Straßen unterwegs sind. Es handelt sich um ehemalige Schweizer Militärfahrzeuge.

Samstag, 04.01.2020, 07:32 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 13:26 Uhr
Sind mit außergewöhnlichen ehemaligen Schweizer Militärfahrzeugen auf den Straßen zu sehen: Ulrich Brunner (l.) und Tim Berninger (r.) fahren Steyr-Puch-Pinzgauer-Fahrzeuge. 
Sind mit außergewöhnlichen ehemaligen Schweizer Militärfahrzeugen auf den Straßen zu sehen: Ulrich Brunner (l.) und Tim Berninger (r.) fahren Steyr-Puch-Pinzgauer-Fahrzeuge.  Foto: Bernd Pohlkamp

Sie lieben Oldtimer und Militärfahrzeuge der Schweizer Armee. Wenn Ulrich Brunner (Ostbevern) und Tim Berninger (Milte) mit ihren im österreichischen Graz entwickelten Steyr-Puch Pinzgauern über die Straßen von Ostbevern düsen, fallen die Fahrzeuge auf. Das Führen von ausrangierten Militärfahrzeugen hat sich zu einem beliebten Spezialhobby entwickelt.

Ulrich Brunner fährt einen ehemaligen Geländelastwagen der Schweizer Armee mit 87 PS auf zwei Achsen aus dem Jahre 1979: „Ich wollte mir schon immer so ein Fahrzeug anschaffen. In Aachen habe ich es 2015 erworben.“ Ulrich Brunner musste seinen zweiachsigen Geländelastwagen Pinzgauer 710M nur etwas umrüsten. Auf dem Dach hat er eine Solaranlage installiert. Damit wird die Wohnbatterie aufgeladen.

Das ursprüngliche Planenverdeck war bereits beim Erwerb durch Aluminiumplatten ersetzt worden. Das sorgt für Stabilität und mehr Wärme. Der luftgekühlte Benziner wurde zusätzlich für den Betrieb mit Autogas umgerüstet, so dass wahlweise mit Benzin oder Autogas gefahren werden kann. Die „neuen“ Sitze wurden aus einem Smart entfernt und eingebaut. Das Dach kann aufgestellt werden.

Die Inneneinrichtung hat er so gestaltet, dass er auch schnell einen Schlafbereich für zwei Personen schaffen kann. „Ich habe auf Reisen die Nächte auch schon mal unter klarem Sternenhimmel verbracht“, verrät Ulrich Brunner, dass er sein außergewöhnliches Fahrzeug als Fern-Reisemobil einsetzt. „Wenn es mal etwas kühler wird, funktioniert auch die Standheizung problemlos.“

Auf seinen Fernreisen quer durch Europa schafft sein Pinzgauer eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. In diesem Jahr war er in Lettland, im vergangenen Jahr in Litauen. Wartungs- und Reparaturarbeiten nehmen Ulrich Brunner und Tim Berninger selbst vor. Mit Geschick, Zeit und einer entsprechenden Unterstell-Möglichkeit haben die Oldtimerfreunde inzwischen so viel Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt, dass es leicht fällt, Mängel zu erkennen, zu beseitigen oder den Wagen zu optimieren. Ersatzteile sind bis auf die kleinste Schraube beim Hersteller in Graz erhältlich.

Es soll etwa 150 Pinzgauer in Deutschland geben. Hilfsbereitschaft ist im „Pinzgauer Forum“ im Internet garantiert. Fehlt etwa ein Fahrzeugteil und ist dieses etwa nur in Österreich erhältlich, wird das Ersatzteil von Gleichgesinnten so lange hin- und her transportiert bis es am Zielort Ostbevern oder in der Region angekommen ist und dort abgeholt werden kann.

Begeisterung im Kindesalter geweckt

Tim Berninger fährt seit 13 Jahren einen Dreiachser, einen historischen Pinzgauer 712K. Auch als Kleinbus für bis zu acht Personen kann er sein 1975 gebautes und teilweise umgebautes Militärfahrzeug einsetzen. Die Begeisterung für derartige Fahrzeuge entwickelte sich bei ihm im Kindesalter.

Mit seinen Eltern hatte er einen Urlaub in Ungarn verbracht. Auf der Rückfahrt kamen sie durch Graz, vorbei am Automobilpark der Firma Steyr-Puch: „Dieser Anblick der vielen Militärfahrzeuge faszinierte mich und in mir wuchs die Begierde, ein derartiges Fahrzeug eines Tages fahren zu wollen.“ So erwarb Tim Berninger in Siegen einen in der eidgenössischen Armee gefahrenen Dreiachser mit geschlossenem Aufbau.

Auch er setzt seinen Pinzgauer überwiegend als Reisemobil ein. So haben Ulrich Brunner und Tim Berninger schon viele Länder in Europa erlebt und entdeckt: „Unsere Leidenschaft wird zum Kult. Es gibt immer schöne, spannende und berührende Momente. Und die Gewissheit: Wir haben inzwischen ein Netzwerk von Pinzgauern, die sich helfen und helfen lassen.“

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